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Die letzte Nacht haben wir schlecht geschlafen und Kopfschmerzen vertrüben ein wenig den Morgen. The same procedure as every day: Frühstück, bestehend aus Croissants und Kaffee am Bahnhof  – das hat sich schon gut bewährt. Wir kaufen ein Tagesticket und los geht es in ein anderes Viertel der Stadt. Erster Stopp: das Koninklijk Paleis am Dam. Die Geschichte des imposanten Bauwerks begann als prachtvolles stadhuis (Rathaus) im republikanischen Amsterdam. Genutzt wird es seit 1655, fertig gestellt wurde es erst zehn Jahre später. Der Bau ersetzte an gleicher Stelle das alte Rathaus, das niedergebrannt war. Es wurden keine Kosten gescheut, den Reichtum Amsterdams darzustellen und sich mit den prachtvollen europäischen Gebäuden der Epoche zu messen. Eineinhalb Jahrhunderte nach seinem Bau wurde das Gebäude als Palast proklamiert, als Napoleon seinen Bruder Louis als König der Niederlande einsetzte. 1935 wurde er von der niederländischen Regierung gekauft und für Staatempfänge restauriert. Offiziell ist der Palast der Sitz von Königin Beatrix, die auch eine symbolische Miete zahlt.

Obwohl man das Gebäude besichtigen kann, ist der Palast geschlossen, weil irgendwelche Umbauarbeiten vorgenommen werden. Schade, denn im Inneren soll es schöne Sitzungs- und Empfangsräume geben. Auch keine ordentlichen Fotos können wir machen, weil gerade ein „Tingel- Tangel-Markt aufgebaut wird. Die gibt es wirklich überall! Wir haben die Idee in das angrenzende Einkaufscenter zu gehen und dort in einem hohen Stockwerk Fotos zum Paleis zu machen. Leider funktioniert das nicht so. Aber ein gutes hat es doch gehabt, beim Hinausgehen finden wir ein paar günstige Schnäppchen!

Unmittelbar neben dem königlichen Palast befindet sich die spätgotische Nieuwe Kerk. Sie ist die Krönungskirche der niederländischen Königsfamilie und ist die zweitälteste Kirche Amsterdams. Gebaut am Anfang des 15. Jahrhunderts um einen Turm des 12. Jahrhunderts herum, der jetzt der älteste Teil der Kirche ist, stellt die St. Nicolaaskerk, wie sie auch genannt wird, ein Wunder von innen und außen dar. Die Bezeichnung „neu ist lediglich in Bezug auf die Oude Kerk zu verstehen, denn beide konkurrierten früher um den Rang der prunkvollsten Kirche der Stadt. Die Nieuwe Kerk wurde mehrmals durch Feuer zerstört. Geplant war auch der Bau eines extrem hohen Turms, der aber nie fertig gestellt wurde, weil die finanziellen Mittel dafür in den Bau des benachbarten Rathauses flossen. In dieser Kirche befindet sich die berühmte Bovenwerk Orgel und eine mit prächtigen Schnitzereinen verzierte Eichenkanzel. Der Innenraum der Kirche ist eine der meist fotografierten in .

Leider können wir uns von dieser Aussage aus dem Reiseführer nicht überzeugen, denn sie ist geschlossen. Heute wird das Gebäude für Ausstellungen und Orgelkonzerte genutzt, aber nicht mehr als Kirche. Amsterdam, die Stadt der verschlossenen Sehenswürdigkeiten!

Auf der anderen Seite des Dam-Platzes steht mit Blick auf den Königlichen Palast das Magna Plaza. Es ist ein imposanter Koloss mit einer orange-weißen Fassade und wurde 1895-99 als Hauptpost erbaut. Es zählte einst zu den beeindruckendsten Postämtern Europas, wurde aber 1992 in ein exklusives Einkaufszentrum verwandelt, in dem sich hauptsächlich Boutiquen angesiedelt haben. Die Innenausstattung im gotisch- maurischen Stil ist beim Umbau gänzlich erhalten geblieben. Die Gesamtfläche von Magna Plaza beträgt 5.500 Quadratmeter, verteilt über vier Stockwerke. Die Ladenräume befinden sich rund um das zentrale Atrium unter der gläsernen Kuppel des 19. Jahrhunderts. Stolz ist das Gebäude auch auf seine Öffnungszeit: Open 7 days a week! Wir sind vom Gebäude selbst sehr beeindruckt, aber was das Shoppen betrifft, spricht es uns überhaupt nicht an. Ein Klamottengeschäft reiht sich an das andere und eines ist exklusiver als das andere. Nach einem Rundgang durch das Innere verlassen wir den Ort des Luxus wieder.

