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Lärm rundherum weckt uns mehrmals, doch um 06:00 Uhr bimmelt dann eh unser Wecker. Noch schlaftrunken und mit kleinen Augen erledigen wir die Morgentoilette, packen Rucksack und Kameras und dann stapfen wir los zur Rezeption der Lodge. Wir werden mit einem Shuttledienst von dort abgeholt und zum Ufer des Yellow Water Rivers gebracht. Yellow Waters ist ein Feuchtgebiet, das in der Regenzeit überschwemmt ist und sich in der Trockenzeit zu einem Zufluchtsort für Tiere verwandelt.  Bevor wir noch das Boot besteigen, können wir schon Wasserbüffel beim Grasen beobachten und dann geht es los zur zweistündigen Bootsfahrt.

Innerhalb

weniger Minuten geht die Sonne auf und die Dunstschwaden steigen langsam hoch und lösen sich auf. Es herrscht bereits reges Treiben auf dem Wasser und im Feuchtgebiet rundherum. Wir erleben den allmorgendlichen Einflug der Spaltfußgänse, die in großen Schwärmen kreischend über unseren Köpfen hinweg ziehen. Kurz nachdem wir den Boardwalk verlassen, erblicken wir auch schon das erste Krokodil. Es liegt am Ufer und wärmt sich in der Sonne auf – oder liegt es schon auf der Lauer? Futter wäre auf jeden Fall genügend vorhanden. Es gibt im Kakadu Nationalpark über 280 Vogelarten (Kraniche, Brolgas, Jabirus, Störche, Snakebird und viele, viele andere).

Ein Seeadler thront auf einem Ast und es stört ihn nicht, dass das Boot sehr nahe an das Gebüsch heran fährt. Fast daneben sitzt ein wunderschöner blauer Kingfisher

und dreht sich alle paar Sekunden wie ein Model in eine andere Position. So loben wir uns das! Das Boot tuckert weiter entlang des Ufers, das mit Pandanuspalmen, Mangroven, Paperrindenbäumen,… gesäumt ist. Dann zeigt uns der Guide einen Jesusbird, der deswegen so genannt wird, weil es aussieht, als könne er über das Wasser gehen. In Wirklichkeit spaziert er auf den Blättern der Wasserlilien. Es sieht alles so friedlich aus, doch dann gucken plötzlich wieder Augen eines Salties dazwischen heraus. Aber es wird von den Vögeln rundherum entdeckt und kreischend machen sie sich aus dem Staub. Beinahe auf jedem Ast sitzt ein Vogel und lässt sich mit Ruhe beobachten. Es scheint, als hätte man sie eben erst für uns dort hin gesetzt. Wir sind echt überrascht und begeistert, wie schnell unser Guide einen Vogel entdeckt und ihn für uns erklärt. Auch über das Gebüsch rundherum ist er bestens informiert und gibt sein Wissen an uns weiter. Bei den wunderschönen roten Wasserlilien erzählt er uns, dass sie von den Aborigines als bush tucker verwendet wurden / werden. Und zum Schluss gibt er noch die Anekdote weiter, wie der Alligator River zu seinem Namen gekommen ist. Ein amerikanischer Forscher hat das Land vermessen und hat im Fluss Krokodile gesehen. Da es in Amerika nur Alligatoren gibt, hat er das Gewässer Alligator River benannt. Den nächsten Fluss, den er entdeckt hat, benannte er East Alligator River, dann gibt’s noch den South Alligator River, …

Wow, war das ein Erlebnis! Nach der Bootsfahrt bekommen wir in der Lodge noch ein ausgiebiges Frühstück, das wir jetzt mit ordentlichem Hunger genießen. Dann packen wir mittlerweile schon routinemäßig zusammen und brausen los.

Erstes Ziel ist Maguk, ein Wasserloch, in den ein beeindruckender Wasserfall stürzt. Und das bedeutet, wir fahren das erste Mal eine unsealed road! Laut Verkehrsschilder dürfen wir 70 km/h fahren und das erscheint uns auf den ersten Blick etwas viel zu sein. Aber wir werden eines Besseren belehrt, denn wenn man zu langsam fährt, bekommt man jeden Stoß voll mit. Daher bretteln wir ordentlich über die Piste, dass der Staub hinter uns nur so aufwirbelt. Links und rechts beeindrucken uns viele riesige Termitenbauten und Paperbarks. Im Nu haben wir die Strecke hinter uns und erreichen einen Parkplatz. Es ist sehr heiß hier und deshalb hüpfen wir schnell in unsere Badeklamotten, nochmal eine Schicht Sonnencreme aufgetragen und schon stapfen wir los.

