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Beim Rundgang durch´s Haus werden noch alle Stromstecker aus der Dose gezogen, Licht abgedreht und dann geht´s los. Haustüre absperren und rein ins Auto, denn Wolfgang´s Papa bringt uns zum Bahnhof und von dort geht es mit dem Zug nach Wien.

Kurz vor Mittag stehen wir am Flughafen in der Schlange zum Check-In. Langsam gleiten unsere Koffer auf dem Rollband Richtung Flugzeug und freuen sich auf die Reise direkt auf die Azoren. Wir jedoch werden nur bis Lissabon eingecheckt und müssen dort einen Zwischenstop für eine Nacht einlegen, bevor es in der Früh auf die Azoren weiter geht – das ist für uns auch mal was Neues. Na ja, dann schicken wir unser Gepäck schon mal voraus und hoffen, dass wir es auch wiedersehen. Aber erst müssen wir es durch´s X-Ray schaffen und das dauert. Nicht weil wir etwas Illegales eingepackt haben, sondern weil heute Trainees angelernt werden.

Während des Fluges mit der TAP haben wir eine traumhafte Aussicht auf schneebedeckte Berge, blaues Gewässer, ergänzt mit den Schäfchenwolken am strahlend blauen Himmel. Mein Gott, tut das der Psyche gut! Damit es auch dem Baucherl nicht schlecht geht, genießen wir den noch österreichisch angehauchten Mittagssnack mit aufgeschnittenem Wiener Schnitzerl auf Kartoffelsalat und danach lecker Erdbeerjoghurt. Unterhalten werden wir dabei von plappernden und lachenden Kindern und das Gefühl macht sich breit, als befänden wir uns inmitten einer Spielgruppe.

Bem-vindo em Lisboa! Nach 3 Stunden und 40 Minuten Flug erreichen wir Lissabon und werden mit grauem Himmel und Wasserlatschen empfangen. Dafür schenkt man uns eine Stunde, weil Portugal uhrentechnisch keine Sommerzeit hat. Brav stellen wir uns in die Warteschlange am Taxistand, wo Polizisten die Autos und Menschen dirigieren, damit keinem über die Zehen gefahren wird.

Wir verlassen das Flughafenareal und rundherum tun sich die üppigsten Oleanderbüsche auf mit ihren Blüten in allen Rot- und Weißnuancen. Orange blühende Wandelröschen, die pinken Bougainvilleas und violette afrikanische Liebesblumen komplettieren die wunderschöne Botanik. Die dahinterliegenden schwarzen Wolken verbreiten eine wahrlich mystische Stimmung. Das südliche Flair fängt uns schon nach wenigen Minuten ein und wir freuen uns riesig auf die Zeit, die vor uns liegt.

In Null-Komma-Nix befinden wir uns im Stau des Abendverkehrs, was uns aber nicht stört, denn auf den Verkehr muss ja der Taxifahrer achten. Wir haben somit Zeit die prächtigen, teils aber auch stark heruntergekommenen Gebäude zu betrachten und uns einen ersten Eindruck der Stadt zu machen. Bei Häusern, die nicht mehr bewohnt werden, hat man hinter den zerbrochenen Fensterscheiben einfach Mauern aufgezogen. Wie in vielen Großstädten herrscht auch in dieser Stadt ein Mix an modernen und alten, riesigen und kleinen Häuschen. Wie wir es von Madeira schon kennen, sind auch hier die Plätze und Gehsteige mit schönen Mustern aus schwarzem Basalt und weisem Kalkstein ausgelegt.

Der rasante Fahrstil des Taxlers bringt uns schnell aus dem Chaos raus und was uns mehrmals auffällt, an allen Ecken und Enden stehen Autofahrer beisammen und tauschen ihre Daten aus, weil sich ihre Autos „geküsst“ haben. Kein Wunder bei diesem Temperament, da wird gehupt und gefahren, als befänden sie sich auf der Jagd! Breite, mehrspurige Fahrstreifen und große Kreisverkehre treiben die Autos voran. Unser Fahrer spielt zeitweise Bus und so kommen wir hurtig vorwärts. Dabei haben wir den Eindruck, so manche Runde schon mal gefahren zu sein.

Nach einer halben Stunde setzt uns der Taxifahrer direkt vor unserem Hotel ab, mitten auf der Straße, aber das macht nix, müssen die anderen dahinter halt ein wenig warten. Wir befinden uns im Herzen des historischen Stadtteils Baixa und haben uns aufgrund der zentralen Lage für das My Story Hotel Ouro aus dem 18. Jhdt. entschieden. Es ist mit 260,00 Euro die Nacht nicht günstig, aber liegt sehr gut und für eine Nacht, was soll´s. Von hier können wir zu Fuß einige der wichtigsten Sehenswürdigkeiten erreichen, wir haben ja schließlich keine Zeit. Leonel, der junge Rezeptionist guckt uns mit seinen rehbraunen Augen an und sagt ohne Punkt und Beistrich brav sein Sprüchlein auf „… welcome in our Hotel … thank you for choosing us …“, erklärt uns alle Details und überreicht uns dann stolz den Schlüssel.

