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Frühstück wird uns auf der Sonnenterrasse des Haupthauses angerichtet. Mit Blick in den tollen Garten und auf den Swimming-Pool genießen wir frisch gebackenes Brot, selbst gemachtes Joghurt und Marmeladen und führen Smalltalk mit unseren Tischnachbarn, einem jungen Paar aus Montreal.

Dann begeben wir uns auf die Fahrt entlang der Nordküste und steuern als erstes die kleine Gemeinde Santo Amaro an. Bis auf einige Arbeiter, die den Vorplatz der Kirche neu gestalten, wirkt das Dorf noch sehr verschlafen. Nahe der Kirche kommen wir zur Escola de Artesanato, wo Frauen das traditionelle Kunsthandwerk der Insel herstellen. Zwei junge Frauen führen uns durch ein kleines, verstaubtes Museum mit zusammengetragenen Sammelsurium und alte Folkloretrachten. Danach zeigen sie uns in den Handwerksräumen allerlei Krims-Krams und erklären uns, wie sie die verschiedensten Naturmaterialien verarbeiten. Puppen werden aus den Schalen der Maiskolben gebunden, Mark von Feigenbäumen schneiden sie in dünne Scheiben geschnitten und nähen diese zu filigranen Blüten und Blättern zusammen. Stroh wird in Wasser eingeweicht, geklopft und getrocknet, danach in mühsamer Arbeit zu Bändern geflochten und diese zu Hüten verarbeitet. Fischschuppen bekommen sie von den Fischern, die mehrmals gewaschen und getrocknet werden, damit sie vom Salz befreit werden. Aus den farbigen Schuppen nähen und wickeln sie mit feinstem Draht Blumen und kreieren daraus prächtige Gestecke. Mit gebrochenem Englisch, Händen und Füssen erklären und zeigen sie uns sehr engagiert ihre Werke. Wir sind total beeindruckt von der Arbeit und das möchten wir natürlich honorieren. Deshalb kaufen wir uns einige Muster für zuhause, die wir noch liebevoll verpackt bekommen. Also Leute, wer hier die Küste entlangfährt, unbedingt diesen Abstecher nach Santo Amaro machen, diese Frauen besuchen und vor allem auch unterstützen. Überzeugt euch davon, wie man mit mühevoller Arbeit trotzdem zufrieden sein kann.

Wir setzen unsere Fahrt fort, versuchen es zumindest, denn schon nach wenigen Kilometern müssen wir wieder anhalten, weil uns die kleinen, schwarzen Häuschen mit ihren hübschen Vorgärten in ihren Bann ziehen. Wenige Meter daneben gedeiht in voller Pracht ein wahres Feld Girlandenblumen, ein Ingwergewächs, das aus dem Himalaya stammt. Die Farbenpracht der Blüten, im Kontrast mit den satten Grüntönen des Berghanges auf der einen Seite und auf der anderen das türkise Meer, haut uns komplett aus den Socken. Die Bilderbuch-Atmosphäre wird ergänzt von den großen, roten Hibiskenblüten und den lila Schmucklilien. Hier hat jeder Bewohner seinen eigenen botanischen Garten angelegt, dazwischen auch Weinstöcke oder Maisfelder.

Auf der Meerseite beobachten wir eine Zeitlang am Ufer eine Möwe, wie sie einen Oktopus weich schlägt und dann versucht ihn hinunter zu würgen. Dann fahren wir weiter bis São Roque, dem zweitgrößten Fischerhafen der Insel. Am Cais do Pico befindet sich der wichtigste Containerumschlagplatz der Insel, das zeigen die wuchtigen Kaimauern und die gewaltigen Wellenbrecher.  Hier stand einst eine Walfabrik, heute ist hier ein Museum untergebracht. Ein Denkmal davor erinnert noch an die Walfänger von früher.

Im Clube Naval legen wir unsere Mittagspause ein. Unter Sonnenschirmen verkosten wir allerlei Fleisch- und Fischgerichte, die wir uns vom Buffet holen. Dazu gibt´s ein kleines Bier, aber wirklich klein, denn hier sind das 250 ml im Saftglas. Anfangs sind wir fast allein, aber im Nu füllt sich der Gastgarten mit Arbeitern und Pensionisten.

Am Nachmittag führt uns der Weg in die Berge, ins Landesinnere. Die anfangs kurvige Straße schlängelt sich durch Wiesen, Weiden und Wälder dem Pico entgegen und wir begegnen dabei immer wieder aufgegebene Bauernhöfe. In der Einsamkeit des Hochlandes leben nur Kühe, die uns aufmerksam beobachten. Zu den Hortensienbüschen gesellen sich nun Wacholder- und Heidelbeerbüsche, Lorbeeren und die Baumheide. Am blauen Himmel spielt sich eine tolle Wolkenstimmung ab und denkt man sich das Sahnehäubchen weg, dann hätten wir auch eine schöne Sicht auf den höchsten Berg Portugals, dem Pico. Das Hochland wurde aufgrund seiner Schönheit zum Naturreservat erklärt und eine Panoramastraße verbindet den Norden mit dem Süden. Eine Vielzahl von Seen durchziehen das Inselinnere.

