Zum Offline-Nachlesen am eBook Reader:

vorherige Seite <<>> nächste Seite

Bei strahlendem Sonnenschein brechen wir gegen 10:00 Uhr auf und nehmen die 6,7 km durch den Pfändertunnel Richtung Dornbirn.

Wir parken gegenüber dem prächtigen Adolf Rhomberg Bürgerhaus, das von der schönen Morgensonne angestrahlt wird.

In wenigen Schritten erreichen wir den Marktplatz von Dornbirn und stehen vor dem Roten Haus. 1639 wurde es anstelle des abgebrannten Pfarrhofes errichtet, ein tolles Beispiel für die frühe Holzbauweise. Im 18. Jhdt. wurde dieser rote Schutzanstrich aus Ochsenblut und Ochsengalle hergestellt. Das Haus wurde schnell Zentrum der Dornbirner Gemeindepolitik und amtliche Verlautbarungen geschahen von der doppelseitigen Freitreppe.

Direkt daneben befindet sich die Stadtpfarrkirche St. Martin, die mit mächtigem Geläut auf sich aufmerksam macht. Eine Innenbesichtigung können wir nicht machen, da heute Sonntag und die Messe in vollem Gange ist. Sie wurde 1839 – 1840 im Klassizismus erbaut und gleicht einem Tempel. Oberhalb des Eingangs befindet sich ein Fresko und darüber im Giebel das Mosaik „Einzug in Jerusalem“. Neben dem Gebäude ragt der schlanke, freistehende Glockenturm mit grünem Schindeldach gen Himmel. Leider ist die Ansicht ein wenig verstellt, weil gerade eine Bühne aufgebaut wird für die heutige Modenacht.

Gegenüber thront stolz das Johann-Feurstein-Haus, es ist denkmalgeschützt und übersät mit Bemalungen an der Fassade. Es wurde 1611 auf einem Vorgängerbau errichtet und hat seinen Namen vom gleichnamigen Kaufmann, der im Haus einen Laden betrieb. Das Johann-Luger-Haus wurde direkt an das Feurstein-Haus angebaut und war nur der Stadel davon. Später wurde es zum Gasthaus Sonne, daran erinnert noch eine aufgemalte Sonne im Giebel. Beeindruckend sind auch der schöne Erker und der Eckturm mit einem Helmdach, der mit grünen Dachschindeln gedeckt ist. 1987 wurde bei einem Brand der komplette Innenbereich zerstört. Die Häuser werden von der Sonne ins rechte Licht gerückt, sodass wir uns gar nicht satt sehen können. Daher holen wir uns von der Eisdiele im Roten Haus eine Tüte, setzen uns in den kleinen Park am Platz und betrachten die Umgebung.

Es tut sich nicht wirklich viel an einem Sonntagmorgen hier. Der kleine Altstadtkern von Dornbirn wird beherrscht von Cafés, Restaurants und direkt dahinter die Einkaufszentren. Dazwischen plätschern mal hier, mal dort ein Brunnen, eine wirklich beschauliche Stadt.

Wir schlendern wieder zum Auto zurück und fahren einige Kilometer weiter zur Rappenlochschlucht. Es ist knapp vor Mittag und daher alles zugeparkt. Egal, fahren wir wieder ein wenig die Straße runter und spazieren dann bis zum Traditionsgasthof Gütle, um uns noch vor unserer Wanderung zu stärken. Der Gasthof sieht von außen schon sehr schnuckelig ist und das setzt sich auch im Inneren fort. Alles ist im Vintage-Stil gemütlich eingerichtet und dekoriert. Wir haben das Glück einen der wenigen freien Plätze im Garten zu ergattern und lassen uns verwöhnen mit Kürbis-Risotto und Bœf Stroganoff. Das Essen ist voll lecker und das Personal ausgesprochen freundlich und zuvorkommend. Wir fühlen uns hier richtig gut aufgehoben.

So, wir machen Platz für die nächsten Gäste und wandern los Richtung Rappenlochschlucht, eine der größten Schluchten Mitteleuropas. Es geht gleich zu Beginn aufwärts, vorbei an einer Kuhweide und dann erreichen den Steg. Direkt daneben befinden sich dicke Druckrohrleitungen aus genietetem Eisenblech, in denen das Wasser plätschert. Teilweise wurden diese Rohre vergraben, das hört sich dann an wie eine unterirdische Waschmaschine. Für die Wartung dieser Leitungen wurden ursprünglich die Stege in die Schlucht errichtet. 2011 riss ein gewaltiger Felssturz die Stege in die Tiefe, mit denen die Schlucht bereits erschlossen war. In mehr als zweijähriger Arbeit wurden neue spektakuläre Wege errichtet, auf denen die gesamte Schlucht durchquert werden kann. Eine Tafel gibt Auskunft, dass der Umweg jetzt 187 Stufen hinauf bedeutet. Ohne Fleiß, kein Preis!

Auf Tafeln entlang des Stegs werden die Wanderer über Entstehung und Nutzen der Schlucht, die Vegetation und vieles mehr informiert. Das Plätschern des Wassers begleitet uns beim Hinaufsteigen in die Schlucht und immer wieder bieten sich imposante Blicke hinauf und hinunter. An manchen Stellen wird es so eng, dass sich beim Gegenverkehr einer an die Wand drücken muss.

