vorherige Seite <<>> nächste Seite

Wir checken vom Campingplatz aus und stellen unseren Van auf den danebenliegenden Parkplatz. Zeitig in der Früh spazieren wir gemütlich in den Seitengassen die wenigen Meter bis in die Altstadt von EGUISHEIM. Hier geht es im wahrsten Sinn des Wortes rund, denn der Ort wurde in Ringgassen um die Burg herum erbaut. Wenn wir also dreimal im Kreis gehen, haben wir alles gesehen. Na dann los, lassen wir uns mal überraschen. Zu unserer Freude sind noch wenige Menschen unterwegs und daher können wir in Ruhe alles betrachten und auf uns wirken lassen.

Wir folgen einem hübsch ausgeschilderten Rundgang auf der mit Kopfstein gepflasterten, schmalen Rue du Rempart. Nach den Kriegen wurde im 16. Jhdt. die Höhe der äußeren Stadtmauer reduziert, um daran Häuser anzubauen. Eine bunte Palette von malerischen, blumengeschmückten Fachwerkhäusern reihen sich aneinander und die Vergangenheit ist noch überall ersichtlich. Alte Zunftzeichen und Türinschriften erzählen ihre Geschichte. Nach altem Brauch markierten die Eheleute ihre Initialen und das Datum der Errichtung ihres Hauses auf die Holzbalken. Dazu noch das IHS-Zeichen, um Segen und Schutz für ihr Wohnheim zu erbitten und Unglück abzuhalten. Das Sonnenlicht lässt die Farben der Häuser schön strahlen und zaubert eine friedliche Stimmung.

Wow, beinahe an jeder Kurve bieten sich immer wieder aufs Neue liebevolle Einblicke. Als wäre die Zeit stehen geblieben, erinnern uns viele alte Utensilien, wie Glocken, Bottiche oder Laternen an unsere Großeltern. Mein Gott, ist es hier schön – ich weiß gar nicht, wie ich das alles nur auf Fotos festhalten kann.

Laut Plan dauert der äußere Rundgang eine halbe Stunde, die haben wir aber schon nach wenigen Metern verbraten. Wir stöbern in den kleinen Läden und gucken bei so manchem Winzer in den Hof. Das alte Weingut von Joseph Freudenreich et Fils bringt nicht nur uns zum Staunen, jeder zückt seinen Fotoapparat um dieses Ensemble festzuhalten. Das leuchtend gelbe Gebäude mit üppigen roten Blumenschmuck und einem hübschen Innenhof laden zur Weinverkostung ein.

Wir erreichen das Zentrum von Eguisheim, den Plâce du Château St. Léon, wo sich in der Mitte der Leo-Brunnen befindet, mit der Statue von Papst Leon IX., der hier geboren wurde. Dahinter liegt die achteckige Burg, die ursprünglich im 8. Jhdt. erbaut wurde. Ein ebenfalls achteckiger Bergfried mit einem bunten Schindeldach wurde an die Burg angebaut. Wir machen es uns auf dem Bankerl vor der Burgmauer bequem und genießen das Treiben um uns. Obwohl hier schon mehr Trubel herrscht, ist es trotzdem urgemütlich. Omis unterhalten sich vor der Haustür, eine junge Mami bringt ihre Kleine in den Kindergarten und der Polizist auf dem Mountainbike parkt sein Gefährt an der Hausmauer.

Im Burghof widmen wir uns der Ende des 19. Jhdt. aus rosa Sandstein errichteten Kapelle und wie soll es anders sein, sie ist auch Leo IX. geweiht. Bruno von Eguisheim wurde unter dem Namen Leo IX. gegen seinen Willen am 12. Februar 1049 in Rom zum Papst gewählt. Während seiner fünfjährigen Amtszeit führte er unter anderem die kirchliche Trauung für die Weltlichen und das Zölibat für die Priester ein. Tja, an dem knabbern wir heute noch!

Wir betreten den Innenraum und werden regelrecht erschlagen vom Glanz des vielen Goldes. Aber toll, auch der gemusterte Fliesenboden ist ein Blick wert. Die Wände sind bunt bemalt mit Medaillons, in denen Lebensabschnitte aus dem Leben des Papstes dargestellt sind. Wir verweilen kurz in der Kapelle und betrachten die Szenen nacheinander. Vor der Kapelle verströmen der Kräutergarten und die Rosen ihren Duft.

Nach dem Verlassen gehen wir hinter die Burg und kommen wir zur Eglise St-Pierre –et-St-Paul. Von der 1220 gebauten Kirche besteht nur mehr der Turm aus gelbem Sandstein. Geschmückt wird er von einem riesigen Storchennest, das aber leer ist. Im Inneren des Turms ist noch das einstige alte Tor zu bewundern. Im Giebelfeld sind Christus mit Petrus und Paulus, die törichten und die klugen Jungfrauen dargestellt. Darunter befindet sich eine bemalte, hölzerne Jungfrau, die sogenannte „sich öffnende Jungfrau“. Wie bei einem Flügelaltar lässt sich ihr Bauch öffnen und bringt auf beiden Seiten einen Engel zum Vorschein. Heute ist sie halb verschlossen, sodass sie uns das Jesuskind auf dem Schoß zeigt.

