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Wir fühlen uns heute etwas gerädert und daher ist es angenehm, dass es nicht so schwül ist – dafür ist aber windstill. Wir fahren wieder entlang der Nordküste und nichtsahnend kommt hinter der Kurve plötzlich eine Kuhherde auf uns zugerannt. Der Bauer fährt mit seinem Auto hinter ihnen her und treibt sie die Straße entlang. Spätestens jetzt sind wir komplett wach, denn keine Ahnung, wie die Tiere reagieren – uns wird auf jeden Fall Angst und Bange. Doch die Rindviecher haben da eher Respekt vor uns, sie reihen sich hintereinander und spazieren dann an uns vorbei.

Auf der Strecke Richtung Madalena befindet sich der Parque Florestal da Praínha, der uns auf der Herfahrt schon aufgefallen ist, da war Sonntag und es herrschte Halli-Galli. Jetzt ist es früh morgens und die Rehe im Gehege gucken uns mit ihren treuherzigen Augen verschlafen an. Außer einigen Arbeitern ist im riesigen Forstpark keine Menschenseele unterwegs und so können wir ungestört herumspazieren. Auf einer kleinen Anhöhe befindet sich eine typische rote azoreanische Windmühle inmitten eines Spielplatzes. Nicht weit daneben lädt ein casa típica zum Besuch ein, ein Museum mit altem Werkzeug und allerlei Krims-Krams aus Großmutters Zeiten. Alles schön beschriftet, wenn wir nur ein Wort portugiesisch verstehen würden, aber wirklich nett gemacht. Auch mit Schildern und Tafeln versehen sind die Bäume und Büsche im Picknick-Bereich. Davon mach ich mir gleich einige Fotos, um zuhause nachschaun zu können, was wir so auf unserer Reise alles gesehen haben.

Dann geht es weiter in die Kleinstadt São Roque do Pico, wo wir beim Konvent, das auf der Anhöhe liegt, einen Abstecher machen. Auf dem Haupt des kleinen São Pedro´s, der sich auf dem Glockenturm befindet, sitzt eine Taube, die den armen Kerl schon komplett zugeschissen hat. Der rote Sandplatz daneben wird dominiert vom Prachtexemplar eines Wishing Trees, eine Auracaria, gepflanzt im ersten Drittel des 20. Jhdts. Im botanischen Garten von Sydney soll eine Schwester des Baumes wachsen und laut den Aborigines muss man mit geschlossenen Augen dreimal vorwärts und dreimal rückwärts um den Baum herumgehen und dann geht ein Wunsch in Erfüllung. Na ja, dann werd ich das gleich mal machen und meine Runden um das Monster laufen, Wünsche gibt es ja genug!

Unsere Fahrt führt uns weiter Richtung Nordküste, wo wir von Santa Luzia ausgehend eine Wanderung entlang der Weinfelder geplant haben. Laut Reiseführer sollte sich kurz nach dem Ortschild der Wegweiser für den Wanderweg befinden. Obwohl wir auf – und abmarschieren, bleibt er für uns verschollen. Deshalb folgen wir dem asphaltierten Weg mit Ziel Lajido. Doch irgendwie passen die Wege mit unserer Karte nicht zusammen. So vertrauen wir unserem Explorer-Gefühl und stapfen weiter, das haben wir ja schon oft so gemacht. Nachdem uns dann aber das Ganze doch etwas suspekt wird, drehen wir um und fangen von vorne an.

Eine Straße weiter geht´s wieder durch ein Siedlungsgebiet, wo uns erst Ziegen freundlich anmeckern und zwei Häuser weiter ein Hund freundlich begrüßt. Entlang der mit Lavasteinen gebauten Mauern bekommen wir wieder eine prächtige Vegetation geboten. Hohe Drachenbäume, gen Himmel wachsende Pinienbäume, Feigenbäume und natürlich Weinstöcke, wohin das Auge reicht. Dazwischen wird auch Mais, Yams und sonstiges Gemüse kultiviert, das Schutz hinter den Mauern findet. Auf den warmen Steinen lassen sich kleine Echsen sonnen, die husch, husch in den Mauerritzen verschwinden, als wir uns ihnen nähern. Vögel spielen in den Lüften und ihr Gezwitscher begleitet uns. Plötzlich meldet unser Gehirn, es riecht hier nach Hustenbonbons? Aber alles nur Täuschung, der Duft vom wilden Fenchel erfüllt die warme Brise. Wir zerreiben etwas Grün zwischen den Fingern und genießen das Aroma. Ach, ist es hier schön!

Aufgrund der vielen Schönheiten kommen wir nur langsam voran. Wir unterhalten uns mit einem Bauern, der in anstrengender Arbeit gerade eine neue Basaltsteinmauer errichtet. Doch die Mühe lohnt sich, denn es zeigen sich schon prächtige Trauben auf seinen Weinstöcken. Wir marschieren weiter und bevor wir die Ortschaft Lajido erreichen, durchqueren wir noch die Weinfelder, die gespickt sind mit den Leuchtfeuern des nahen gelegenen Flughafens.

Lajido ist ein kleiner, verschlafener Ort mit fast ausschließlich schwarz-weißen Häusern. Rote und vereinzelt grüne Türen, Fensterläden und Gartenzäune setzen einen schönen, farbigen Akzent. Auch das zarte Grün und die hellrosa Blüten der Tamarisken bilden hübsche Kontraste. Zwischen den interessanten Gebilden entdecken wir auch eine Kirche oder Kapelle, die man aber erst beim zweiten Blick als solche erkennt. Laut den Schildern ist der halbe Ort zu verkaufen, kein Wunder, ist er doch sehr abgelegen.