Es ist heute wieder nicht sehr warm, aber die Sonne scheint und am Himmel ziehen schöne Schäfchenwolken vorbei.

Wir machen einen Spaziergang durch die Bluwalgracht, Kaisergracht und Herrengracht. Heute haben wir uns vorgenommen, ein wenig mehr Augenmerk auf die Hausschilder zu legen. Vor der Einführung von Hausnummern im Jahr 1795 wurden viele Amsterdamer Wohnhäuser noch anhand ihrer Haustafeln identifiziert. Die gemalten oder gemeißelten Steinplatten entstanden Mitte des 17. Jhdts. Sie gaben Auskunft über Herkunft, Konfession oder Beruf des Besitzers. Und wenn man wirklich bewusst durch die Grachten geht, dann fallen einem sehr viele davon auf. Sie sind heute ein schöner Blickfang an den Häusern.

Überall in den Gassen bietet sich uns das gleiche Bild: die Bewohner versuchen mit Minigärten vor dem Haus und Töpfen auf den Treppen ein wenig Natur zu sich zu holen. Etwas sehr Amüsantem sind wir auch begegnet: öffentliche, unter freiem Himmel stehende Pissoirs! Da sieht man dann nur die Beine und hört es plätschern. Ich bin mir da nicht ganz sicher, wenn ich so aufs Klo gehen müsste, ob ich da noch könnte!

Zu Mittag sitzen wir gemütlich auf einer Bank unter einer schattenspendenden Ulme und beobachten wieder das Leben rund um uns. Im Minutentakt sausen Radfahrer vorbei, beladen mit Kindern, Kisten, Blumen oder sonst irgendwelchem Kram, das man im täglichen Leben so braucht. Was uns immer wieder auffällt ist, dass keiner der Fahrer oder Mitfahrer einen Helm trägt oder angegurtet ist. Und dabei rasen sie mit einem Zunder durch die Gassen, dass es oft gefährlich werden kann.

Egal wo man hinkommt, überall sind Fahrräder angekettet und das auch oft in mehreren Schichten hintereinander. Mit mächtigen Absperrketten sind sie festgebunden, auch Drahtesel, die bei uns schon längst auf dem Sperrmüll gelandet wären. In Amsterdam gibt es mehr als eine Million Fahrräder – mehr als die Stadt überhaupt Einwohner hat. Mittlerweile hat das Fahrrad im Zentrum der Stadt den anderen Verkehrsmitteln in Punkto Wichtigkeit den Rang abgelaufen. Am Nachmittag probieren wir es wieder einmal mit einer Kirche. Vielleicht ist uns das Glück diesmal hold und wir können eine von innen betrachten. In der Nähe des nördlichen Endes der Prinsengracht befindet sich die imposante Noorderkerk.

Sie wurde 1623 fertig gestellt und war für die Normalbürger gedacht. Der Grundriss ist ein breites griechisches Kreuz mit vier gleich langen Armen um eine zentrale Kanzel. Diese Gestaltung war für jene Zeit ungewöhnlich, sollte sich aber später für alle protestantischen Kirchen des Landes durchsetzen. Zu unserer Freude ist sie offen – und zwar bis 15:00 Uhr – und wird vom Pfarrer und seiner Frau bewacht. Sie gefällt uns sehr gut, denn im Inneren ist es sehr schlicht und hell. Irgendwie vermittelt sie nicht das Flair einer Kirche, wie wir es kennen, denn die bunten Glasfenster fehlen hier. Von der weißen Holzdecke hängen riesige Metallluster und im hinteren Raum ist eine große Orgel platziert.

Während wir so dastehen und die Eindrücke in uns aufnehmen, kommt der alte Pfarrer auf uns zu und quatscht uns an. Wir vergleichen die Kirchen unserer Heimatländer und im Laufe des Gespräches zieht er über die Islamisten her. Er sagt, dass es in Holland schon mehr davon gibt, als Potestanten und Katholiken zusammen. Wir unterhalten uns sehr lange mit ihm und es gelingt uns nur sehr schwer, uns aus seinen Fängen zu befreien. Da hat er in uns wieder einmal ein „Opfer gefunden, bei dem er seinen Frust loswird.

