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Ein strahlend schöner Tag begrüßt uns wieder und deshalb schwingen wir uns heute auf unsere Drahtesel. Wir lassen Lochau hinter uns und radeln entlang der Seepromenade bis nach Bregenz. Dabei haben wir immer einen traumhaften Blick über den See und die Umgebung. Am Ufer schlafen die Schwäne noch, das kleine graue Baby kuschelt sich an die Mama, ein Stück weiter macht ein anderer seine Yogaübungen, die „Tänzerin“, diese Figur kennen wir auch aus unserem Training. Kormorane schwimmen im Wasser und ein Stück daneben sind auch schon Hartgesottene im kühlen Nass zu sehen. Als ich am Ufer einen schönen Silberreiher entdecke, brems ich ab und pirsche mich langsam an ihn heran. Zu spät, ich hab dich schon fotografiert – denn er flüchtet, als er mich entdeckt. Es ist viel los auf der Promenade, Radfahrer, Spaziergänger, Jogger und Wanderer sind schon auf den Beinen. Der Jakobsweg führt hier vorbei und die Wanderer sind an ihrem Gepäck zu erkennen. Auch ein Wasserschifahrer versucht seine Künste auf dem Wasser, schaut net so schlecht aus. Sanft schaukeln die Wellen zum Kiesstrand und das Wasser glitzert in der Sonne – das wird ein schöner Tag.

Von weitem ist schon die Seebühne zu sehen, oder besser, das was davon noch steht. Wir biegen aber ins Stadtzentrum von Bregenz ab und halten in der Kirchgasse 29, wo über dem Türstock zu lesen ist, dass das Haus nur 57 cm breit ist – das schmalste Haus von Bregenz. Zweihundert Jahre soll es schon alt sein und zur Zeit versteckt es eine Baustelle. Von der Haustür laufen die Wände auseinander und ergeben einen sechzig Quadratmeter großen Raum.

Jetzt radeln wir ein wenig in den Gassen herum, denn es soll hier auch noch die schmalste Gasse von Bregenz geben. Wir wissen, dass es das Ora-Gässlein ist, aber finden es erst nicht. Wolfgang recherchiert und dann entdecken wir es gegenüber dem „Lieblingscafé“ in der Maurachgasse.

Somit haben wir unser Programm von Bregenz vollständig und wir können uns wieder unserer Radtour widmen. Wir fahren wieder zur Seepromenade hinunter, lassen die Seebühne hinter uns und strampeln Richtung Rheindelta. Es bildet die Grenze zwischen Österreich und der Schweiz und ist seit 1976 ein Naturschutzgebiet und berühmt für seine Vogelwelt. Dieses Delta zwischen Neuem und Altem Rhein wurde künstlich geschaffen, um Bregenz und die Umlandgemeinden vor Hochwasser und Überschwemmungen zu schützen. Ein Naturlehrpfad zeigt Fotos und Erklärungen zu Tieren und Pflanzen. Wir halten Ausschau nach Wespenspinnen, Eisvogel oder Ringelnatter, haben aber auch Freude am Pfeifengras und dem schönen Schilf. Ein breiter Radweg, getrennt von einem eigenen Fußweg führt idyllisch durch Waldgebiet, Kukuruzfelder und Baumalleen.

Wir überqueren die Bregenzer Ach über die Radbrücke Bregenz – Hard, genießen eine Weile die romantische Stimmung hier, das Rauschen des Wassers und das Gezwitscher der Vögel. Über uns fährt ein Zeppelin und viele Kilometer tiefer kreisen Kormorane in den Lüften. Wir setzen unsere Fahrt fort durch das über zweitausend Hektar große Naturschutzgebiet, das aufgeteilt ist in zwei Drittel Wasser und ein Drittel Landfläche. Rund sechshundert verschiedene Pflanzen wachsen hier und viele davon sind gefährdet, wie der kleine Rohrkolben und der Sonnentau. Durch die Vielfalt an Lebensräumen bietet das Rheindelta vielen Tierarten ein geeignetes Zuhause. Über neunhundert verschiedene Vogelarten leben hier während des Vogelzuges oder brüten und ziehen hier ihre Jungen auf. Wir haben einige Male die Möglichkeit zwischen Gebüsch durchzugucken und die Vögel zu beobachten, wie sie friedlich miteinander umgehen.