In einer Brennerei können wir noch die verkokelten Öfen bestaunen und informative Tafeln machen das Leben vor langer Zeit sehr anschaulich. Nicht weit davon entfernt sind in einem alten Schuppen eine Weinpresse, Fässer und Bottiche ausgestellt, in denen gärende Früchte zu Feuerwasser wurde. Wir schlendern durch die Gassen bis zum Strand mit den scharfkantigen, kohlrabenschwarzen Felsen, wo das türkisfarbige Wasser des Meeres ans Ufer peitscht.

Wieder zurück im Kern des Dorfes befindet sich ein Besucherzentrum, das über die Landschaft und den Weinbau informiert. Das schenken wir uns aber und wir kehren in die Bar ein, die gleich gegenüber liegt. Dort stärken wir uns mit einer Sopa (€ 1,50) und danach mit Tosta mista (€ 1,20). Während der Toast ähnlich wie bei uns zuhause schmeckt, erleben wir mit der Suppe ein wahres Geschmackserlebnis. Neben Kraut, Karotten, Kartoffeln befinden sich auch Fleischstücke darin – ist ja an und für sich nichts Besonderes, aber sie ist mit Kardamom gewürzt und schmeckt nach Weihnachten. Anders, aber richtig lecker! Das Bier dazu mundet uns auch vorzüglich und das Kaffeekochen können sie auch. Während dem Essen studieren wir im Reiseführer mal die portugiesische Sprache und wir sind uns einig, dass sie uns nicht gefällt. Wir sind froh, dass die Einheimischen auch mit unserem Englisch vorliebnehmen. Trotzdem lernen wir, wie man richtig bestellt und danke sagt. Wolfgang praktiziert dann gleich das Gelernte und wir sind gespannt, ob der Kellner dann wirklich die Rechnung bringt oder doch was anderes.

Wir setzen unsere Wanderung fort, schlendern aus dem Ort hinaus und kraxeln nun über wildes Lavagestein, bis wir zwischen hohen Steinmauern auf den alten Weg kommen, wo Jahrhunderte alte Spurrillen von Ochsenkarren im Gestein heute noch sichtbar sind. Dieser Spur folgen wir durch die Wein- und Gemüsefelder, unterhalten uns mit den Hühnern und können Bauarbeitern zusehen, wie sie rund um die erst betonierten Häuser in liebevoller Arbeit die Außenwände mit den Lavasteinen ummanteln.  

Dort, wo sich auf dem steinigen Weg Ritzen und Löcher gebildet haben, wachsen Wandelröschen, Kakteen oder wilde Amaryllis. Das ist doch ein Wink des Schicksals, das ich über eine Ansammlung von Knollen stolpere, oder? Sie werden von mir sofort adoptiert und die losen Knollen wandern ins Speibsackerl vom Flieger, sie dürfen mit nach Hause.

Der Wanderweg führt stellenweise durch wildes Gestrüpp, wo gut sichtbar ist, dass die Natur diese Gärten übernommen hat und der unerbittliche Lebenskampf jeder Pflanze sie noch höher und kräftiger wachsen lässt. Die Ranken klettern über die Mauern hinweg und wachsen auf der Straße weiter. Schön, diese verschiedenen Grüntöne.

Der Lavaweg endet schließlich in einem breiten, roten Sandweg, der stetig bergauf führt und uns ordentlich Puste abverlangt. Die letzten hundert Meter Bergwertung sind dann asphaltiert und wir erreichen wieder die Durchzugsstraße. Jetzt müssen wir noch mit schweren Füssen entlang der Straße bis zu unserem Auto marschieren. Da ist jede Unterbrechung recht, wo wir über Gartenzäune in Gärten schauen, mit Katzen reden, Blumen und Früchte fotografieren können. Entsetzt starren wir dem Baufahrzeug nach, auf dem Arbeiter sitzen, die während der Fahrt mit Unkrautvernichter das Straßenbankett besprühen. Das passt nicht in die idyllische Stimmung hier auf den Inseln.

Schweißgebadet wie nach einem Saunagang erreichen wir unser Auto, wechseln die T-Shirts aus und erholen uns kurz, bis wir dann unsere Fahrt zu unserem Appartement antreten.

Etwa auf halber Strecke beginnt es erst fein zu nieseln, doch der Regen wird von Kilometer zu Kilometer immer stärker. Was haben wir doch für ein Glück gehabt, dass wir unsere tolle Wanderung zwar mit grauem Wolkenhimmel, aber noch trocken machen konnten.

Zuhause angekommen statten wir der Potterie des Schwiegervaters unseres Vermieters noch einen Besuch ab, um unsere Rechnung von gestern zu begleichen. Beim Rundgang im Geschäft können wir die tollen Werke bewundern und dabei bleibt es nicht. Wir erstehen Teebecher und eine Jumbotasse, die dann noch hübsch verpackt werden. Merci, vielmals!

Heute Abend sind wir bei unseren Vermietern zum Abendessen und auch diesmal gibt es wieder Köstliches auf dem Teller. Karotten-Kürbis-Creme als Starter, danach einen Grey Triggerfish mit Kartoffelpüree und frittiertem Sellerie und als Nachtisch Lemon-Pie mit eingemachten Kumquats aus dem eigenen Garten. Mmmmmh!

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