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Die ganze Nacht regnet es, aber als wir morgens unsere Augen aufschlagen, zeigt sich wieder traumhaftes Wetter.

Wir fahren die geliebte enge Straße auf der unteren Bodenseeseite Richtung Schweiz. Dabei überqueren wir wieder die hölzerne Senderbrücke über die Dornbirner Ache und fahren bei der ersten Gelegenheit auf die Autobahn. Nach einer knappen Stunde erreichen wir das Städtchen Arbon und hier müssen wir auf der Suche nach einer Parkgelegenheit ein wenig herumirren. In der Nähe des Stadthauses finden wir dann doch noch einen freien Platz, der Parkautomat verschluckt die von zuhause mitgebrachten fünf Franken, denn Rückgeld gibt es hier keines.

In wenigen Schritten befinden wir uns mitten in der Altstadt mit ihren hübschen Fachwerkhäusern. Zwischen den verwinkelten Gassen entdecken wir so manch Historisches, wie zum Beispiel ein Haus in der Wassergasse aus dem Jahr 1471 mit einer Holzfassade und nach oben aufklappbaren Fensterläden. Daneben befindet sich das älteste Wohnhaus der Stadt, das Turmhaus aus dem Jahr 1320. Dieser wehrhafte Bau ist in der Schweiz sehr selten und wurde daher 1982 umfangreich renoviert und erweitert. Versetzt dahinter betrachten wir das Haus „Wirtschaft zum Storchen“ aus dem Jahr 1628.

Wir biegen in die Walhallastrasse ein, wo sich das Amtshaus mit der Stadtbibliothek befindet. Das weiße Gebäude hat hübsche, verschnörkelte Giebel und findet unseren vollen Gefallen.

Wir spazieren neben dem Rinnsal, das seitlich die Gasse entlang fließt und kommen zum Kapelli, der St. Johannes Kapelle von 1390. 1494 wurde sie mit einem Türmchen nach Osten erweitert und neu geweiht. Sie war die einzige Kirche innerhalb der Stadtmauer und wurde 1777 entweiht und ist heute in Besitz der Stadt. Aufgrund der Renovierung ist die Tür verschlossen, aber durch das seitliche Fenster können wir einen Blick auf die mittelalterlichen Wandmalereien erhaschen.

Im Stadtwappen von Arbon ist ein Vogelhorst abgebildet und Vögel sind auch überall in der Stadt zu finden, sei es auf Fahnen und Bemalungen auf Häusern oder auf Wegweisern. Arbon wir wirklich eine malerische Stadt.

Am Ende der Promenadenstrasse ragt der Turm des alten Rathauses hervor. Im Mittelalter Besitz des Bistums Konstanz und seit 1407 der Stadt Arbon. Der Wachturm mit den Wappen stammt aus dem 13. Jhdt. während der Oberbau und das Mansardendach 1791 entstanden. Von 1750 bis 1941 diente es als städtisches Rathaus, ab 1803 auch als Bezirksgericht. Nach dem Brandfall von 1994 wurde es denkmalgerecht restauriert.

Punkt 12 Uhr Kirchenschlag schließen sich die Pforten der Geschäfte und alles, was vor der Tür steht, bleibt so stehen. Na, vielleicht haben wir am Nachmittag etwas Zeit in den kleinen Läden ein wenig zu schmökern.

Wir schlendern durch den angrenzenden Stadtpark, das Pärkli, wo es keine Bänkli und Blümli gibt, nur Bäumli und Büschli. Am Ende des Parks kommen wir an der Polizeistation raus. Lautes Gezwitscher erregt unsere Aufmerksamkeit und auf der Suche nach den Tieren entdecken wir mitten im Baumbestand eine Vogel-Volière mit exotischen Sittichen und Vögeln aus Australien, Asien und Afrika. Na, da geht´s lustig zu, da wird geschaukelt oder gebadet und andere sitzen als Pärchen auf Ästen, schmusen oder schlafen.

Weiter des Weges kommen wir zum Jakob-Züllig-Park mit dem Musikpavillon und sind am Seeufer des Bodensees angelangt. Hier verbringen Gruppen von Studenten, Schülern und arbeitendem Volk die Mittagspause, lassen sich die mitgebrachte Jause schmecken und unterhalten sich angeregt. Wir schlendern die Promenade entlang und genießen die warme Sonne und das friedliche Ambiente des Sees. Der Steg ist nicht mehr bevölkert von Badegästen, sondern von Enten, Schwänen, Kormoranen, Reiher und Möwen. Auch die Wasservögel machen Siesta oder picken am verlandeten Ufer herum.

Die Segelschiffe und Boote haben bereits ihre Verhüterlis übergezogen, um für den Winter gewappnet zu sein. Die Kioske sind geschlossen und die Strandkörbe eingepackt, es herrscht schon eine eigene Stimmung hier. Es wirkt alles verlassen und aufgeräumt, die Saison ist zu Ende – wen wunderts, wir haben schließlich Mitte September.

Auch wir verspüren langsam Hunger und da kommt das Hotel Rotes Kreuz gerade richtig. Im Halbschatten sitzen wir gemütlich an der Promenade und bestellen Risotto und Crêpe. Es ist hier schön zum Sitzen mit den wenigen Menschen und dem Blick auf den See. Das Essen bleibt unkommentiert, satt geworden sind wir. Das Beste ist der Möhl Bio-Süßmost, der im Eichenfass gereift ist.

