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Ich hab´s Wolfgang versprochen, es ist die endgültig letzte Wanderung in diesem Urlaub – und zwar ist das ein 3 km langer Rundweg zum Mushroom Rock ins Rainbow Valley. Informationstafeln entlang des Weges erklären geologische und botanische Gegebenheiten der Küste. Die Gesteinsschichten werden durch verschiedene Stufen der Verwitterung hervorgerufen. Härtere Schichten sind resistenter und formen Überhänge. Die weicheren dagegen erodieren leichter. Es dauerte tausende Jahre, bis diese Formen erzeugt wurden. Wir erreichen schnell die Felsformation, die wirklich wie ein Pilz aussieht. Da er direkt am Meer „wächst“, beobachten wir eine Weile die herein brausenden Wellen. Von da weg heißt es dann klettern, aber wir sind ja frisch und munter und da ist das kein Problem. Wir erreichen ein Plateau, auf dem Steine wie große Murmeln herum liegen. Dazwischen blühen in großen Flächen die pink farbigen Mittagsblumen. Als nächstes kommen wir ins Rainbow Valley und es trägt nicht unverdient diesen Namen. Leider haben wir hier Schatten, sodass die Farben nicht so kräftig strahlen. Das tut aber der Wirkung keinen Abbruch. Wir haben somit die halbe Wanderstrecke hinter uns und der letzte Teil geht durch niedriges Gehölz. Diese Bodendeckerbüsche stabilisieren einerseits die dünne Erdschicht, andererseits sprengen sie aber auch das Gestein, indem sie mit ihren Wurzeln in die Tiefe graben. Dazwischen wachsen wieder allerlei Wildblumen und wir entdecken sogar kleine, weiße Orchideen. Nach einer Stunde erreichen wir wieder den Parkplatz. Hat sich wirklich noch gelohnt, diese letzte Wanderung!

An der südlichen Grenze von Kalbarri befindet sich der Rainbow Jungle, eine Aufzuchtstation für gefährdete Papageienarten und Sittiche. Mehr als hundert Vögel mit Beschreibungen über Herkunft, Vorkommen und Besonderheiten gibt es da zu bewundern. Und wir kommen aus dem Staunen wirklich nicht mehr heraus. Dieser Park ist mit so viel Liebe bis ins Detail angelegt, dass wir ewig dableiben hätten können. Die Vögel sind teilweise in Einzelgehegen untergebracht und dann gibt es noch ein großes Voliere, in das der Besucher hinein gehen kann. Hier sind Futtertöpfe mit Körnern, Obst oder Gemüse aufgestellt. Es herrscht gefährlicher Luftverkehr, denn da fliegen die Tiere an dir vorbei, dass man sich oft ordentlich erschreckt. Andere hüpfen zwischen den Füssen durch oder setzten sich auf die Bank zu uns. Ein ganz neugieriger Sittich will unbedingt wissen, was in unserer Wasserflasche drin ist. Sie wirken richtig zahm und stehen dem Besucher Modell. Dann gibt es da einen Nacktaugenkakadu, der alle Leute, die an ihm vorbei gehen mit „hello“ begrüßt.

Wie in einem Dschungel schlängeln wir uns durch die einzelnen Räume, die mit viel Grün, Brunnen und Sitzgelegenheiten dazwischen, gestaltet sind. In einem Gehege sitzt ein Red Capped Parrot oder Western King, der ein Überbleibsel vom Godwanaland ist, bevor sich der Kontinent geteilt hat. Es wird angenommen, dass es die älteste Spezie ist und nicht mit den anderen australischen Parrotarten verwandt ist. Er kommt nur mehr im südwestlichen Teil Australiens vor. Im Gegensatz dazu hat sich der graurosa farbige Galah in den letzten fünfzig Jahren schon fast in ganz Australien verbreitet. Sie sind mittlerweile zur Plage geworden, weil sie die Brutstätten anderer Vögel übernehmen und auch Krankheiten verbreiten. Der Eastern Rosella ist der berühmteste Sittich in Australien, denn er dient seit mehr als hundert Jahren einem Ketchup als Logo. Beim Ausgang sitzt ein Port Lincoln, der sogar Jingle Bells oder Waltzing Mathilda singt. Außerdem fragt er „How ya going“.

Schweren Herzens verlassen wir diesen entzückenden Ort und fahren auf dem Gregory Gray Drive gen Süden. Die wunderschöne Landschaft zieht an uns vorbei und von weitem schon sind das gelbe Leuchten der vielen Akazienbäume und die roten Lampenputzer zu sehen. Eine Farm reiht sich an die nächste und die Ähren der Felder schaukeln im Wind.

Wir kommen auch an der Hutt River Province vorbei, dem einzigen unabhängigen Staat (ausser Australien selbst) auf dem Kontinent. Aus Wut über den australieschen Staat gründete der Farmer Casley eine selbstverwaltete Regierung. Aufgrund der damaligen australischen Gesetzgebung war es den Bürgern möglich, bei drohendem Landverlust oder landwirtschaftlicher Not aus dem Commonwealth auszutreten und ein „eigenes Land“ zu gründen. Als die Regierung Exportquoten einführte, fühlte er sich in seiner Existenz bedroht. Er führte lange Prozesse, bekam aber dann am 21. April 1970 recht! Ist doch pervers!

Lange bevor wir Port Gregory erreichen, fahren wir an der Pink Hutt Lagoon entlang. An einer Stichstraße bleiben wir kurz stehen und spazieren zum See, denn es ist kaum zu glauben, was man da sieht. Einen See mit rosarotem Wasser! Wir treffen zwei junge Deutsche und die zweifeln schon an ihrem Verstand. Im Wasser gibt es eine besondere Meeresalgenart, die die Salzkristalle im Wasser rosa färbt, die die Algen während ihrer Blütezeit freisetzen. Der Farbstoff wird industriell abgebaut und als Lebensmittelfarbe verwendet.

Wir fahren weiter und machen dann wieder einen kurzen Halt in Northampton, einer kleinen Stadt mit noch erhaltenen, historischen Gebäuden aus den 1840er Jahren, als hier Blei abgebaut wurde. Uns interessiert auch der Bowling Club, denn da spielen viele betagte Damen eine Art „Eisstockschießen“. Das ganze wird auf Teppich gespielt mit Kugeln, die auf zwei Seiten leicht abgeschrägt sind, damit sie umfallen, wenn sie zum Stillstand kommen. Und wie sich das für einen Club gehört, trägt man auch einheitliche Kleidung mit weißem Hütchen. Wirklich amüsant zum Zusehen.

Trotzdem müssen wir weiter fahren und halten erst wieder für einen Abstecher in Geraldton. Und zwar sehen wir uns hier das Kriegerdenkmal HMAS Sydney War Memorial an, das hoch über der Stadt errichtet wurde. Der Metallturm besteht aus 645 Möwen, je eine für die im Zweiten Weltkrieg verstorbenen Seemänner. Über das mysteriöse Schicksal des Schiffes HMAS Sydney wird auf Schautafeln berichtet. Wir haben wunderschönes Licht für die Fotos, aber der Wind hebt uns beinahe aus. Da es hier oben aus vollen Rohren bläst, überfliegen wir den Text nur und fahren dann weiter Richtung Süden, um für morgen so nah als möglich an den Nambung Nationalpark zu kommen. Knapp hundert Kilometer davor checken wir dann aber in einem Roadhouse ein, weil das Fahren bei Dunkelheit zu sehr anstrengt.

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