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Geschlafen haben wir alle relativ gut, das Boot hat nicht geschwankt und es ist sehr ruhig gewesen. Gegen 07:30 Uhr klettern wir aus unseren Betten und richten dann gemeinsam das Frühstück. Essen müssen wir leider drinnen, weil es an Deck sehr feucht vom Morgentau ist.

Dann schlendern wir zur Capitainerie, melden uns offiziell an (schließlich war diese gestern Abend nicht mehr besetzt), bezahlen die Rechnung und gehen duschen.

Bei Bilderbuchwetter brechen wir kurz vor 10:00 Uhr auf und schippern auf der Saône weiter südwärts. Eincremen, Sonnenbrille und Kappe auf und dann sitzen wir an Deck, legen die Leinen los und leben einfach in den Tag hinein. Der Kapitän und der Drunken Sailer gehen gewissenhaft ihrer Arbeit nach und wir Damen genießen die Landschaft. Das Wasser spielt alle Farben von Braun bis zu den verschiedensten Grüntönen. Schaut total hübsch aus, doch die Dame bei „Le Boat“ hat uns erzählt, dass nicht nur die Fische ins Wasser machen, sondern auch diverse Kanäle sich da entleeren (und natürlich auch alle Hausboote – iiiih). Schade, dass man dieser wunderschönen Gegend hier sowas antut. Das Ufer ist stellenweise bewachsen mit Büschen und von da zwitschert, piepst und quietscht es. Im Wasser schwimmen Enten und Schwäne und hin und wieder tauchen sie mit ihren Köpfen ab.

In den Wiesen am Ufer grasen die für Burgund typischen weißen Charolais Rinder. Sie verbringen über neun Monate auf den saftigen Weiden und fressen Gras und aromatische Wildkräuter. Ach, ist das ein schönes Leben. Wir können auch beobachten, wie die eine oder andere Kuh ans Wasser kommt und daraus trinkt. Entspannt lassen wir das harmonische Ambiente auf uns wirken und vergessen dabei den Alltag. Unser Blick wandert von einer zur anderen Seite und wir beobachten auch am Himmel so manchen Raubvogel, der auf der Suche nach Futter seine Kreise zieht. Die Schwalben wirbeln rund um uns, während die Reiher im Schutz der Büsche die Morgensonne genießen. Am Ufer sitzen schon wieder die Fischer und da wir Wochenende haben, stehen auch viele Autos und Camper nahe am Wasser. Das wäre auch was für uns und wir stellen uns im Geiste vor, hinter welchem Busch wir übernachten würden.

Wir erreichen die erste Schleuße des Tages und als würden unsere Männer das schon länger machen, wickeln sie die Leinen um die Haken in der Schleuße. Écuelles begrüßt uns um Punkt 11:00 Uhr mit Glockenschlag. Das Dorf ist eines der kleinsten im Département Haute-Saône und lebt vorwiegend von der Landwirtschaft. Wir sind von den hübschen Häusern ganz entzückt und auf einem Dach erblicken wir beim Vorbeifahren ein Pfau-Männchen, der stolz seinen Kopf hin und her dreht.

Auf unserer Fahrt entdecken wir immer wieder, versteckt zwischen dem Gebüsch hübsche Villen und Bungalows mit Zugang zur Saône. Wolfgang drosselt den Motor, als er nahe dem Ufer drei schwarze Kormorane entdeckt. Sie thronen wie Germanys next Topmodel auf einem Ast und posieren für meine Fotos. Vielen Dank! Nicht weit von ihnen entfernt schreiten weiße Reiher durch das seichte Wasser, die dann aber flüchten, als sie uns sehen. Auch so manch lustige Menschengestalten begegnen wir, wie die zwei Typen, die entweder soviel Fisch geangelt haben oder sich die Bäuche mit Schweinsbraten voll haun. Sie sitzen in einer Art Schwimmreifen mit Lehne und chillen mitten im Fluss. Sie geben auf jeden Fall ein lustiges Bild ab.

Bislang hat der Fluss uns allein gehört, doch als die Männer ein auf uns zukommendes Boot entdecken, rufen sie wie aus einem Mund gleichzeitig „´ömer“, ´ömer“ (Asterix bei den Briten). Na, da kommt ja schon der nächste, aber alle winken freundlich herüber und wir tun es ihnen gleich. Auf einmal fetzt ein Boot mit Blaulicht an uns vorbei und unser Boot beginnt ordentlich zu schaukeln.