Wir starten in die nächste Runde im inneren Kreis der Stadt und hier werden wir mit den Infotafeln auf die Zehnthöfe aufmerksam gemacht. Sie waren im Besitz von Klöster und Adeligen und hier fanden Geschäfte aller Art statt. Getreide, Holz und vor allem qualitativ hoher Wein wurden gehandelt und brachten Eguisheim einen guten Ruf als Handelsplatz weit über die Grenzen hinaus.

So, nach so viel Geschichte und Unterricht haben wir uns nun eine Pause verdient. Daher schauen wir uns nach einem Restaurant um, wo wir gemütlich essen und uns ausrasten können. Unsere Wahl fällt auf die Wistub Bierstub Kas Fratz, ein kleines, uriges Beisl mit lokalen Angeboten. Heute bestellen wir uns Kartoffelauflauf mit Salat. Es hätte auf der Karte auch wieder etwas Kurioses gegeben, nämlich „Zanderpflasterstein in Rieslingsosse mit Sauerkraut“. Das Eindeutschen klappt auch hier nicht und bringt uns zum Lachen. Der Burner aber ist der Café Gourmand, den wir uns nach dem Essen auf der Zunge zergehen lassen: Espresso mit Crème brûlée, Vanilleeis, Schokoküchlein und Erdbeermus. Auch Unterhaltung wird uns geboten vom Mauersegler-Baby über uns, das immer wieder Flugversuche unternimmt und es dann doch schafft. Das nörgelnde deutsche Rentnerehepaar neben uns verflüchtigt sich Gott sei Dank relativ schnell, sodass wir unsere restliche Mittagspause dann noch genießen können.

Als krönenden Abschluss schaun wir uns noch einen Touristenmagneten von Eguisheim an, nämlich das pittoreske Taubenhaus. Das ist ein 140 m breites, gelbes Fachwerkhäuschen inmitten der Gasse und üppiger Blumenschmuck verdeckt beinah das gesamte Häuschen. Es bedarf einiger Zeit und viele Fotos, bis wir es schaffen, mal keine posierenden Touristen davor zu haben. Aber was lange währt, wird endlich gut und es hat sich gelohnt. Dabei werden wir vom Gejohle aus dem danebenliegenden Souvenirladen belustigt, denn der Verkäufer hat den Hansi Hinterseer auf die volle Lautstufe gedreht.

Eguisheim zählt zur den „Les Plus Beaux Villages de France“ und wir können bestätigen, dass der malerische Ort diese Auszeichnung zu recht trägt.

Übrigens, ich hab noch ein wichtiges Detail vergessen – die Kuchen aus der Pâtisserie Marx in der Grand Rue schmecken vorzüglich und können wir auch wärmstens weiterempfehlen.

Obwohl es uns hier ausgesprochen gut gefällt und wir uns sehr wohl fühlen, brechen wir wieder auf und fahren ins benachbarte GUEBERSCHWIHR. Wir parken auf dem großen, zentralen Dorfplatz in unmittelbarer Nähe der Kirche. Am Kirchenplatz tollen gerade die Kids aus der Volksschule herum und weil´s so lustig ist, machen wir beim Huterl-Lauf gleich mit, was dem Herrn Lehrer ein Schmunzeln entlockt. Es hat 27 Grad und ist furchtbar schwül und um uns nach der sportlichen Betätigung wieder abzukühlen, besichtigen wir kurz das Innere der Kirche. Ruft aber keine Begeisterung in uns hervor, außer den bunten Fenstern. Der Glockenturm aus dem 12. Jhdt. ist das Überbleibsel von der einstigen Kirche und wurde unter Denkmalschutz gestellt.

Wir schlendern die Gassen einmal hinauf und wieder hinunter und dann gehen wir zum Auto zurück. Dieser Ort zieht uns nicht so in ihren Bann und daher brechen wir wieder auf und fahren bis NEUF-BRISACH, wo wir auf dem Stellplatz neben der Feuerwehr unser Nachtlager aufschlagen. Als Abendprogramm bekommen wir eine kleine Feuerwehrübung mit der Drehleiter geboten. Danach mache ich noch einen kleinen Spaziergang in das Städtchen, das mit sternförmigen Mauern umgeben ist. Die rechtwinklig verlaufenden Straßen münden alle am zentralen Exerzierplatz, der heute als Marktplatz genutzt wird. Dort befindet sich auch die Kirche, in die ich einen kurzen Blick hinein machen. Diese geometrisch angelegte Stadt wurde auf Anordnung des Sonnenkönigs Ludwig XIV. nach dem Muster einer Reisbrettsiedlung des Barock errichtet. 2008 wurde die Stadt in die UNESCO Weltkulturerbe aufgenommen.



Download der KML-Datei

vorherige Seite <<>> nächste Seite

Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Please leave these two fields as-is:

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.