Den Beginn machen wir beim Lagoa do Capitão. Wir stellen unser Auto vor dem Weidengatter ab und spazieren durch´s Wohnzimmer der Kühe zum See. Der Kratersee ist fünf Meter tief und ein wahres Paradies für Vögel, wie die Schnepfe oder der Fischreiher. Vom Ufer nähert sich bereits das Empfangskommando, denn von Weitem kommen schon Enten angewatschelt, die jeden um Futter anschnorren. Ruhig liegt der See vor uns und die Umrisse des wolkenbedeckten Picos spiegeln sich im Wasser. Er ist umgeben von einer hügeligen Landschaft mit sattgrüner Wiese, Farne und niedrigen Gebüsch, zum Beispiel die Wacholder Zeder, Gräser und Blumen, wie wir sie schon vom botanischen Garten kennen. Die Namen sind uns leider nicht in Erinnerung geblieben, da müssen wir zuhause nochmal nachlesen. Kein Wunder, dass sich die Kühe hier wohl fühlen, hat doch jede Herde ein eigens abgegrenztes Revier, das mit aufgestapelten Lavasteinen erstellt wurde. Irgendwie wirkt die Landschaft sehr sanft, denn die trockenen Gräser schwanken leicht in Lüftchen hin und her, die Steine sind mit Moose und Flechten überwachsen und das abgestorbene Holz trägt auch schon eine Silberpatina.

Wir verweilen eine Zeitlang mutterseelenallein in der meditativen Stimmung und dann schlendern wir zum Auto zurück. Gerade rechtzeitig, denn es begegnen uns jetzt viele Touristen und Wanderer.

Wir fahren ein Stück des Weges wieder zurück und erreichen den größten See von Pico, den Lagoa do Caiado.  Das Wasser hat einen hohen Phosphatgehalt und ist an einigen Stellen trüb, als wäre es gekippt. Seerosen fühlen sich trotzdem sehr wohl und ihre Blüten setzen einen schönen Kontrast zum bräunlichen Schlamm. Die Landschaft rundherum wirkt sehr rough, denn niedrige Steppe und leblose, knorrige Bäume prägen das Bild. Wahrscheinlich sind die Kühe nur verkleidete Löwen und wir befinden uns in Wirklichkeit auf einer Safari in Kenia.

Unzählige Vulkanausbrüche früherer Zeiten hinterließen eine Reihe von Kratern, die sich mit Wasser füllten und haben tolle Seen entstehen lassen. Nicht weit entfernt liegt idyllisch von Wäldern umgeben, der Lagoa Seca. Diesen See bestaunen wir von der höher gelegenen Straße.

Weiter des Weges folgen wir nun den Hinweisschildern zum Lagoa do Paúl. Dabei verlassen wir die asphaltierte Straße und ruckeln auf einem Trampelpfad wieder mal durch eine Kuhweide. Die Teenie-Kühe betrachten uns, als seien wir Außerirdische, nehmen dann aber doch Reißaus, als wir ihnen zu nahe kommen. Um nicht Kollisionen herauf zu beschwören, müssen wir aber mit Händeklatschen eine Mama mit ihrem Jungem vom Weg verscheuchen. Das letzte Stück stapfen wir dann zu Fuß bis zum See, der in einer Senke liegt. Er ist flach und sumpfig und an einer Stelle gibt es einen im Wasser angelegten Turm, in dessen Inneren ein Gerät aufgestellt ist. Wäre noch Papier eingefädelt, man könnte denken, es würden hier Bodenbewegungen aufgezeichnet. Das leise Ticken macht uns dann doch leichte Sorgen und wir machen uns lieber aus dem Staub.

Wir durchfahren das Gebiet Caveiro und es ist bekannt für die extreme Feuchtigkeit, Überschwemmungen und Dauernebel, die hier herrschen. Auch jetzt ziehen die Nebelschwaden die Bergrücken herunter und es hat Kühlschranktemperaturen. Hier gedeihen daher die Ilex Azorica und der Wacholder bestens.

Etwa zweihundert kleine Vulkankegel verteilen sich über den Bergzug und dazwischen liegen diese malerischen Seen, einer nach dem anderen. Auch der Lagoa da Rosada befindet sich inmitten einer Weide und auch dieser ist von der Höhenstraße aus schön zu sehen. Wie alle anderen Seen, die wir schon hinter uns haben, ist auch dieser versumpft. Auf der Anhöhe neben der Straße weidet seelenruhig ein Esel und nicht weit davon entfernt schreit ein kleines Zicklein.

