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Wir haben wieder freundliches Wetter, zumindest jetzt in der Früh – am Nachmittag soll es laut Vorhersage trüber werden. Aber, wenn Englein reisen, wird sich das Wetter weisen und wir haben Urlaub und Sonnenschein gebucht.

Heute steht das Pfahlbaumuseum in Uhldingen am Programm, das wir schon beim Zeppelinflug von oben sehr schön sehen konnten. Die Anreise ist ein wenig zäh, da auf der Straße viel los ist und viele Lastwägen unterwegs sind. Wir stellen unser Auto am großen Parkplatz in Uhldingen ab und von dort benötigen wir nur noch einen kurzen Spaziergang zum Ufer des Bodensees. Aufgrund unserer Bodensee-Card sind wir schnell an den Kassen vorbei und warten nun auf die 9-minütige Multimediashow „Archaeorama“.

Im ersten Raum befinden wir uns in der Tauchbasis, wo sich zwei Taucher auf den Tauchgang vorbereiten und sich während des Einkleidens angeregt unterhalten. Dann öffnet sich die Tür zum nächsten Raum, wo wir mit den beiden einen Tauchgang zum Grund des Bodensees unternehmen. Dabei können wir die versunkene Unterwasserwelt sehen, die sonst nicht bestaunt werden kann. Die nächste Tür geht auf und wir werden von einem Guide empfangen, der uns herzlich begrüßt und uns schon erste interessante Informationen über die Zeitreise in die Steinzeit gibt. Das Pfahlbau-Museum wurde 1922 eröffnet und zeigt 23 Rekonstruktionen aus der Stein- und Bronzezeit. Es ist eines der größten Freilichtmuseen in ganz Europa und die südlich gelegene Pfahlbau-Fundstelle wurde in die Liste des UNESCO Weltkulturerbe aufgenommen.

Wir schlendern von einer Hütte in die nächste, wo Gegenstände gezeigt werden und mit lebensechten Nachbildungen von Menschen und Tieren Szenen nachgestellt sind. So kann man sich das Alltagsleben ein wenig vorstellen und es wird einem auch bewusst, wie primitiv die Steinzeitmenschen gelebt haben. Werkzeuge, Stoffreste, ja sogar ein jahrtausendealtes Brot wurde bei den Ausgrabungen gefunden. In einzelnen Hütten erzählen Guides vom damaligen Leben, demonstrieren Handwerktechniken und beantworten Fragen. Die Menschen haben regen Handel betrieben, um an Rohstoffe zu gelangen, damit sie Gebrauchsgegenstände, wie Tontöpfe, Messing oder Kupfer herstellen konnten. Das Sozialwesen war schon hoch entwickelt, denn es gab bereits die Töpfer, die Brenner, die die Models für die Werkzeuge herstellten. Sie haben nicht nur ihre eigenen Produkte produziert, sondern auch für andere Siedlungen. Mit dem Einbaum erreichten sie von hier Mainau in drei Stunden und jeden anderen Ort innerhalb eines Tages. In Zeiten vor der Erfindung des Kühlschrankes war die Haltbarmachung und Konservierung eine große Herausforderung. Sie lernten die Lebensmittel zu trocknen oder zu räuchern.

Sechzig bis achtzig Hütten mit ca. neuhundert Bewohnern umfasste früher ein Dorf und die Lebensdauer einer Hütte war zwischen zwanzig und dreißig Jahren. Danach zogen die Menschen weiter, ließen die Hütten verfallen und bauten wieder irgendwo am Wasser eine neue Siedlung. Bei den Funden war auch ein Haus mit einem großen Grundriss und daher wird vermutet, dass es sich dabei um das Haus eines Dorfältesten handelt. Es gab somit bereits den Unterschied von arm und reich und das wurde auch mit Schmuck und Sonntagskeramiken gezeigt. Es geht hier nicht nur mehr ums Überleben, sondern auch zu zeigen, was man hat und das natürlich auch zu verteidigen – die ersten Waffen entstehen.

Am Wasser rund um die Pfahlbauten tummeln sich Enten, Blässhühner, Möwen und viele mehr. Auf einer kleinen, sandigen Landzunge breiten schwarze Kormorane ihre Flügel zum Trocknen aus und genießen die warme Sonne. Segelschiffe, Boote und Fähren schaukeln mit den Wellen im Wasser und über uns fährt ein Zeppelin – ist das eine friedliche Idylle. Wir stehen eine Zeitlang am Steg und genießen den blauen Himmel mit den Schäfchenwolken und die angenehme Wärme.

Dann setzen wir unseren Spaziergang fort in den nächsten Ausstellungsraum. Hier haben die Wissenschaftler nach den Funden zwei Theorien entwickelt. In nebeneinander gereihten Schaufenstern wurden zwei Vergleichsmodelle errichtet. Eine wird als gut bürgerliche Hütte gezeigt, aufgeteilten Räumen, mit Tisch und Geschirr und auf der anderen Seite mit einer großen Gemeinschaftshütte, die eher indianermäßig ausschaut. Welche der beiden Varianten mehr der Wirklichkeit entspricht, lässt sich nicht mehr ermitteln.

Daneben starren uns ausgestopfte Tiere entgegen, die die Bewohner aber damals außerhalb des Dorfes untergebracht hatten.

