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Es hat die Nacht durchgeregnet und es schaut jetzt auch nicht recht freundlich aus. Wir packen den Rest unseres Hausrats, verstauen alles im Auto und klingeln dann noch bei unseren Nachbarn. Es folgt großes Geknuddle und Geschmuse, die Katze nochmal ordentlich gekrault und kurz nach neun Uhr brechen wir auf. Es ist sehr kühl, stolze 14 Grad zeigt das Thermometer im Auto an – tja, da kann es nur noch aufwärts gehen. Der Sommer war bis jetzt der Hammer, das kann es doch nicht gewesen sein!

Wir fahren durch unsere Heimatstadt, die Straßen sind fast leer – verschlafen und verlassen. Auch der Verkehr auf der Autobahn ist aufgelockert und wir kommen zügig voran.

Unser erstes Ziel ist dem Urlaubsritual entsprechend die Raststation Mondsee, wo wir uns Kaffee und Kuchen gönnen. Der graue Himmel verläuft direkt über dem See und bietet heute kein schönes Panorama. Von der Fensterfront strömt kalte Luft zu uns und wir wärmen uns die Finger an der heißen Kaffeetasse. Auf der Sonnenterrasse prasselt Nieselregen auf die mit Blumen geschmückten Tische, auf denen einsam noch die beiden Kuchenteller stehen, die man dort wohl vergessen hat.

Bei Lindach wird der Regen stärker und das Fahren beschwerlicher. Nebelschwaden steigen von den Wäldern auf und hüllen auch die Straße ein. Wir gucken in den Kalender, nein, es ist noch nicht November! Dunkelgraue Wolken treiben am Himmel und so mancher Autofahrer schaltet seine Nebelscheinwerfer an. Gut, dass wir hier im Trockenen sitzen. Unsere Fahrräder bekommen eine Wäsche – gut so, denn von der letzten Ausfahrt klebt eh noch etwas Dreck drauf.

Bei Salzburg Mitte weichen wir von unserer Route ab und biegen Richtung Freilassing ab. Die vielen und langen Staumeldungen aus dem Radio haben uns eingeschüchtert. An der Grenze werden wir von der deutschen Polizei begutachtet – ja mit unserem vollgestopften Auto sehen wir ja wirklich ein wenig wie Flüchtlinge aus. Wir dürfen aber anstandslos einreisen und es geht für viele Kilometer rasch vorwärts. Die sattgrüne Landschaft wird von den rosa Blüten des Springkrauts aufgefrischt, das gebietsweise weite Flächen überdeckt. Sehr hübsch auch die aufrechten, pinken Blüten des Blutweiderichs und letzte Blüten der gelben Königskerzen in den Wiesen. An den Waldlichtungen hängen schwer die prall gefüllten Äste der Hollerbüsche tief herunter. Die Landschaft hier ist sehr schön zum Betrachten, weite Grasflächen wechseln sich mit Kukuruzfelder und Viehweiden. Während die Kühe genüsslich fressen, suchen die Pferde vor dem Nassen Schutz unter Bäumen. Beim Verkehrsdreieck Bad Reichenhall fahren wir wieder auf die Autobahn auf. Bei Übersee kommen wir zum Chiemsee, der auch bei diesem Wetter etwas Bedrohliches an sich hat, trotz der Menschen am Ufer, die die Wasservögel füttern.

Anfangs haben wir Mitleid mit den Autofahrern auf der anderen Fahrbahnseite, die bereits kilometerlang im Stau dahinzockeln, doch dann erwischt es uns vor Rosenheim auf der Inntalbrücke auch. Wir lassen uns berieseln von unserer Favoritenliste und als unser Hochzeitslied läuft, dreht Wolfgang die Lautstärke hoch. Wir lassen uns einlullen von Celin Dion und Divo´s „I Believe In You“ und die Augen werden feucht. Wir tauschen immer wieder verliebte Blicke und sinnieren über die letzten zehn Jahre gemeinsamer Zeit. Die letzten Töne sind kaum verklungen …. noch einmal. Irgendwie befinden wir uns gerade auf unserer „Hochzeitsreise“, denn am 13. feiern wir Rosenhochzeit. Unbewusst fahren wir dasselbe Fahrtempo wie die anderen und übersehen dabei das Tempolimit von 60 km/H und dann heißt es auch schon „bitte recht freundlich“, denn wir werden geblitzt. So schnell schrumpft das Urlaubsbudget. Vorweg genommen haben wir aber Glück, denn einen Erlagschein erhalten wir nie.

An der Gabelung Nürnberg – Garmisch-Partenkirchen biegen wir links weg auf die Bundessstraße und mit einem Schlag ist kurzfristig der Verkehr weniger. Bis wir nach München kommen, denn da gibt’s wieder Stopp and Go. Genau zum selben Zeitpunkt als die Staumeldung im Radio kommt, sind wir auch schon durch. Acht Kilometer Stau haben zwei „küssende“ Autos verursacht.

Tschüss München, wir nehmen die A96 Richtung Lindau und auf der Strecke machen wir gegen 14:00 Uhr eine halbstündige Mittagspause bei einem MacDonalds. Auf der Tankstelle nebenan kriegt auch unser Auto Futter. Wow, wir beschweren uns, dass der Sprit so teuer ist in Österreich, aber das hier ist ja ein Wahnsinn. Egal, wir sind im Urlaub!

Die Temperaturen sinken weiter und kurz vor 15:00 Uhr haben wir nur noch 13 Grad, das Wetter wechselt immer wieder von Regen und Nicht-Regen.

Eine Stunde später heißt es „Griaß di Österreich“ und wenige Kilometer danach haben wir unser Ziel erreicht, die Ferienwohnung Marika, in Lochau, Rebhügel 8. Brigitte und Christian Wild empfangen uns sehr herzlich und der Herr des Hauses führt uns durch die Wohnung. Sie ist um die Küche herum angelegt und geschmackvoll eingerichtet. Der Inhalt unserer Klappboxen ist schnell verstaut und dann machen wir es uns gemütlich. Nach einem Power Napping gibt’s Abendjause und ein lecker Gläschen Kirchmayr´s Birnenschaumwein. Dabei studieren wir noch den Wetterbericht und machen Pläne für den morgigen Tag.

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