Das Zimmer ist gerade so groß, dass ein französisches Bett reinpasst und die Tür streift beinah an der Matratze. Es ist aber ausgesprochen hübsch und verspielt eingerichtet wie Großmütterchens Puppenstube. So, nachdem wir ja kein Gepäck haben, schmeißen wir schnell unseren Rucksack auf´s Zimmer. Schließlich wollen wir Lissabon ein wenig kennenlernen. Wolfgang war vor vielen Jahren schon für einige Tage beruflich hier und bei ihm werden Erinnerungen wach.

Wir holen uns von Leonel noch einen Stadtplan und ein paar Geheimtipps und los geht´s. Gleich um die Ecke schlendern wir die Rua Augusta entlang, ein schöner gepflasterter Boulevard und eine der zentralen Einkaufsstraßen der Stadt. Am 1. November 1755 erschütterte ein verheerendes Erdbeben Lissabon und zerstörte viele Gebäude und Paläste. Heute präsentiert sich dieser Stadtteil in neuem Glanz mit tollen Geschäften und kulinarischen Anziehungspunkten. Das Publikum wird auf dem Spaziergang belustigt mit Akrobatik, Musik und Tanz. Wir erliegen dem Charme eines kleinen, süßen Wuffis, der halb auf Frauli´s Schulter, halb auf der Ziehharmonika sitzt und im Maul ein Miniküberl den Zuhörern hinhält. Sein treuherziger Blick verrät „bitte werft mir einen Euro rein“! Nur wenige Meter weiter schwingen dunkelhäutige Mädels ihren üppigen Hintern im Takt schwungvoller Musik hin und her. Sie sind schön zum Anschauen mit ihren Baströckchen, Zebratops und der Gesichtsbemalung.

Am Ende der Fußgängerzone schreiten wir durch den Arco Monumental und vor uns öffnet sich der gewaltige Praça do Comércio, der Handelsplatz. Umgeben von viergeschossigen Gebäuden mit Arkaden wird der Platz dominiert von der grünen Reiterstatue des José I.  Es herrscht reges Treiben hier, denn das mittlerweile schöne Wetter lockt viele Menschen an den Hafen. Ein Tanker gleitet im ruhigen Meer und weit öffnet sich der Blick auf die Burg São Jorge und bis zur Christo-Rei Statue, die ihre Arme beschützend über Lissabon ausbreitet. Beeindruckend ist auch die 3,2 Kilometer lange Hängebrücke über den Rio Tejo, genannt Ponte 25 de Abril. Auf den ersten Blick ähnelt sie der Golden Gate Bridge in San Francisco.

Wir durchqueren wieder den Triumphbogen mit der tollen Uhr, den Ornamenten und den Skulpturen. Auf der Suche nach etwas Essbarem werden wir im Casa Portuguesa do Pastel de Bacalhau schnell fündig. Eine Köchin in der Auslage demonstriert, wie die Spezialität des Hauses hergestellt wird und die hat es uns angetan. Denn wenn wir reisen, wollen wir auch landestypische Küche probieren. In diesem Fall sind es Fisch-Kartoffel-Bälle mit einer knusprigen Umhüllung. Das Essen des Fingerfoods ist zwar eine richtige Patzerei, weil uns der heiße Käse über die Finger rinnt, aber schmecken tun sie trotzdem saugut.

Die Dinger sind kaum verdrückt, kommen wir beim Eissalon Amorino Chiado vorbei. Nachtisch ist angesagt! Die Entscheidung, was wir probieren möchten, fällt uns echt schwer. Nach einigem hin und her entscheiden wir uns dann für eine Tüte mit drei Sorten Eis um 4,50 Euro. Der Verkäufer streicht das Bioeis mit einer Spachtel so in die Tüte, sodass der Kunde im Endeffekt eine Blume aus Eis in der Hand hält. Interessant schmeckt das Limetten-Basilikum Eis, das ich dann unter anderem bestellt habe – wirklich super!

Gestärkt geht es weiter des Weges, wobei wir immer wieder Platz machen müssen für die Bahnen mit einem Waggon à la Straßen von San Francisco. Einige Querstraßen weiter ist schon von weitem der Elevador de Santa Justa sichtbar, ein Personenaufzug, der den höhergelegenen Stadtteil Chiado verbindet. Die 45 Meter hohe Stahlkonstruktion beherbergt zwei urige Holzkabinen aus Hitchcocks Zeiten. Sie sehen nicht gerade vertrauenserweckend aus, aber davon lassen wir uns und viele andere auch nicht abschrecken. Weil das Licht ausgefallen ist, fahren wir im Stockdunkeln eng an eng nach oben auf die Aussichtsplattform. Das lange Warten unten hat sich gelohnt, denn dieser traumhafte Rundumblick bei der schönen Abendsonne ist einfach der Wahnsinn.