Das verspätete Mittagessen nehmen wir in einem Straßencafé ein. Während wir unseren Toast genießen bietet uns der Straßenverkehr wieder eine lustige Kulisse. Autos kämpfen wieder erbarmungslos mit den Fahrradfahrern um die Vorfahrt. Vermehrt sind Hausfrauen unterwegs, ihre Fahrräder mit den Kindern beladen, die sie von der Schule oder vom Kindergarten abgeholt haben.

Zur selben Zeit wie die Noorderkerk wurde auch die Westerkerk erbaut, wobei die Westerkerk die größere wurde und nicht zuletzt den reichen Bewohnern der Grachtengürtel dienen sollte. Als sie 1631 eingeweiht wurde, war sie die größte protestantische Kirche der Welt. Der Westertoren (Turm) wurde 1638 fertig gestellt. Er befindet sich an der Prinsengrachtseite, wurde zu einem Symbol vom Jordaan und ist mittlerweile viel besungen. Er ist 85 Meter hoch und damit Amsterdams höchster Turm.

Der Westertoren ist Eigentum der Stadt und diente einst unter anderem als Aussichtsturm für die Feuerwehr. Der obere Abschnitt ist aus mit Blei bekleidetem Holz gemacht. Der weiche Amsterdamer Boden machte es nicht möglich, einen so hohen Turm ganz aus Stein zu bauen. Die Kaiserkrone auf der Spitze wurde 1489 von Maximilian von Österreich geschenkt. Die größte Glocke im Turm ist 7.509 kg schwer und wurde 1636 gegossen. Sie ist die schwerste Glocke von Amsterdam und wird jede volle Stunde geläutet. Das Glockenspiel wurde 1959 restauriert und beinhaltet seitdem 47 Glocken. 1966 fand in der Westerkerk die Hochzeit der heutigen Königin Beatrix und Prinz Claus statt. Bis heute wird die Kirche für Gottesdienste genutzt. Das Innere der Kirche wirkt pompöser, obwohl sie auch sehr hell gestaltet ist. Im Vordergrund befindet sich eine große, graue Orgel, die bei unserem Kirchenbesuch gerade gespielt wird. Und im hinteren Teil der Kirche gibt es noch eine kleinere, grüne. Im zentralen Mittelpunkt ist eine dunkle Kanzel angebracht und rote Teppiche führen zu ihr hin. Viele Touristen tummeln sich und kaufen fleißig Souvenirs im Laden, der sich im vorderen Teil befindet. Punkt 15:00 Uhr werden alle aufgefordert, die Kirche zu verlassen, denn sie wird wieder versperrt.

Mit der Tram fahren wir weiter zum Bloemenmarkt auf dem Singel. Er ist zu allen Jahreszeiten eine der farbigsten und duftigsten Sehenswürdigkeiten von Amsterdam. Das Besondere daran ist, dass die Waren auf schwimmenden Kähnen aufgebaut sind. Dies ist ein Überbleibsel aus der Zeit, als alle Blumen und Pflanzen auf diesem Markt noch täglich per Kahn aus den Gartengebieten rund um die Stadt angeliefert wurden. Seit 1862 ist dieser schwimmende Blumenmarkt auf einer der ältesten Grachten von Amsterdam zum bekanntesten Blumenmarkt der Niederlande geworden. Alles, was wächst und blüht, ist hier zu finden; von den urholländischen Tulpen und Geranien bis zu Bonsai und feinsinnigen Zimmerzypressen. Natürlich findet man hier auch viele typische holländische Souvenirs. Cannabis in Dosen zum selber züchten stehen auch in Massen da und wir überlegen kurz, ob das als lustiges Souvenir Anklang finden würde. Aber vielleicht dürfen wir es ja gar nicht einführen. Wir begnügen uns daher mit schönen Tulpenzwiebeln und können nur hoffen, dass sie nächstes Jahr daheim eine außergewöhnliche Blüte zustande bringen. Ich kann mich kaum losreißen, weil ich so fasziniert bin, dass aus verdörrt scheinenden Zwiebeln, Knollen oder Stämmen schon die ersten Triebe zu sehen sind.

Es ist mittlerweile 16:30 Uhr geworden und erste Ermüdungserscheinungen machen sich bemerkbar. Wir finden Platz in einem winzigen Straßencafé (zwei Tische im Freien) und bestellen uns aufbauende Getränke: Sinaasappel + Banaan Yoghurt Shake und einen Espresso met Melkschuim. Die Tische sind so gut geschützt vom Wind und die Sonne brennt herunter – aber das tut gut. Eine halbe Stunden später fahren wir wieder zum Hotel zurück.

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Ein Kommentar zu „18.04.07 – Amsterdam

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