Hinter dem Hotel liegen Fragmente des Kastell Arbor Felix und es gehört zu den wenigen römischen Militäranlagen, die in der antiken Literatur erwähnt sind. Es wurde Ende des 3. Jhdts. errichtet zum Schutz der Reichsgrenze Limes. Nach 401 endete die römische Herrschaft, das Kastell wurde aber weitergenutzt. Die 2,6 Meter dicke Steinwand folgt dem natürlichen Geländeverlauf des Hügels und alle 22 Meter schützten Türme die Mauer. Sie wurde hergestellt in der typischen römischen Gussmauertechnik. Nachdem die beiden Sichtmauern verlegt waren, wurde der Zwischenraum mit Füllsteinen und Kalkmörtel ausgegossen. 1957 gelang es, den Standort hier zu lokalisieren. Rund um die Altstadt wurden einzelne Fragmente gefunden und auch einen Rindslederschutz mit einer Gitterverzierung und ein spätrömisches Eichenfass mit Rutenbindung.

Wir statten der Kirche St. Martin aus dem 18. Jhdt. einen kurzen Besuch ab. Der Standort innerhalb des Römerkastells lässt vermuten, dass sich hier früher bereits eine christliche Gemeinde befand. Während der Innenraum sehr schlicht ist, wirkt der freistehende Glockenturm geradezu bombastisch. Im Schaukasten daneben lesen wir, dass die Verstorbenen „heim gehen“ und „abdanken“ müssen.

Auf der anderen Straßenseite gegenüber der Kirche befindet sich das Rote Haus, einst das Wohnhaus des Kaufmanns Mayr und der Familie Stoffel. Seit 1902 beherbergt es das katholische Pfarrhaus. Über den Fensterzargen befinden sich dreidimensionale Köpfe und hinter den Fensterscheiben guckt ein hübscher Spitzenvorhang durch.

Wir schlendern die Straße weiter hoch und vor uns ragt der wuchtige Turm von Schloss Arbon majestätisch hoch. Im Inneren und einem Teil des angrenzenden Schlosses ist das Historische Museum untergebracht. Es hat heute den letzten Tag geöffnet, jetzt ist aber Mittagspause. Daher spazieren wir eine Weile im Schlosspark herum, um die Zeit totzuschlagen. Dann lösen wir die Eintrittskarten und widmen uns der Geschichte von Arbon und dem Schloss. 720 wurde es erstmal urkundlich erwähnt und es steht auf den Grundmauern des um 260 erstellten römischen Kastells Arbor Felix. Gegen 400 verlassen die Römer die Gegend und um 700 wird Arbon Grundbesitz des Bistums Konstanz und in seiner heutigen Form steht es seit 1518. Seit 1945 gehört es der Stadt und wurde umfangreich umgebaut.

Wir erleben eine Zeitreise von der Jungsteinzeit über die Bronze- und Römerzeit bis ins Mittelalter und der Industrialisierung im 19. und 20. Jhdt. Mit Gegenständen, Modellen, Dokumenten und Fotos, Erklärungen und Texten veranschaulichen wird das Leben veranschaulicht und die Entwicklungen der Stadt und ihrer Bewohner. Im Erdgeschoß sind Oldtimer-Fahrzeuge und Geräte der Firma Saurer ausgestellt und erinnern an die Dynastie und ihre technischen Erzeugnisse.

Von dort erklimmen wir die 104 Stufen des 33 Meter hohen Turms, wo in jeder Ebene auch Ausstellungen zu finden sind mit den Themen Wasserversorgung, Ortspolizei und Waffen. Ganz oben angekommen werden wir belohnt mit einer tollen Aussicht auf die Kirche und die Stadt.

Wir könnten ewig hier bleiben in diesem pittoresken Ort, aber es ist spät geworden und wir machen uns auf den Rückweg.

In Bregenz beschließen wir kurzerhand nochmal einen Stopp einzulegen. Wir parken beim Strandbad und spazieren ein letztes Mal an die Promenade. Im Garten des Wirtshauses am See finden wir wieder einen freien Tisch und da genießen wir bei Eis und Topfennockerl die schöne Abendsonne und die Stimmung.

Bregenz lässt uns nicht los, denn als wir bezahlen und Richtung Parkplatz schlendern, lassen wir uns noch auf den Sesseln beim Brunnen nieder, der hinter dem Festspielhaus am Boden eingelassen ist. Wir beobachten den süßen Hund, der sich ein Herrl ausgesucht hat zum Spielen, aber nicht sein eigenes. Unermüdlich bringt er Kastanien und Stockerl immer wieder zurück, um dann darauf zu lauern, dass er gleich wieder los sausen kann.

Die Sonne geht langsam unter und wir machen uns auf den Rückweg nach Lochau. Schön war die Zeit am Bodensee, wir haben viel erlebt und gelernt und der Abschied fällt uns ein wenig schwer. Und eines wissen wir, hierher kommen wir mit Sicherheit nochmal. Da gibt es noch viel zu entdecken, zu tun und zu erobern.

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