Wir betreten das nächste Haus, in dem der Steinhauer zuhause war. Heute präsentiert uns aber eine „Steinhauerin“ einen mechanischen Bohrer, wo mit ausgehöhlten Hollunderstäben und Sand als Reibmittel Löcher in Steine gebohrt wurden. Interessant auch ihre Erläuterungen über die Jagd und die Waffen, die dazu benötigt wurden. Größere Tiere, wie zum Beispiel Bären, Wildschweine oder Hirsche wurden mit Pfeilen gejagt, die auch eine große Spitze hatten, während die Vögel mit den Pfeilen nur K.O. geschlagen wurden. Gegessen wurden aber auch Igel, Frösche und vor allem Getreide, wie das Einkorn, Mohn oder Lein.

Im Haus der Fragen können wir noch auf großen Wänden nachlesen, wie die Bauern, Fischer und Händler ihr Leben während der Stein- und Bronzezeit im Voralpenraum bestritten haben. Fotos und Zeichnungen lassen die Geschichte lebendig werden.

So, wir haben die letzte Hütte besichtigt, verlassen die Stege und erreichen nun das Steinzeitdorf, das für das Experiment „Steinzeit“ für das SWR-Fernsehen errichtet wurde. Sieben Erwachsene und sechs Kinder führten im Sommer 2006 zwei Monate lang das Leben einer Steinzeitsippe wie vor fünftausend Jahren. Dabei steht die Beschaffung von Essen im Vordergrund, was sehr mühsam ist. Auch für das erste Feuer wurden mehr als zwei Stunden benötigt. Da wird einem erst bewusst, in welcher luxuriösen Welt wir heute leben und das meiste selbstverständlich ist.

Wir verlassen tief beeindruckt das Pfahlbaumuseum, schlendern zum Parkplatz zurück und fahren mit dem Auto Richtung Birnau zum Hotel Pilgerhof und Restaurant Rebmannshof. Wir ergattern für unser Auto einen Platz im Schatten und auch wir dürfen uns nach einiger Diskussion mit dem Kellner an einen Tisch unter Bäumen setzen. Die große Terrasse befindet sich direkt am Bodensee und wir haben auch einen wunderschönen Blick auf die Berge. Weil gerade Kürbiszeit ist, bestellen wir uns auch Gerichte mit Kürbis.

Gestärkt fahren wir dann weiter zur Klosterkirche Birnau. Die zuckerlrosarote Wallfahrtskirche thront auf einem Hügel inmitten von Weinbergen. Die barocke, Schlossähnliche Kirche ist der Maria geweiht und ist im 13. Jhdt. aus einer Kapelle entstanden. Die ausgebaute Kirche wurde während des Dreißigjährigen Krieges niedergebrannt, aber wiederaufgebaut. Zur Zeit der Säkularisierung diente sie als Ziegenstall und Lagerraum für Heu und Stroh, nachdem die Innenausstattung verkauft wurde. 1919 vermachte ein reicher Adliger die Kirche dem Zisterzienserorden.

Wir betreten das Innere über einen kleinen Vorraum und bleiben nach wenigen Schritten mit offenen Mündern stehen. Verspielte Rokoko-Elemente und Verzierungen, wohin man schaut, Fresken auf der gesamten Decke und der gesamte Innenraum ist in hellen, warmen Pastellfarben gehalten. Der Künstler hat sich dabei selbst dargestellt mit Pinsel und Krücke, da er vom Gerüst gefallen ist während den Arbeiten. Das Marienmotiv ist in vielen Szenen dargestellt, wobei sich die Figur der Maria aufgrund ihres blauen Mantels sichtbar heraushebt. Eine Balustrade umläuft auf halber Höhe den Raum von der Apsis bis zur Orgel. Einmalig ist auch, dass die Kirche zehn Uhren besitzt, darunter eine hübsche Monduhr.

Der Touristenstrom wird immer mehr und so verlassen wir die heilige Stätte und fahren weiter bis nach Salem. Kurz davor, halten wir bei Andelshofen am Neuen Weiher und halten Ausschau nach Wasservögeln. Leider ist das Ufer sehr zugewachsen und durch das Schilf trau ich mich nicht gehen, denn der Boden ist sehr weich. Deshalb muss das Tele des Fotoapparates reichen, um die verschiedenen Entenarten, Graureiher und Kormorane bildlich festzuhalten. Zu unserer Freude kreisen dann noch zwei Weißstörche über unseren Köpfen. Nur schwer können wir uns verabschieden, aber da für heute Nachmittag schlechtes Wetter angesagt ist und wir noch nach Schloss Salem möchten, müssen wir jetzt weiterfahren.

Im Schloss Salem findet von 6. – 9. September im Garten die Messe „Home & Garden“ statt und da wir mit unserer Bodenseekarte freien Eintritt haben, möchten wir uns das anschaun und vielleicht auch einige nette Dinge erstehen. „Namhafte, mit Sorgfalt ausgewählte Aussteller präsentieren in weißen Pagoden ihr hochwertiges Repertoire an schönen und extravaganten Produkten“, so heißt es im Flyer. Auf den ersten Blick sieht auch alles sehr elegant und edel aus, aber für den Ottonormalverbraucher ist nicht wirklich viel dabei. Alles zum Thema Haus und Garten wird gezeigt und verkauft und vor allem für anspruchsvolle Geschmäcker. Von Einrichtungsgegenständen, Mode, Schmuck über kulinarische Delikatessen bis hin zu Pflanzenarrangements und allerlei Gartenzeugs. Wir beschränken unsere Einkäufe auf Vorarlberger Bergkäse, Hirschwurst und getrocknetes Schweinefilet und dazu Schüttelbrot.

Um halb Fünf beschließen wir den Tag und fahren zurück zu unserer Ferienwohnung, wo wir den Tag Revue passieren lassen und uns dann entspannen.

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