vorherige Seite <<>> nächste Seite

Fast mitten in der Nacht, um 5:00 a.m., stehen wir auf, um den wunderschönen Sonnenaufgang über den bizarren Gebirgsformationen zu genießen. Wir sind ganz allein auf der Anhöhe, nur ein paar Tasmanwürgekrähen leisten uns dabei Gesellschaft.

Wir haben wieder einen weiten Weg zurückzulegen und deshalb fahren wir anschließend auch gleich los. Auf der Strecke nach Brisbane hüpfen Känguruhs quer über den Highway, also keine Zeit zum Schlafen beim Fahren.

Durch Brisbane, die Hauptstadt Queenslands, wollen wir nur durchfahren. Die zwei- bis vierspurige Motorroute, auf der die Autos und Trucks Stoßstange an Stoßstange fahren, kostet mir ein paar Jahre meines Lebens. Von Abstandhalten oder Blinken dürfen die Aussies nicht recht viel halten. Jedenfalls bin ich heilfroh, als wir an Brisbane vorbei sind und unser nächstes Ziel den Lamington Nationalpark ansteuern können.

In Nerang verlassen wir den Pacific Highway in Richtung Canungra, dem südlichen Teil des Parks. Die letzten 30 km zum O´Reilly´s Guesthouse (Ausgangspunkt für die Wanderungen) führen über steile Serpentinen hoch. Die Quälerei über die schlechte Straße hat sich aber gelohnt. Wir kommen in einen prächtigen Regenwald mit schönen Stelzwurzeln, Würgefeigen, Lianen, Epiphyten und leuchtend roten Flame Trees (Flammenbäume). Der Flammenbaum ist im Südwinter erst blattlos und überzieht sich erst gegen Oktober / November mit unzähligen, intensiv roten, glockenförmigen Blüten. Dann leuchtet der ganze Baum schon von weitem in seiner roten Pracht.

Auch hier hat man einen Boardwalk durch den Wald angelegt und nach etwa der Hälfte des Weges kommen wir zu einer Leiter, die bis auf das Dach der Bäume führt. Von dort oben haben wir eine atemberaubende Aussicht auf ein “grün- rotes Meer“. Wir finden eine Würgefeige, deren Wirtsbaum schon abgestorben und zerfallen ist. Daher ist der Innenraum komplett hohl.

Zwischen Parkplatz und den Walking Tracks wachsen Bäume, auf denen sich viele Pennant- Sittiche (blau-rot), Königssittiche (orange-grün) und Gelbnacken-Laubenvögel (schwarz-gelb) tummeln.


Sie sind auf Touristen eingestellt und freuen sich, wenn sie gefüttert werden. Die Vögel sitzen auf unseren Händen, Schultern und sogar am Kopf, während sie sich um das Futter streiten. Es herrscht ein wahres Durcheinander und Gekreische, das allen Spaß macht. Als Andenken haben wir tagelang überall Kratzspuren auf der Haut.

Am Nachmittag geht’s weiter zum Springbrook Nationalpark.

In Advancetown sehen wir zuvor noch einen schönen Boab (Flaschenbaum); wahrscheinlich der erste und letzte, den wir zu sehen bekommen. Dieser Baum hat einen dicken Stamm, in dem er bis zu 300 Liter Wasser speichern kann. Dickere Exemplare dienten sogar als Gefängnis für Kriminelle!


Gleich nach dem Eingang zum Nationalpark sitzt ein kleiner Eastern Grey Water Dragon auf einem Baumstamm, schaut neugierig, was wir da mit ihm so vorhaben und steht uns für unsere Fotos komplett ruhig Modell.

Ein kurzer Weg führt in eine Schlucht zur Natural Bridge, die den Eingang einer Höhle, der Glühwürmchenhöhle, bildet. Leider ist es noch zu hell, sodaß wir kein Würmchen zu sehen bekommen. Zudem sind auch hier die Auswirkungen der Trockenheit zu sehen, denn der Wasserfall, der in die Höhle plätschert, ist nur ein kleines Rinnsal. Die Atmosphäre ist trotzdem beeindruckend.

Der Regenwald beherbergt wieder prächtige Würgefeigen, schöne Epiphyten und Farne. Eine von den langen Lianen hat sogar mein Gewicht ausgehalten und ich kann mal ausprobieren, wie sich Tarzan fühlt, wenn er sich damit durch den Urwald schwingt.

Auf der Suche nach einem Campingplatz huschen viele Hasenkänguruhs von einer Straßenseite auf die andere, sodaß wir kaum vorwärts kommen. Sie sind echt süß, diese vielen kleinen „Viecherl“!
Wir marschieren im Stechschritt (es ist schon so kalt) zu einer Aussichtsplattform und kommen dabei bei einigen wunderschönen Antarctic beeches vorbei; das sind riesige, alte Südbuchen. Einen Caranvanpark haben wir nicht gefunden und deshalb übernachten wir wieder „wild“ auf einem Parkplatz.

Die meisten Parkplätze und Rastplätze in Australien sind neben Tisch und Bankerl auch mit Toiletten und BBQ-Grillstationen ausgerüstet, sodaß es kein Problem ist, wenn man dort für einige Zeit stehen bleibt.

Gute Nacht!

vorherige Seite <<>> nächste Seite

Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Please leave these two fields as-is:

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.