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In der Nacht über Nacht ordentlich abgekühlt und draußen nieselt es noch. Die Stimmung passt perfekt zu unserer ersten Besichtigung, nämlich dem ältesten jüdischen Friedhof des Elsass in ROSENWILLER.

Er liegt etwas außerhalb des Ortes, ist umgeben von einer schlichten Steinmauer und Wiesen und Wäldern. Angelegt Anfang des 14. Jhdts ist der Friedhof mit den ca. 6.000 Gräbern heute denkmalgeschützt. Von Jahr zu Jahr schreitet der Verfall der Grabsteine voran und die Inschriften auf den ältesten sind kaum mehr lesbar. Zu Ehren der Verstorbenen wurden richtige Gedichte in die Steine gemeißelt in Hebräisch und Französisch. In langen Linien reihen sich die steinernen, verwitterten Grabsteine aneinander, windschief und teilweise halb zerfallen. Nirgends ein Blümlein oder ein Erinnerungsstück zu sehen, denn es ist in der jüdischen Tradition nicht üblich, Grabmale mit Blumen zu schmücken. Schlicht und bescheiden soll die Bestattung sein und Grabbesuche sind in der Regel auch unüblich, denn schließlich soll das Leben siegen. Eine alte Tradition besteht darin, als Ausdruck des Gedenkens einen Stein auf dem Grab niederzulegen.

Ehrfürchtig schreiten wir durch die Reihen und betrachten die einzelnen Grabsteine und fühlen diese eigene Stimmung, die hier auf diesem alten Friedhof herrscht. Die neueren, schwarzen Grabsteine heben sich ein wenig ab von der Tristesse, aber auch hier kein Farbklecks.

Wir fahren weiter in das nahe gelegene ROSHEIM, auch Cité Romane, die romanische Stadt genannt aufgrund der zwei ältesten Gebäude des Elsass. Das Heidehüss aus dem 12. Jhdt. und die romanische Kirche St-Pierre-et-St-Paul, aber dazu später. Dieses reizende Städtchen wurde 778 erstmals urkundlich erwähnt und 1262 hat es das Stadtrecht erhalten und war somit berechtigt eine Stadtmauer zu bauen. Davon sind heute noch Teile sichtbar und vier der Stadttore noch gut erhalten. Wir betreten Rosheim durch eines der Tore und schlendern die Rue du Général du Gaulle entlang. Die Straße ist gesäumt von bunten Fachwerkhäusern, eines schöner als das andere und eine Blumenpracht, egal wohin wir schaun. Dann kommen wir zum nächsten Tor und zu unserer Freude befinden wir uns plötzlich inmitten eines Marktes. Da werden Henderl gegrillt, Pasteten und Würste angeboten, das Obst und Gemüse grinst uns in leuchtenden Farben an und den Münsterkäse riechen wir schon viele Meter entfernt vom Stand. Am Stand des Imkers halten wir uns etwas länger auf, denn hier kosten wir seine Produkte durch. Mit einem Sack voller Gläser mit herrlich würzigem Kastanienhonig schlendern wir schließlich weiter.

Mittlerweile begleiten erste Sonnenstrahlen unseren Spaziergang entlang der Häuserzeile. Am Plâce de la Mairie kommen wir zum Rathaus und dem schönen Sechs-Eimer-Brunnen im Renaissancestil von 1605. Übrigens – die Rosheimer haben sich bis 1906 hier das Wasser geholt. Wir verlassen die autofreie Zone durch den Zittglöcklturm, der an das Rathaus angebaut wurde. In diesem Turm befindet sich noch heute das Arbeitszimmer des Bürgermeisters.

Wir schlendern die Straße weiter entlang, immer mit Blick auf die Häuser. Die historische Vergangenheit der Stadt ist auf vielen Häusern noch sichtbar anhand alter Zunftzeichen.