In Fußach sind wir Mittag auf der Suche nach einem Restaurant, müssen aber ergebnislos dann in einen Supermarkt einfallen, um uns Jause zu besorgen. Wir fahren weiter und sind auf der Suche nach einem Platz, wo wir in Ruhe gemütlich unser Essen genießen können. Aber irgendwie bietet sich keine Gelegenheit und so lassen wir auch Höchst hinter uns. In der Nähe von Gaißau finden wir dann in einer Waldlichtung ein nettes Bankerl vor einem Flurkreuz, wo wir unser Weckerl auspacken und mit Heißhunger verdrücken. Hinter uns huschen schwarze Eichkatzerl von einem Baum zum anderen und im Blick direkt vor uns grasen gemütlich ein paar Ziegen.

Weiter geht die Fahrt, vorbei an Feldern, wo der Bauer gerade fleißig ist und die Wiesn mäht, damit seine Küh wieder frische Graserl kriegen. Die Luft ist erfüllt vom Duft des gemähten Grases.

Bei Roberto´s Pizzeria Café legen wir noch einen kurzen Stopp ein für Eiskaffee und Apfelstrudel, bevor wir über die überdachte Holzbrücke fahren und in der Schweiz landen. Ein fein geschotterter Radweg führt erst malerisch entlang des Rheins, vorbei an Kuhweiden und dann mündet der Jakobsweg ein.  

Wir erreichen die Ortschaft Altenrhein und kommen direkt am Flughafen vorbei, wo gerade ein kleiner Flieger rücklings auf das Rollfeld geschoben wird. Wir schauen diesem Spektakel kurz zu und dann radeln wir weiter. Schon von weitem sind die goldenen Türme der Markthalle sichtbar, die in der Sonne strahlen. Entworfen wurde sie von Friedensreich Hundertwasser und es ist das einzige Werk in der Schweiz dieses Künstlers und zugleich auch sein letztes, das erst nach seinem Tod fertiggestellt wurde. Über drei Jahre wurde gebaut und das Gebäude beherbergt heute ein Café, einen Shop und im unteren Teil einen Veranstaltungsraum. Als erstes umrunden wir das Gebäude von außen und dann entrichten wir den stolzen Eintrittspreis von acht Euro für uns beide. Dafür dürfen wir auf die Dachgartenebene, wo wir einen schönen Blick von oben haben. Dort befindet sich auch ein Raum mit einer Tonbildschau, die über den Meister, dessen Leben und seine Werke informieren. Hundertwasser hasste gerade Linien, da diese auch in der Natur nicht zu finden sind. Und so sind in seinen Bauwerken nur ungleiche Fenster, gewellte Böden und bucklige Wände zu finden und das alles in leuchtenden Farben. Die Dachgärten sind begrünt und mit Büschen und Bäumen bepflanzt. Wir lieben ja seine Architektur und daher betrachten wir mit Freude jeden Raum und jedes Eck. Zum Abschluss steigen wir noch in den Veranstaltungsraum hinunter, wo bunte Flaschen, die in eine Mauer eingearbeitet sind, spektakuläre Lichtspiele produzieren.

Wir verlassen die Markthalle wieder, steigen auf unsere Drahtesel und strampeln ein Stück des Weges zurück. Beim Flughafen biegen wir seitlich ab und kommen bei einer großen Schafherde vorbei. Mitten unter den Tieren stolziert ein Graureiher herum, das ist die beste Gelegenheit, ihn ungestört zu fotografieren. Dankeschön!

Zickezacke geht´s durch die Ortschaften und dann führt der Radweg entlang der Bahngleise. Im Nu erreichen wir Rorschach und dort biegen wir an der Hafenpromenade ab. Direkt neben dem Forum Würth, einem Ausstellungsgebäude, verweilen wir kurz auf einer lauschigen Bank im Schatten von Laubbäumen. Von hier haben wir einen witen Blick auf den Bodensee, wo große Yachten, aufgefädelt wie auf einer Perlenkette, im Wasser schaukeln. Am Ufer peitscht das Wasser auf den Schotterstrand und ein Wuffi hat seine Freude im kühlen Nass. Da unser Sitznachbar auf der Bank uns mit blöden Meldungen nervt, setzen wir unsere Fahrt entlang der Promenade fort. Am Hafen von Rorschach befindet sich das einstige Kornhaus, wo heute ein Heimatmuseum untergebracht ist. Wie ein Palast thront der barocke Bau direkt am Wasser. Daneben weite Wiesenflächen, die heute aufgrund des jährlich stattfindenden Sandskulpturen-Festivals mit einem Gitterzaun abgetrennt sind. Wir bezahlen pro Person fünf Franken Eintritt (umgerechnet 1:1 Euro / Franken), damit wir auf das Gelände dürfen. Künstler müssen innerhalb einer vorgegebenen Zeit zu einem bestimmten Thema mit Unmengen von Sand eine Skulptur errichten, die dann von einer Fachjury bewertet wird. Aus fast 300 Tonnen Quarzsand wurden tolle, aber leider vergängliche Kunstwerke geschaffen. Bei jedem befindet sich eine Tafel, auf denen die Künstler mit Namen und Herkunft angeführt sind und auch die Beschreibung seiner Sandskulptur. Heuer findet das Festival bereits zum zwanzigsten Mal statt und Thema ist „all you need is love – alles, was du brauchst, ist Liebe“. Die Sieger wurden bereits gekrönt, den heuer zwei Russen holten mit dem Titel „Der Traum“. Eine kleine Katze, die auf Händen getragen wird von einem dicken Mann. Wir spazieren von einer Szene zur anderen und sind fasziniert von den Kunstwerken und den einzelnen Details und wir können uns nicht entscheiden, wer für uns der Sieger gewesen wäre.

