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Um 08:00 Uhr rollen wir uns aus den Betten, draußen schaut es wieder schön aus mit blauem Himmel und Schlierenwolken. Die letzten Tage haben wir so um die 30° gehabt, heute sind es um 10° weniger, aber es ist angenehm. Wolfgang holt zum Frühstück frische Croissants und wir lassen den Urlaub Revue passieren.

Eine Stunde später machen die Männer das Boot für die Abfahrt bereit, denn wir müssen früh aufbrechen, heute haben wir einen reinen Fahrtag vor uns. Merke für nächstes Mal: eine One-Way-Tour buchen und die Überstellungspauschale bezahlen! Unseren Plan der frühen Abfahrt müssen wir verwerfen, weil die Kiste nicht mehr anspringt. Laut Telefonat mit „Le Boot“ kommt in einer Stunde ein Techniker, der sich das anschaut. Wenn er in einer Stunde nicht da ist, dann holen wir die Axt und versenken das Boot – denn wir haben nur 300,00 Euro Selbstbehalt, soviel ist uns der Spaß wert.

Um uns die Wartezeit zu vertreiben, „tätowieren“ wir uns mit den Ankern, die Sandra und Georg mitgebracht haben. Heute sind wir im Partner-Look mit den Marine-T-Shirts und das passt dann ganz gut. Außerdem überbrücken wir die Zeit mit Schwäne-Füttern, aber die Viecher werden dann so gierig, dass sie schon beinah bis ins Boot hüpfen. Mit einer halben Stunde Verspätung kreuzt der Techniker dann auf und begibt sich auf die Suche und sucht und sucht und sucht. Schließlich stapft er wieder davon und kommt mit einer neuen Batterie zurück. Er probiert zu starten und es tut sich nichts, er telefoniert, geht vom Heck zum Bug, testet da was, kommt wieder zurück, probiert, rien ne va plus, nix geht mehr. Wolfgang und Georg texten den Techniker mit guten Ratschlägen zu, vielleicht hilft es was. Er soll doch mit seinem Schraubenschlüssel mal ordentlich draufhaun und er tut´s wirklich. Mittlerweile ist es 11:40 Uhr geworden und wir sitzen immer noch hier fest. Von der Capitainerie kommt schon ein Bursche angestapft und fragt nach, was wir für ein Problem haben. Nö, wir haben nicht vor hier zu bleiben. Das einzig Positive ist, dass das Wetter wieder wärmer wird. Drei Minuten vor 12:00 Uhr rückt er dann mit der defekten Batterie ab, irgendwie hat er es doch noch geschafft, die Maschine zu starten. Die Lichtmaschine ist kaputt und er meint, wir sollen heute den Motor nicht mehr abstellen, denn er ist sich nicht sicher, ob wir sie dann wieder zum Laufen kriegen. Na, das sind ja schöne Aussichten. Wir haben Stunden verloren, jetzt heißt es einen Zahn zulegen.

Sandra und ich sitzen heute am Bug mal ganz vorne und da sind wir näher am Wasser. Es ist windstiller und eine ganz andere Perspektive zum Wasser und den Tieren. Wie die letzten Tage auch genießen die Tiere am Ufer die Wärme und betreiben Morgentoilette. Eine Entenmama mit ihren süßen Babys kreuzt seelenruhig unseren Weg, während die Graureiher sich aus dem Staub machen, als wir uns ihnen nähern. Drei schwarze Kormorane sitzen auf einem Ast und einer schwingt seine Flügel auf und ab, um sie zu trocknen. Ein Ibis fliegt von einem Ufer zum andern und verschwindet im Gebüsch. Die Stauden am Ufer wiegen sich im Wind hin und her und die Blätter zeigen die verschiedensten Grünschattierungen. Die Wolken am Himmel schieben sich mal hier, mal dort zusammen und wir sind daher ständig am Jacken anziehen, Jacken ausziehen, Schal umwickeln, Schal wieder weg. Na ja, so wird´s nicht langweilig.  