Auf den stark abfallenden Hängen wachsen Buchen, Ahorne und Eiben und den Boden bedecken Moose und schöne Farne. Hervorzuheben ist der Hirschzungenfarn, der charakteristisch ist für die feuchtkühlen Wälder der Schlucht, er ist der einzige geschützte Farn der Alpen. Wandern in der Schlucht muss im Frühsommer ein Traum sein, denn laut Info auf der Tafel, die beim sogenannten Wasserschloss angebracht ist, gibt es hier Vorkommen von verschiedenen Orchideenarten, Akelei, Schneerosen und einiges mehr. Vom Wasserschloss wird mit einem Druckrohr das Wasser ins Gütle, die untere Gegend, geleitet und durch einen Schieber konnte der Wassermann den Zufluss von Hand regulieren.

Das Plätschern begleitet uns bei unserem stetigen Bergan, dann wird das Tosen immer lauter und ein Wasserfall kommt in Sicht. Wow, es ist zwar kein natürlicher Wasserfall, aber nicht weniger spektakulär, zudem die Ionen immer wieder einen hübschen Regenbogen erzeugen. An den Felswänden rinnt auch das Wasser herunter und an einer Stelle kriegt man sogar eine Gratisdusche.

Am Ausgang der Schlucht erreichen wir den Staufensee, wo sich auch ein mehr als hundertjähriges Kraftwerk befindet. Früher wurden damit Spinnmaschinen und die Bahn angetrieben. Im See spiegeln sich die Wolken und die Bäume vom Mischwald, bei dem die ersten Blätter sich bereits gelb verfärbt haben. Die Enten und Vögel haben ihre Freude im Wasser und Libellen kreisen durch die Lüfte. Wir machen es uns auf einem lauschigen Sitzplatz im Halbschatten kurz bequem und beobachten die vorbeimarschierende Meute. Heute ist Sonntag, die Ferienzeit ist vorbei und wir haben traumhaftes Wetter – was bedeutet das? Ja richtig, es sind viele, viele Menschen unterwegs und leider machen einige davon Krach, als wären sie allein hier. Selbst da benimmt man sich im Wald.

Den Stausee kann man umrunden, auf halber Strecke befindet sich ein Kiosk, den wir aber links liegen lassen. Wir steigen über den Fluss durch das Alploch und landen in der nächsten Schlucht. „Die erosive Kraft des Wassers hat ein Fenster in versteinerte Lebensräume geschaffen“. Senkrecht steht hier das Bergmassiv auf beiden Seiten unendlich hoch, die die Wassermassen hineingeschnitten haben. Mit Hilfe von Sand und Steinen hat das Wasser runde Strudeltöpfe geschliffen. Mit einem Schlag wird es ruhiger, das Plätschern des Wassers ist fast nicht mehr zu hören und die Menschenmengen sind auch wie weggeblasen. Nur wenige steigen hier weiter hoch und so können wir die gute Luft und die Ruhe richtig genießen. Auch hier wandert man auf schwindelerregenden Stegen entlang der Felsmauer. Versteinerte Muscheln sollten zu erkennen sein laut der Info am Beginn der Schlucht, aber gefunden haben wir nicht wirklich welche. Dafür kommen wir aus dem Staunen nicht mehr raus, wie toll es hier ist. Das Sonnenlicht dringt von oben in die Schlucht und beleuchtet die Steine, die weiß bis ockerbraun glühen, der blaue Himmel mit den Schäfchenwolken oben, das satte Grün der Zungenfarne, Gräser und verblühten Blumen, das alles ist einfach wunderschön. Die musikalische Untermalung vom Wasser, das wie Regen auch von oben kommt und die angenehme Kühle – mein Gott, was hast du da für eine wunderbare Welt erschaffen.

Geschafft, wir sind am Ende der Schlucht angekommen, gehen über die Straße und stehen direkt an der Bushaltestelle. Entweder sind wir zu langsam gegangen, dann hätten wir den vorigen Bus noch erreicht oder wir sind zu schnell gewesen und müssen nun eine dreiviertel Stunde auf den nächsten warten. Wir werden aber von zwei kleinen Jungs neben uns unterhalten, die ihre Eltern beschäftigen.

Der erste Bus lässt uns nicht einsteigen, weil er gesteckt voll ist, und der zweite, der wenige Minuten danach kommt, ist auch nicht sehr viel weniger besetzt. Egal, in knapp zehn Minuten landen wir wieder beim Auto. Wohlbehalten, denn die kurvige Fahrt auf der einspurigen Straße ist schon ein Abenteuer gewesen. Der Busfahrer ist dahin gebreddelt als wärs eine Autobahn.

Weil der Tag noch so schön ist, biegen wir in Dornbirn nochmal ab und gönnen uns nochmal Eis in der Eisdiele im Roten Haus.

Danach fahren wir gemütlich in die Ferienwohnung zurück und lassen den Tag noch ruhig ausklingen.

vorherige Seite <<>> nächste Seite

Zum Offline-Nachlesen am eBook Reader:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Please leave these two fields as-is:

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.