Nun geht es wieder den Berg hinunter Richtung Südküste. Plötzlich sind wir umgeben von Kühen und befinden uns mitten in der Überstellung einer Herde in ein anderes Gehege. Mit Respekt bleiben wir ganz nahe am Rand des Weges stehen. Derartige Begegnungen dürften auch für die Tiere nicht ganz neu sein, denn sie schmiegen ihre Jungen an sich und trotten gemächlich an uns vorbei. Uns fällt auf, dass einzelne Kühe Holzklötze an den Beinen befestigt haben. Das soll sie daran hindern auf blöde Gedanken zu kommen und abzuhaun. Schaut aber echt wild aus und irgendwie tun uns die Tiere leid.

Die Wege hinunter werden an einigen Stellen seeehr eng und holprig, aber schön zum Anschaun sind die Hänge, die mit Hortensien zugewachsen sind. Hoffentlich kommt uns jetzt kein Auto entgegenkommt, denn dann wird´s wild. Immer wieder bekommen wir herrliche Blicke auf die Küste und die landwirtschaftlich genutzten Lavafelder, wie z.B. die Ponta do Arrife in der Nähe von Santa Cruz das Ribeiras. Getrennt mit Mauern aus aufgestapelten Lavasteinen liegen die Felder in den verschiedensten Grünschattierungen am Abhang nebeneinander. Angepflanzt werden hier Weinreben, Mais, Tabak oder Yamswurzeln. Wir verweilen eine Zeitlang auf der Anhöhe, lassen unseren Blick über die weiten Felder schweifen und genießen das laue Lüftchen.

Wir nähern uns dem einstigen Walfängerstädtchen Lajes do Pico und stellen unser Auto nördlich des Ortskerns auf einem Parkplatz ab. Dort klettern Ziegen auf der Begrenzungsmauer herum, die Leine nachziehend, die sie eigentlich an einen Pflock binden sollte. Aber es macht ja viel mehr Spaß, wenn man etwas Verbotenes macht. Wir spazieren Richtung Zentrum, das eben auf Meereshöhe liegt. In einem kleinen mit Platanen geschützten Park studieren wir erst mal unseren Reiseführer und entschließen uns dann, einfach die Durchzugsstraße entlang zu spazieren, einmal um den Ort rundherum und die Eindrücke auf uns wirken zu lassen. Schon von Weitem erstrahlt die weiße Fassade der Dreifaltigkeitskirche mit ihren Glockentürmen auf beiden Seiten. Die Pforten der Igreja Matriz da Santissima Trinidade bleiben uns verschlossen und daher schlendern wir weiter. Weit kommen wir aber nicht, denn am Largo de São Pedro kehren wir ins Restaurante Lagoa ein und fragen nach demCatch of the day“, was Süßes betrifft. Und das ist Honigkuchen mit Passionseis und Cheesecake mit Beerentopping. Wow, ist das lecker!

Gestärkt marschieren wir nun zum Hafen hinunter, dem eigentlichen Highlight des Örtchens. Ein wuchtiger Betonwall schützt vor den Wellen des Meeres und hier befinden sich kleine Hotels und Pensionen, die für die Taucher und die Whalewatching-Touristen bereitstehen. Wo einst Wale mit Harpunen gejagt wurden, sind es heute die Touristen, die sie mit ihren Kameras einfangen. Lajes do Pico war ab dem 18. Jhdt. das Zentrum des Walfanges und verlor seine Bedeutung mit dem Verbot Ende des 20. Jhdts. Ein Museum, das 1988 eröffnet wurde, zeigt die Geschichte des Walfangs. Nach Museum ist uns heute aber nicht, wir nützen das trockene Wetter und beobachten die Fischer im Hafen, wie sie ihre Netze entwirren. Ein in Wellenmuster verlegtes typisches, portugiesisches Pflaster führt am Hafen entlang. Von dort haben wir einen schönen Blick auf das grüne Umland von Lajes do Pico und an der Ausfahrt Richtung Madalena auf das Franziskanerkloster.

Es ist mittlerweile spät und wir sind müde geworden. Daher beenden wir unser Sightseeing und machen uns auf den Rückweg zur Unterkunft. Die Fahrt verläuft ohne Probleme für uns zumindest – für einen Kleinlastwagenfahrer, der in eine Mauer kracht, nicht. Wir können nur hoffen, dass nur der Laster Schaden abbekommen hat und es dem Fahrer gut geht. Das mit Blaulicht davon düsende Rettungsauto wird auf jeden Fall von der gesamten Ortsbevölkerung inklusive Hund und Katz mit Interesse beobachtet.

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