Um 13:00 Uhr bestreichen und belegen wir Baguette mit den Resten aus unserem Kühlschrank, dazu machen wir noch Tomatensalat und als Nachtisch gibt´s noch Kaffee und Wafferl – das ist heute das Menü Nr. 1.

Der Fotoapparat läuft heiß, denn es ergeben sich immer wieder schöne Fotomotive. Wieder chillen die Kühe auf den Weiden oder stehen halb im Wasser und trinken und einige schaun uns neugierig nach. Ein Bild, das wir schon kennen, sind auch die über uns kreisenden Raubvögel, die sich jagen oder miteinander spielen. Elegant schrauben sie sich pärchenweise in den Himmel hoch. Wir können uns nicht sattsehen an dieser schönen Gegend mit ihrer Tiierwelt. Mehrmals am Tag ärgere ich mich, dass ich die große Kamera zuhause gelassen habe, denn für die kleinen Lumix fliegen die Vögel zu schnell und so hab ich nur unscharfe Bilder. Daher genießen wir die schönen Bilder live, die sich immer wieder innerhalb von wenigen Minuten verändern. Die Wolken zeichnen beeindruckende Muster und Bilder auf den blauen Himmel, einfach traumhaft. Es ist so schön, wenn sich Boote kreuzen, dass jeder winkt und grüßt, egal ob jung oder alt, egal ob Einheimischer oder Tourist, das macht keinen Unterschied. Auf der Rückfahrt durchqueren wir zwei Schleußen, eine davon in Seurre und heute begegnen wir dem Ort untertags. Wir lassen ihn aber links liegen, erstens haben wir keine Zeit mehr und zweitens dürfen wir den Motor nicht mehr abstellen.

So, jetzt setz ich mich mal wieder ans Ruder und versuche das Boot nicht in den Sand zu setzen. Es dauert aber eine Weile, bis ich den Dreh raus habe, wann ich gegenlenken muss und wie stark. Obwohl der Kanal oft schnurgerade ist, treiben wir immer wieder ab, denn die Strömung und der Wind manövrieren das Boot von der Ideallinie. Bevor wir in den Hafen von St. Jean de Losne einfahren, übernimmt Wolfgang wieder das Kommando. Davor pinkelt er aber noch über die Reling, das Foto davon verweigere ich aber.

Um 18:45 Uhr schweben wir in St. Jean de Losne ganz langsam in den Hafen ein, der zu „Le Boat“ gehört. Da bekommen wir zwei Biber zu Gesicht, die zwischen den Teichrosen herumtollen. Schnell den Fotoapparat geschnappt und einen davon bildlich eingefangen. Das Wasser ist sehr klar und daher sind die Algen und die Fische sehr schön zu sehen. Beim Einparkmanöver mixen wir einen schönen Cocktail aus den Algen. Wolfgang parkt perfekt am Steg ein und dann atmen wir auf, dass das Boot bis hierher durchgehalten hat.

Der Wind hat nachgelassen und es ist angenehm warm, als wir um 19:40 Uhr in den Ort spazieren. St. Jean de Losne wird von einer Einbahnstraße mit bunten Pflastersteinen rund um die Kirche durchzogen. Die Gehsteige sind aufgrund der späten Uhrzeit bereits hochgeklappt, heute gibt es nix mehr zu sehen. Egal – wir haben eh nur noch Hunger und daher halten wir Ausschau nach einem passenden Lokal. Am Hafen werden wir schließlich fündig und sitzen jetzt gemütlich im „Le Bouchon Losnais“. Es ist zwar schon a bissi kühl, aber voll nett, vor allem weil der beschwingte Kellner uns mit Schmäh volles Programm bietet. Kulinarisch lassen wir es uns nochmal so richtig gut gehen, inklusive Crème brûlée oder Café Gourmand.

Mit vollen Bäuchen schlendern wir dann bei schönem Sonnenuntergang zum Boot zurück und legen uns für die letzte Nacht in unsere Kojen. Bonne Nuit.

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