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Hurra, heute grinst die Sonne schon frühmorgens vom Himmel, der bis auf einige Schäfchenwolken fast nahtlos blau ist. Schnurstracks fahren wir über St. Margarethen auf die Schweizer Autobahn (Datenroaming abschalten!) bis Konstanz und von hier ist es nur noch ein Hüpfer bis wir die Insel Mainau erreichen. Es ist kurz vor 11:00 Uhr und es ist schon richtig viel los. Das Wetter ist ja traumhaft für einen Spaziergang auf der 45 Hektar großen Insel, auf der jeder Meter botanisch genutzt wird. Erreichbar ist die Insel über eine Brücke und wer will, kann auch den Bus für 1,50 Euro nehmen. Der Spaziergang über den See ist doch so schön – wir beobachten Schwäne, Enten, Kormorane & Co., wie sie nach Futter tauchen oder miteinander spielen.

Mit einem Übersichtsplan bestückt widmen wir uns als erstes dem Kräutergarten. Die Pflanzen sind mit Schildern versehen, auf denen der Name, Herkunft und die Verwendung angeführt sind. Der trockene Sommer hat auch hier zugeschlagen, denn einige Schilder stehen einsam und verlassen inmitten leerer Erde da. Die Blüten der rosa Echinacea ragen stolz hoch und werden daher auch von vielen Besuchern fotografiert. Auch die schwarzen Tollkirschen, übrigens mega giftig, sehen sehr verlockend aus. Die Beete sind eingefasst von noch kleinen Eibe-Büschen, die auch sehr giftig sind. Da heißt es für die Eltern achtgeben auf ihre Kids, denn gegenüber befindet sich der große Spielpark für die Kleinen. Was natürlich großen Gefallen bei den Kindern findet, sind die Enten und der prächtige Schwan, die in 3-D aus Drahtgeflecht errichtet und mit Blumen bepflanzt sind. Wirklich wunderschön, schon am Eingang begrüßt eine riesengroße Blume aus dem gleichen Geflecht die Besucher.

Als nächstes kommen wir zum Bauernhof, wo in einem Gehege Kühe, Pferde und Ponys grasen oder gerade Siesta machen. Die Esel drücken sich ganz nahe an den Zaun und betteln um Streicheleinheiten. Bei den Kühen handelt es sich um Hinterwälder Rinder aus dem Hochschwarzwald. Das ist die kleinste deutsche Rinderrasse und sie wurden in den fünfziger Jahren noch bis an den Bodensee gehalten. Sie sind dann aber fast ausgestorben und nur der Hartnäckigkeit einiger Schwarzwälder Bauern und weniger Züchter ist es zu verdanken, dass diese Rinder in kleinen Beständen erhalten blieben. Zwischen ihren Hufen wuseln Bachstelzen, die ungestört nach Futter suchen.

Dann folgen wir dem Vogellehrpfad, wo auf Baumstämmen Vitrinen mit Vogelmodellen angebracht sind, versehen mit deren Namen und Besonderheiten. Einige der gefiederten Freunde kennen wir von zuhause, weil sie rege unser Futterhäuschen aufsuchen. So zum Beispiel Kleiber, Buchfinken oder Kohlmeisen, die im Nisthäuschen bis zu einem Dutzend Junge ausbrüten. Wir hatten letztes Jahr zu unserer Freude neun Babies in unserem Nistkasten.

In der Promenade der Wild- und Strauchrosen sind nicht mehr sehr viele Blüten zu sehen, dafür sind sie voll mit ihren Früchten, den roten Hagebutten. Auch im angrenzenden Staudengarten ist der Sommer schon vorbeigezogen. Hier dominieren der gelbe Sonnenhut, die rosa Herbstanemonen, lila Herbstastern und die Gräser. Die Fetthennen setzen auch schon die ersten Blüten an und schön, wie sie mit den Gräsern kuscheln.

So, die erste Pause ist angesagt und da bietet sich gleich eine Bank unter einem Blätterdach an. Dabei können wir den kleinen Echsen zugucken, wie sie auf den warmen Steinen herumhuschen und die Brotkrümel verdrücken, die ihnen zugeworfen werden.

Überall auf dem Gelände laufen die Wassersprenger mit voller Kraft und wir möchten nicht wissen, was da heuer für ein Wasserverbrauch zu Buche steht.

Die Attraktion von Mainau ist zurzeit der große Dahliengarten und hier herrscht ein wahrer Menschenauflauf. Kein Wunder – es blühen hier 12.000 Dahlien in über 250 Sorten und das Farbenspektrum reicht von weiß bis fast ins Schwarze. Darunter die höchst prämierten Neuheiten des In- und Auslandes.  Die Bienen haben hier auch ihre Freude an den prächtigen Blüten, um noch letzten Nektar zu sammeln. Wohin das Auge reicht, überall suchen Nasen den Kontakt zu den Blüten und die Schönheiten werden mit Kameras festgehalten.

Der nächste Stau befindet sich an der Italienischen Blumen-Wassertreppe, wo in zwei Ebenen Wasser herunterläuft, beidseitig flankiert von schönen Blumenbeeten in vorwiegend orange und gelb gehalten. Zwischen den orangefarbigen Zinnien haben sich Schokoblumen geschmuggelt. Kein Witz, wenn man an den braunen Blüten reibt, dann riechen diese nach Schoko. Während ich meine Fotoeinstellungen mache, setzt sich eine freche Biene mitten auf die Blüte. Dankeschön, schaut hübsch aus. Es ist echt eine Challenge, ein Foto ohne Menschen drauf zu ergattern, aber das Warten lohnt sich schlussendlich doch.