Mitten im Zentrum, man würde es nicht vermuten, entdecken wir einen mittelalterlichen Garten mit alten Pflanzen- und Blumensorten, Rosen und vor allem Heilkräuter. Die Beete sind mit niedrigen Weidenzäunen umrandet und kleinen Schildern beschriftet.

Wie schon erwähnt, beherbergt Rosheim bedeutende romanische Bauten und jetzt stehen wir vor einem davon, dem Maison païenne, auch Heidenhaus genannt. Dieses mehrstöckige Wohnhaus wurde 1154 aus rosa Granit gebaut und beherbergt heute interessante Ausstellungen.

Zu Mittag „verfolgen“ wir Einheimische in deren Stammkneipen und landen im Restaurant la Pizzeriade, wo wir das Tagesmenü bestellen. Wir können es direkt fühlen, wie wir von allen rundherum beobachtet werden. Egal, der Wein lässt das alles abperlen und das Essen schmeckt auch vorzüglich.

Als wir das Restaurant verlassen, hat uns der Regen wieder eingeholt. Im Laufschritt geht´s die Rue du Général du Gaulle wieder zurück bis zur Église St-Pierre-et-St-Paul. Die Kirche, erbaut um 1150 aus rosa Vogesensandstein mit einem achteckigen Kirchturm vom 14. Jhdt. Wir betreten durch das Südportal das Innere, von wo schon sakrale Musik zu hören ist. Dicke Säulen und Pfeiler halten den dreischiffigen Innenraum, der sehr schlicht gehalten ist. Gefällt uns ausgesprochen gut, denn so kommen die Details schön zur Geltung, wie zum Beispiel das tolle Köpfekapitell.

Außerhalb der Kirche gibt es auch vieles zu entdecken. Auf dem Pultdach des Turms sitzt der Jude mit dem Almosenbecher und auf dem Vorderdach zwirbelt der Mönch seinen Bart. Die Eckfiguren des Daches stellen einen Kuchen fressenden Bären und einen Löwen dar, der einen Menschen verschlingt. Diese Figuren symbolisieren immer das Böse, das die Menschheit belauert. Nicht weit vom Südportal entfernt, stoßen wir noch auf etwas kurioses, nämlich senkrechte, längliche Vertiefungen in der Kirchenmauer – hier wurden nämlich Klingen gewetzt!

Jetzt statten wir der ältesten Bäckerei Frankreichs, der Boulangerie Rohmer, die in der 17. Generation seit 1602 tätig ist, noch einen Besuch ab. Wichtig ist, dass unsere Kunden zufrieden sind, heißt es in einem gerahmten Zeitungsausschnitt in der Auslage. Sagen wir, dass der Regen schuld ist, dass die Verkäuferin heute nicht sehr freundlich ist. Trotzdem kaufen wir uns etwas Süßes für den Nachmittag, so wie wir es fast jeden Tag machen!

Kaum vorstellbar, wie hübsch Rosheim gewesen wäre bei Sonnenschein, aber wer weiß, vielleicht verschlägt es uns eines Tages wieder mal hier her.

Nur wenige Kilometer weiter zwingt uns bei der Durchfahrt von BOERSCH der schöne Anblick des hübschen Sechseimerbrunnens zu einem kurzen Stopp. Der Brunnen dominiert das kleine Zentrum des Dorfes, das vom prächtigen Gebäude der Mairie flankiert wird. Wegen des grauslichen Wetters herrscht tote Hose hier und auch wir müssen wieder weiter, da wir heute noch ins Kloster gehen. Ein bisschen Beten, damit das Wetter wieder schöner wird.