Der erste Teil der Strecke führt abwechselnd auf einem Boardwalk oder in schwarzem Sand. Doch dann geht es über Geröll und da heißt es aufpassen, denn die Steine sind teilweise etwas wackelig. Mittlerweile haben wir uns einen Insektenspray gekauft und uns eingesprüht. Die erste Viertelstunde beeindruckt das die Fliegen, doch dann werden sie anscheinend resistent, denn sie sind wieder ungut, wie die Tage davor. Diese Biester sind nur halb so groß, wie die unseren zu Hause, aber doppelt so lästig.

Die Belohnung für den Marsch ist ein kristallklarer Plunge Pool mit angenehm kühlem Wasser – daher flüchten wir hinein. Es ist so angenehm, dass wir gar nicht mehr raus gehen wollen. Als dann aber eine ganze Busladung kommt, hauen wir doch ab.

Da das Fahren auf der unasphaltierten Straße so lustig war, nehmen wir auch die zum Gunlom Wasserfall in Angriff. Die 39 km gleichen aber einem Waschbrett und es rumpelt zeitweise schon arg. Die Straßenverhältnisse ändern sich beinahe nach jeder Kurve. Mal ist sie breit, dann wieder schmäler, es geht bergauf und bergab, einmal ist sie schön fest gefahren und dann müssen wir wieder durch ein weiches Sandbett fahren. Das ignorieren wir aber schnell, denn die Umgebung nimmt uns in ihren Bann. Das hohe Steppengras am „Straßenrand“ ist von der roten Erde so schön gefärbt, dass es in der Sonne richtig golden leuchtet. Der Kontrast dazu vom grünen Woodland und dem blauen Himmel – einfach kitschig.

Bei den Gunlom Falls angekommen erschlägt uns die Hitze regelrecht. Trotzdem schlüpfen wir wieder in unsere Badesachen und folgen der Wegbeschreibung zum Wasserfall – nur da plätschert nichts mehr. Und das Wasser im Pool reizt uns auch nicht zum Baden. Daher belassen wir es dabei, nur Fotos zu machen und die Infotafeln zu lesen und machen uns dann wieder auf den Weg zurück auf den Highway.

Die Fahrt Richtung Süden ist sehr eintönig und ermüdet uns. Daher machen wir eine kurze Rast, bevor wir bei Pine Creek wieder auf den Stuart Highway auffahren. Gleich nach dem Einbiegen mahnt ein Schild: „Reduce Speed – Traffic Accident ahead“ und da steht ein komplett ausgebrannter Roadtrain. Na, da muss die Hölle los gewesen sein, als der lichterloh brannte! Fast im gleichen Moment braust einer mit vier Tankanhängern an uns vorbei. Sie sehen schon beeindruckend aus, diese Monster! Sie können eine Länge von mehr als fünfzig Metern haben.

Ca. 20 km vor Katherine biegen wir zum Nitmiluk Nationalpark ab – früher Katherine-Gorge Nationalpark. An der Westgrenze des Parks machen wir noch einen Abstecher bei den

Edith Falls, die einen großen See speisen. Das Abendlicht lässt das Bergmassiv richtig golden leuchten und wir genießen eine Weile diese schöne Stimmung. Dabei können wir eine kleine Echse beim Sonnenbad beobachten.

Es ist bereits dunkel, als wir am Campingplatz im Nationalpark ankommen. Aber es ist hier die volle Disco im Gange. Neben dem Swimming Pool spielt Livemusik und rundherum herrscht quierliges Gewusel von Groß und Klein. Im Dämmerlicht flattern die Flying Foxes und Wallabies sitzen wie Hauskatzen vor den Campern und betteln. Von uns bekommen sie nicht freiwillig was – dafür räumen sie in der Nacht unser Mistsackerl aus und zerfetzen die Prospekte, die wir draußen vergessen hatten.

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