Kurz vor Mittag erreichen wir Verdun-sur-le-Doubs, das idyllisch am Zusammenfluss der Saône und dem Doubs liegt. Wir lassen unser Boot langsam Richtung Hafen treiben und tuckern an der prächtigen Brücke Saint-Jean vorbei, wo sich die Bögen schön im Wasser spiegeln. Als wir zum Holzsteg kommen, werden wir schon von einem Mann empfangen, der uns neben einem alten Schiff einweist und dann Georg hilft, den richtigen Knoten zu knüpfen. Super gemacht! Wir halten uns gar nicht lange auf, sondern stapfen zur Anmeldung und bezahlen die 15,00 Euro für die Nacht. Für unsere geplante Radtour befreien wie die Drahtesel von ihren Absperrungen und los geht´s. Tja, so hätten wir es uns vorgestellt, aber diese Räder sind ja nicht zu gebrauchen. Was machen wir jetzt? Kurzerhand beschließen wir uns erst mal ein Restaurant zu suchen, eine Kleinigkeit dort essen und dabei überlegen, wie´s weitergeht. Punkt 12:00 Uhr werden wir am Hauptplatz von den Glocken der Kirche Saint-Jean begrüßt und wir schlendern begleitet vom Geläut zum „Restaurant Le Soleil d’Or“. Dort werden wir aber abgelehnt, entweder weil wir Touristen sind oder vielleicht sind wir ihnen nicht schön genug angezogen. Da lassen sie lieber die Tische im Gastgarten leer. Wer nicht will, der hat schon! Wir finden schließlich Einlass im „Ristorante À l´heure italienne“ und bestellen dort das Mittagsmenü. Haut uns nicht um, aber satt werden wir allemal. Wir beobachten dabei was Skurriles, da wird der Wein von einem Hahn gezapft. Als nix mehr kommt, wird die Flasche, die versteckt ist in einem Kasten, einfach ausgetauscht.

Nach dem Essen radeln wir zum Super-Marché und plündern die verschiedensten Abteilungen. Eine Augenweide sind der Obst- und Gemüsestand oder auch die Fische und die Meeresfrüchte. Wir können uns gar nicht satt sehen. Gekauft werden schlussendlich wunderbar reife, duftende Mini-Melonen, Tomaten, verschiedene Käsesorten und sonstige Leckereien. Wir müssen ja schließlich gewappnet sein, wenn wir wieder mal Hunger leiden müssen.

Die Vorräte sind im Boot verstaut, jetzt genehmigen wir uns in der Capitainerie eine wohltuende Dusche und sitzen danach unter einer Laube und trinken Kaffee, Draft Beer oder Pastis. Dabei schmieden wir Pläne für den restlichen Tag und reservieren einen Tisch hier für heute Abend.

Gegen 17:00 Uhr ziehen wir die festen Schuhe an und machen uns auf den Weg, um Verdun-sur-le-Doubs ein wenig zu erkunden. Wir spazieren an der Kirche vorbei, folgen dem Fisch-Symbol am Boden und überqueren die Brücke über den Doubs. Gefischt wird nicht nur in der Saône, auch hier sitzen die Fischer und halten die Angeln ins Wasser. Wir halten kurz inne, beugen uns übers Geländer und unter uns wuseln Schwärme kleiner Fische in der Doubs. Dann biegen wir links von der Brücke ein und spazieren die Rue du Sentier entlang. Eine kleine Brücke führt über die La Petite-Saône und dann landen wir auf der Île du Château. Im 19. Jhdt. gab es hier einen Garten rund um eine Villa, heute steht hier ein heruntergekommenes Haus, Fenster und Türen sind vernagelt und die Stiegen wurden abgerissen. Von den einst angelegten englisch-chinesischen und französischen Gärten sind nur die alten Baumbestände und Wiesen übriggeblieben. Schier unendlich hohe Platanen, verschiedene Ahorne und Kastanienbäume erzeugen eine riesige, natürliche Laube. Der Boden ist bewachsen mit Unkräutern und hier tummeln sich die Insekten. Die Weiden und Felsenbirnen stehen in voller Blüte und verströmen ihren Duft in der warmen Luft. Unser Spaziergang wird vom Gezwitscher der Vögel begleitet und obwohl ich Ausschau halte, entdecke ich leider keinen davon. Zuhause recherchiere ich ein wenig, um herauszufinden, was es mit dieser Insel auf sich hat. Hier lebten einst die ersten Burgherren von Verdun und im Jahr 1478 wurde sie während einer Invasion von Truppen Ludwig des XI. zerstört. 1590 wurde zum Schutz der Stadt eine Zitadelle gebaut, von der heute nichts mehr übrig ist.