Wie durch einen verwunschenen Wald windet sich die Fahrt zum MONT-STE-ODILE durch die Wälder hoch, begleitet von tief herabhängenden Dunstschwaden. Farne und Moose glänzen aufgrund des Nieselregens und wunderschöne Fliegenpilze fühlen sich wohl in dieser Umgebung. Immer wieder passiert die Straße die sogenannte Heidenmauer, einen 10 Kilometer langen Mauerwall rund um den Odilienberg, deren Entstehen bis heute unklar ist. Auf dem Gipfel des Berges thront in 763 m Höhe das Kloster, das von der Heiligen Odilia im 7. Jhdt. errichtet gegründet wurde. Nach ihrem Tod 720 machte das Kloster viele Besitzerwechsel und Änderungen durch. Heute leben nur noch wenige Priester und Nonnen hier und der größte Teil wurde in ein Hotel umgewandelt.

Aber zurück zur Odilia, sie ist die Schutzpatronin des Elsass und auf einem Turm befindet sich eine überlebensgroße Abbildung aus Sandstein, die ihre Hand schützend über das Land hält. Leider können wir von ihrem Elsass nichts sehen, denn die Nebelschwaden verschlingen heute alles. Nicht mal das Flugzeug, das am Himmel einen Höllenlärm macht, als wäre es zum Greifen nahe.

Wir betreten den Innenhof des Klosters durch das Eingangstor, vorbei am Brunnen, passieren wir die Statue und kommen zur Tränenkapelle. Unter Tränen soll hier Odilia für ihren Vater gebetet haben, der sie mit einem Prinzen verheiraten wollte. Einer Legende nach wurde sie blind geboren und daher von ihren Eltern versteckt. Mit zwölf Jahren wurde sie getauft und konnte wie durch ein Wunder plötzlich sehen. Man nannte sie jetzt Odilia, Tochter des Lichts. Mit winzigen, goldenen Mosaiksteinen wurden hier in der Kapelle traumhafte Bilder und Geschichten „gezeichnet“. Einfach wunderschön, wie sich bei der kleinsten Bewegung die goldenen Fliesen im Licht glänzen.

Direkt daneben liegt die Engelskapelle und auch hier betrachten wir die Mosaikbilder. Über dem Altar ein Bild der Himmelspforte, rechts davon die Geburt Christi, links die Auferstehung und gegenüber der Heilige Michael, der in Engelsgestalt den Menschen hilft, das Böse zu besiegen.

Vor der Basilika stoßen wir wieder auf die im Jahr 2013 eingelassene Muschel, als Zeichen, dass dieser Wallfahrtsort auf dem Jakobsweg liegt. Schon im Mittelalter zog es viele Pilger hierher und heute ist der Odilienberg der bedeutendste Pilgerort im Elsass. Rustikale Holzbänke und schöne geschnitzte Beichtstühle dominieren das Innere. An den Wänden hängen tolle Darstellungen des Kreuzweges. Wir kriegen einen richtigen Stress mit der Besichtigung, denn fast wie im Akkord wechselt eine Reisegruppe nach der anderen und jede will von ihrem mitgebrachten Priester einer Messe beiwohnen.

Daher flüchten wir und besuchen die Odilienkapelle, wo sich das Grab der Heiligen Odilie befindet.

Durch ein schmiedeeisernes Tor betreten wir den Kreuzgang und von dort gelangen wir in den hübschen Klosterhof. Inmitten eines kleinen Parks wacht wieder eine Odilienstatue, umrahmt von einem Blütenmeer. Und aus Lavendelstauden hat man den Schriftzug Sainte Odilie gestaltet.

Nachdem sie uns im Kloster nicht aufgenommen haben, weil wir zu unkeusch sind, machen wir uns wieder auf den Weg den Odilienberg hinunter. Unser Ziel ist der Stellplatz in Obernai, weil der sehr nahe am Ortszentrum liegt. Leider lassen sie uns da nicht hinein, weil er aufgrund einer Veranstaltung gesperrt ist. Also fahren wir wieder zurück und im nahem Ottrot ist dann das Glück auf unserer Seite, denn wir bekommen am Campingplatz Le Vallon de l´Ehn den letzten Platz.



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