Gegenüber zieht uns ein Blumenbeet an, das komplett in Candy-Farben bepflanzt ist. Dominierend sind fast dreieinhalb Meter große, über 150 Jahre alte Fuchsienbüsche. Die Blüten der Cosmea, Begonien und der fleißigen Lieserl sind wie schon erwähnt alle in rosa gehalten.

Wir spazieren weiter und erreichen das Blumenrelief, das den Bodensee darstellt. Als Wasser hat man weiße Blüten und für die Ortschaften bunte gewählt. Tafeln mit den Ortsnamen und dem Wappen des Bundeslandes erklären anschaulich die Geographie.

Die nächste Rast machen wir nun am Ufer des echten Sees, sitzen gemütlich auf der Mauer und lassen die Beine baumeln. Das glasklare Wasser plätschert beruhigend über die Steine an die Kaimauer. Am Horizont sind die Ausflugsschiffe sichtbar, Segelschiffe und Speed-Boote treiben im Wasser, Möwen schaukeln auf den Wellen und am Himmel fährt ein Zeppelin. Ach, ist es hier gemütlich. Um die Strandkörbe gegenüber entstehen wahre Wettkämpfe sobald einer frei wird.

Mainau hat jedes Jahr einen Schwerpunkt und heuer ist es „Baobab und Bonobo – Faszination Afrika“. Den Bonobo, einer Affenart aus dem Kongo ist eine Fotoausstellung gewidmet. Die fremden Gehölze und Stauden finden wir auch überall am Gelände, wie das afrikanische Blumenrohr, die lila Liebesblumen, aber auch den Pfeifenputzerstrauch und den Korallenbaum. Einige wachsen hier wirklich, die anderen sind in riesigen Töpfen ausgestellt.

Spannend klingt für uns die Blumenuhr nach Carl von Linné, denn der schwedische Botaniker hat die pflanzlichen Aktivitäten während der gesamten Wachstumsperiode studiert, wie das Öffnen und Schließen der Blüten zur gleichen Tages- und Nachtzeit. 1745 hat er erstmals im botanischen Garten in Uppsala eine Blumenuhr angepflanzt und es soll ihm bei der Frage nach der Uhrzeit ein Blick aus dem Fenster auf seine Blumenuhr genügt haben, um die Uhr bis auf fünf Minuten genau abzulesen. Bei genauerem Betrachten der Blumenuhr hier sind wir uns sicher, dass die Uhr nicht ganz richtig tickt.

Um halb zwei machen wir Mittagspause im Restaurant Comturey, wo frisch und Bio gekocht wird. Jedes Gericht wird mit essbaren Blüten serviert und schmeckt einfach wunderbar. Zeit muss man hier auch viel mitbringen, denn bis wir bestellt, gegessen und bezahlt haben vergehen mehr als zwei Stunden.

Der Park beherbergt auch einen imposanten, uralten Baumbestand. Anlässlich zur Geburt seiner Tochter Viktoria, der späteren Königin von Schweden, pflanzte Großherzog Friedrich I. von Baden im Jahr 1862 eine Linde, die heute weit gen Himmel reicht.

Wir durchqueren den Italienischen Rosengarten, wo noch die Beet-Rosen blühen. Wasser plätschert in hübschen Brunnen und an einigen Plätzen befinden sich nette Statuen.

Dahinter haben Töpfe mit Besonderheiten Platz gefunden, wie zum Beispiel der Florett Seidenbaum, dessen Name nicht nur gefährlich klingt, der Stamm des Baumes ist übersät von oben bis unten mit dicken Dornen. Da wirken die Frangipani daneben mit ihren zarten Blüten filigran und außerdem verströmen die weißen Blüten einen süßlichen Duft.

Das letzte Highlight der Insel Mainau ist das Schmetterlingshaus. Die Schwüle und Wärme hier im Regenwald vergisst man komplett beim Anblick der prächtigen Pflanzen und Blüten und vor allem der wunderschönen exotischen Schmetterlinge. Leider gibt es Besucher, die den Tieren keinen Respekt zollen und sie durch Anfassen sogar in Gefahr bringen. Dabei setzen sie sich manchmal sogar freiwillig auf Hände und Schultern der Besucher. Bei Futterstationen, wo die Schmetterlinge mit Bananen, Äpfel und Orangen angelockt werden, sind sie auch super zu beobachten. In Wasserbecken schwimmen Fische und Schildkröten und im Regenwald selbst schwirren auch Zebrafinken herum.

Ein interessanter und ereignisreicher Tag neigt sich dem Ende. Wir schlendern zurück zum Parkplatz und der Verkehr lässt es zu, dass wir wieder rasch Richtung Unterkunft vorwärtskommen. Einen kurzen Fotostopp legen wir bei Lauterach ein, als uns das Navi auf die schmalen Straßen dort leitet. Macht nichts, die niedrige Geschwindigkeit lässt uns ein wenig die Umgebung betrachten und die ist wirklich schön, denn beim Lauteracher Ried / Lingensee sind die Wiesen übersät mit den rosa Blüten der Herbstzeitlosen.

Das letzte Stück fahren wir auf der A14 Richtung Lindau und erreichen in kurzer Zeit wieder unsere Unterkunft, wo wir den Rest des Tages noch gemütlich verbringen.

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