Die Zeit, die wir noch warten müssen, bis die Fähre kommt, verbringen wir auf der Kaimauer. Wir lassen unseren Blick herumschweifen, beobachten die Menschen und die Wasservögel, während wir die angenehme Wärme der Abendsonne genießen. Punkt 17:00 Uhr beginnen die Glocken der Kirchen zu läuten und bimmeln durchgehend eine Viertelstunde.

Dann tuckert die Fähre zur Anlegestelle und kaum zu glauben, im Nu sind die vielen Passagiere und ihre Fahrräder verstaut und das Schiff legt wieder ab. Wir stehen auf der oberen Etage am Bug und lassen unseren Tag Revue passieren. Meditativ wirken das Rauschen des Wassers und das Geschrei der Möwen. Die Abendsonne hüllt die Landschaft in eine schöne Farbe und die Berge sind von einem Nebelschleier umgeben.

Nach knapp einer dreiviertel Stunde legen wir im Hafen von Wasserburg an, wo ein Teil der Passagiere aussteigt und andere zusteigen. Auf der Halbinsel liegt schön die Kirche St. Georg und daneben das gelb getünchte Schloss mit dem Treppengiebel.

Fünf Kilometer westlich entfernt liegt Lindau und unsere Fähre kündigt sich mit kräftigen Gehupe an. Und das ist auch gut so, denn so wird das Boot verscheucht, das gerade das Hafenbecken verlassen wollte.

Wir erleben wieder einen traumhaften Sonnenuntergang und schlendern gemütlich den Hafen von Lindau entlang. Wow, super, wir werden mit Musik empfangen, aber die Musikanten sind nicht wegen uns hier, sondern weil heute ein Kunsthandwerksmarkt stattgefunden hat. Die Musik und Gaudi finden aber noch kein Ende und so lassen wir uns von der Stimmung einfangen. Wir finden im Café Restaurant Swiss einen freien Tisch direkt an der Promenade und bestellen uns Hauswein und Fish & Chips. Wir wissen nicht, ob wir von der Musik beglückt oder gequält werden, denn die Gesänge der Musikanten sind immer wieder mal schief. Das kleine Mädel, auf Papa´s Schultern, die sich die Ohren zuhält, bestätigt unser Empfinden. Nachdem wir aber einige Schluck vom Wein intus haben, gefällt uns die Musik auch langsam. Die Witze verstehen wir nicht immer und vielleicht sollten die Musikanten einige Statisten anstellen, damit wenigstens jemand lacht. Nein, das ist jetzt böse gewesen, wir sind einfach nicht das Publikum für so eine Musikrichtung. Das Essen ist ganz OK, wird aber vom Nachtisch, der Bayrischen Creme mit dem Himbeersorbet stark aufgewertet.

Mittlerweile ist die Sonne untergegangen, es ist kurz nach 20:00 Uhr und im Hafen werden die Lichter aufgedreht. Wir beschließen, unsere Weingläser zu leeren und brechen eine halbe Stunde später auf. Es ist schon relativ dunkel, als wir den Weg aus Lindau suchen. Der Fahrtwind ist kühl und die halbstündige Fahrt ist abenteuerlich. An der Grenze wird kontrolliert, wir rutschen aber so durch und erreichen im Stockdunkel kurz vor 21:00 Uhr unsere Unterkunft. Über fünfzig Kilometer sind wir heute geradelt und damit sich Rücken und Beine ein wenig erholen können, gibt es vor dem Zubettgehen noch eine ausgedehnte warme Dusche.

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