Erhaben thront die Burg auf dem bewaldeten Hügel, daneben die Igreja da Graça mit dem Konvent und darunter das rote Dächermeer der Stadt, soweit das Auge reicht. Inmitten des Häusermeers ist auch der Praça Rossio zu sehen mit dem schönen schwarz-weißen gewellten Pflaster. Nicht weit vom Ufer entfernt ragen die beiden Türme der Catedral Sé empor, die Hauptkirche von Lissabon und daneben ist der Triumphbogen auszumachen. Von hier oben bekommt man wirklich einen tollen Eindruck von der Stadt.

Über einen Verbindungssteg führt der Weg wieder hinunter. Dabei kommen wir bei den Ruinen des Convento do Carmo vorbei, einem ehemaligen Kloster, das auch beim Erdbeben zerstört wurde. Der Wiederaufbau fiel der Säkularisierung zum Opfer. Wir schlängeln uns die Gassen weiter und suchen uns den Weg zum Praça Rossio. Der Platz, den wir schon von oben bestaunt haben, ist umgeben von schattenspendenden Laubbäumen. Auf drei Seiten wird der Platz gesäumt von Häusern aus dem 18. und 19. Jhdt., die in den unteren Etagen viele Cafés beherbergen und den Platz damit zu einem beliebten Treffpunkt machen. An der Nordseite dominiert das Nationaltheater aus dem Jahr 1840 den Praça Rossio. In der Mitte befindet sich auf einer Säule die Bronzestatue des Königs Pedro IV. und zu seinen Füßen vier weibliche Figuren, ihren Eigenschaften entsprechend die Klugheit, Stärke, Mäßigung und die Gerechtigkeit. Außerdem zieren zwei Brunnen aus Paris den Platz und sind auch Anziehungspunkt für unzählige Tauben. Freund oder Feind, das ist hier die Frage. Während ein Opa ihnen euphorisch Vogelfutter zuwirft, staubt ein anderer seinen Waldi mitten durch die Vogelmenge. Kreischend flüchten sie in die Bäume oder auf den anderen Brunnen.

Von einem Platz zum anderen – wir landen jetzt beim Praça da Figueira, Platz des Feigenbaums. Vor dem Erdbeben befand sich hier ein Spital und danach bis ins Jahr 1949 eine 8.000 m² große Markthalle. Heute wirkt der Platz sehr nüchtern mit seiner Reiterstatue des zehnten portugiesischen Königs João I. und den viergeschossigen Gebäuden, von denen einige von oben bis unten mit Azulejos geschmückt sind. Wandverkleidung mit glasierten Keramikplatten wurde von den Arabern nach Spanien und Portugal gebracht, die ältesten stammen aus dem 15. Jhdt. und zeigen meist islamische Ornamentsterne.

Um zur Kirche São Cristóvão zu gelangen, müssen wir viele, endlos scheinende Treppen hochsteigen. Dabei entdecken wir das Ergebnis einer Gruppe von Künstlern, die hier 2012 fantastische Gemälde und Graffitis auf Häuserwänden und Mauern verewigt haben. Voller Humor symbolisieren sie die Identität und das Schicksal der Bewohner und Besucher dieses Viertels. Beim Betrachten finden wir einen Mann mit einem Weinglas in der Hand, tratschende Frauen vor der Haustür, Sänger und Musikanten, die von einem leichten Mädchen bedrängt werden. Sogar der Heilige Christophorus mit dem Engel auf der Schulter wurde nicht vergessen.

Am Fuße der Kirche tut es uns nach der Anstrengung die Cafetaria a Mouraria an, ein winziges Café, eingerichtet mit einem Sammelsurium wie von einem Flohmarkt. Viele Gegenstände, wie das alte Radio erinnern uns noch an unsere Kindheit. So einiges steht noch heute im Glasschrank von Oma und Opa. Nachdem bis auf ein Tischerl alle Sitzgelegenheiten besetzt sind, muss es sich hier doch um ein In-Lokal handeln, da bleiben wir. Auf einer Tafel vor dem Eingang sind einige Weine angeführt, daher beschließen wir uns ein Glas Weißwein zu genehmigen. Bei jedem Schluck stellt es mir die Gänsehaut auf, aber andere Länder, andere Geschmäcker. Wir fühlen uns hier trotzdem puddelwohl und haben Spaß mit den anderen Gästen.

Ach ja, wie war das mit der Kirche – die hat natürlich ihre Pforten schon geschlossen, als wir leicht bedüdelt den Heimweg antreten. Na, macht nix, die Open-Air-Galerie ist auf jeden Fall nochmal einen Besuch wert.

Nach österreichischer Zeit kommen wir gegen Mitternacht ordentlich müde ins Hotel zurück, wo wir sofort in die Betten fallen.

Boa noite, um es auf Portugiesisch zu sagen!

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