Nachdem wir wieder an der Brücke angelangt sind, schlendern wir wieder zurück in den Ortskern. Da die Holztür der Kirche Saint-Jean offensteht, treten wir ein und lassen unseren Blick herumschweifen. Mir stechen als erstes gleich die farbenprächtigen Fensterbilder ins Auge, der Rest der Kirche ist kaum nennenswert. Außerdem müffelt es schrecklich und der Innenraum ist sehr dunkel. Leise sakrale Musik begleitet unseren Rundgang in der Kirche, die Johannes dem Täufer geweiht ist. Gegenüber der Kirche befindet sich der Place du 13 Juin 1944 und dahinter umrahmen Platanen einen kleinen Park, wo wir zwei Boule-Spielern kurz zuschaun. Wir könnten uns auf einer der lauschigen Parkbänke niederlassen, aber die Pflicht ruft. Wir überqueren die Saint-Jean Brücke über den Le Petit Doubs, wo auf dem Haus auf der rechten Seite eine Markierung von 1910 ans Hochwasser erinnert (8,21 Meter). Wir flanieren den Quai du Doubs entlang und in einer Seitenstraße, der rue Marguerite de Busseul zieht inmitten der Häuserzeile ein rundes Türmchen die Aufmerksamkeit auf sich.

Weiter des Weges entdecken wir an der Ecke beim Place de l’Hôtel de Ville auf einem hübschen Haus an einer Fassade in einer Nische die Statue der Jungfrau Maria. Im Oktober 1765 verunglückten 31 Menschen und zu deren Gedenken wurde diese Statue errichtet. Wir biegen diese Straße ein und rechterhand liegt idyllisch das hellgelbe Gebäude der Mairie, das Rathaus, mit der Aufschrift auf der Fassade: Liberté, Égalité, Fraternité – Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Das ist der Leitspruch der Französischen Republik. Platanen rahmen das Gebäude ein und davor hat man einen großen Parkplatz angelegt. Fast angedockt an das Rathaus ist das Maison du Blé et du Pain, das Korn- und Brothaus, in dem sich heute ein Museum befindet. Während der Zeit der Revolution fanden hier die Gendarmerie und das Gefängnis Schutz. Das Gebäude erhält nur kurz unseren Blick, denn da kommt eine Katze die Gasse entlang geschlendert, direkt auf uns zu und es ist sofort um uns geschehen. Sie schmiert jedem von uns um die Beine und lässt sich von vorn bis hinten streicheln. Als wir dann aber doch weitergehen möchten, müssen wir sie regelrecht verjagen, denn am liebsten wäre sie mit uns mitgegangen.

Wir schlendern noch einige Gassen entlang, gucken über so manchen Gartenzaun und unterhalten uns mit Hunden und Katzen. Schließlich landen wir am Quai du Petit Doubs, hier war einst ein Verteidigungsgraben. An einigen Stellen ist das Wasser komplett mit Teichrosen bewachsen und von dort gröllt ein Frosch herüber.  

So, wir sind wieder am Ausgangspunkt angekommen und stapfen mit schweren Füßen zurück zum Boot. Uns gefällt Verdun-sur-le-Doubs mit den prächtigen historischen Gebäuden und den kleinen schmucken Häusern. Liebevoll haben die Bewohner ihr Domizil geschmückt mit Blumen und alten Utensilien. Kaum vorstellbar, dass diese Stadt mal schwer umkämpft wurde, als 843 nach dem Vertrag von Verdun tödliche Kämpfe zwischen Frankreich und Burgund entbrannten.

Nach einer halben Stunde Rast und kurzem Frischmachen finden wir uns wieder in der Capitainerie ein, wo man einen hübschen Platz für uns bereitgestellt hat. Wir bestellen uns Friture fraîche de Saône avec frites und freuen uns schon auf ein schönes frisches Fischfilet. Wir staunen nicht schlecht, als wir anstelle dessen jeder eine Schüssel mit frittierten Babyfischen vorgesetzt bekommen. Erstaunlicherweise schmecken die aber très, très bon! Wir blödeln mit den kleinen Dingern herum und verdrücken einen nach dem anderen. Aber witzigerweise werden sie nicht weniger und bedauerlicherweise müssen wir Unmengen davon wieder zurückgehen lassen, weil wir diese Menge nicht schaffen. Auf der Karte steht „begrenzt verfügbar“, vielleicht haben sie uns den Köder vorgesetzt? Hätten wir doch die Escargots gros gris (große, graue Schnecken) bestellen sollen, aber dann wären wir womöglich mit Nacktschnecken beglückt worden?

Tja, so geht der Tag lustig zu Ende und wir sind schon gespannt, was uns morgen erwartet.

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