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Zu früher Stunde sind wir heute schon unterwegs und schlendern am Quai Anselmann entlang. Dabei entdecken wir viele alte Wappen und Zunftschilder an den Mauern der mittelalterlichen Häuser. Die Stadt hat auch zu dieser frühen Stund seinen Charme und so tun wir es den Einheimischen gleich, lassen uns auf den Sesseln vor einem Café nieder und genießen einen Espresso. Das geschäftige Treiben wird langsam mehr und auch eine Nanny ist mit einem XXL-Kinderwagen schon hurtig unterwegs.

Nun widmen wir uns dem Wahrzeichen der Stadt, der Église Saints-Pierre-et-Paul. Im kleinen Vorgarten erinnert noch ein Standbild eines Mönchs an die Zeit des großen Benediktinerkonvents. Heute dient sie als katholische Stadtkirche, denn das Kloster gibt es seit der Französischen Revolution nicht mehr. Wie Ameisen kommen wir uns vor beim Nähern an die mächtige Kirche aus Buntsandstein und die in der schönen Morgensonne rot glühenden Fabelfiguren der Wasserspeier blicken aus allen Richtungen mit grimmigen Gesichtern zu uns herunter. Der Bau wurde im 11. Jhdt. begonnen und erst im 14. Jhdt. fertiggestellt. Außerhalb von Straßburg ist sie die zweitgrößte Kirche des Elsass.

Als wir das Tor ins Innere betreten, ertönt sakrale Musik, die die Atmosphäre noch erhabener macht. In den Seitenschiffen beeindrucken uns die gut erhaltenen Wandmalereien, wobei der 11 Meter hohe Christophorus in seinem rotweiß karierten Hemd und dem Jesuskind am Arm hervor sticht. Die winzigen Klosterbrüder zu seinen Füßen nehmen wir daher auf den ersten Blick gar nicht wahr. Ehrfürchtig schreiten wir entlang der vielen Bankreihen und betrachten die vielen Ornamente, Skulpturen und natürlich die wunderschönen, farbenprächtigen Glasfenster und – rosetten. Kaum zu glauben, dass während der Französischen Revolution die Innenausstattung schwer beschädigt und zum Teil irreparabel zerstört wurde. Die imposante Orgel aus dem Jahr 1766 hat man weitestgehend in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt. Von der Größe her kaum zu übertreffen ist auch das Taufbecken, da kann der Pfarrer die Kleinen gleich schwimmen lassen. Apropos Kinder, sie durften sich im hinteren Bereich der Kirche auch einbringen mit ihren Basteleien und Zeichnungen. Daneben gibt es noch diverse religiöse Ausstellungen, unter anderem mit dem schönen Thema vous êtes les pierres vivantes de l´église (Sie sind die lebendigen Steine der Kirche). Bevor wir die Kirche verlassen, entzünden wir noch ein Lichterl für unsere Lieben und denken an die schönen Zeiten mit ihnen.

Seitlich der Kirche kommen wir zum Glockenturm, der noch romanischen Ursprungs ist. Hoch hinauf ragt der aus Kleinquadern erbaute Turm, glatt ohne irgendwelchen Gesimsen oder Mauervorsprüngen. Das niedrige Holztor ist stark verwittert und erzählt ihre eigene Geschichte.

Nicht weit daneben ziert seit dem 07. Juli 2012 eine Jakobsmuschel die Kirchenmauer, um darauf hinzuweisen, dass hier der Pilgerweg vorbeiführt.

An der Nordseite der Kirche kommen wir zum einzig erhaltenen Teil des Klosters, einem unvollendeten gotischen Kreuzgang. Hier befinden sich auch voluminöse Grabplatten bedeutender Äbte. Den Figuren des Reliefs über dem Klostereingang fehlen die Köpfe, sie wurden während der Revolution enthauptet. Sinned sitzen wir eine Zeitlang zwischen den Kreuzrippen und genießen die Ruhe. Ein laues Lüftchen weht hindurch und die friedliche Stimmung wird nur kurz getrübt vom Lärm eines Flugzeugs.

Teile der alten Stadtbefestigung von Wissembourg sind noch gut erhalten und es gibt einen Rundweg über die Stadtmauer. Von dort haben wir einen schönen Blick auf die Gassen mit ihren alten Häusern. Heute – Montag – herrscht tote Hose auf den Straßen, denn der Großteil der Geschäfte hält seine Tore versperrt. Einzig die Bäckereien haben offen und durch die Auslagenfenster grinsen uns sie Croissants und Tartes an. Ja, was sehen wir denn da, auch Linzer Schnitten und Linzer Augen haben sich zu den einheimischen Köstlichkeiten gesellt.

Aus den Zeiten der Zwistigkeiten zwischen den Elsässern und den Deutschen stammt noch die Schleuderkugel von 1599, die noch heute in einer Hausmauer steckt.

Mittlerweile sind wir wieder zum Anfang unseres Rundganges gekommen, im Quartier du Bruch, s´Bruchviertel – was so viel bedeutet, wie Sumpf, plätschert noch heute gemächlich das Wasser den Graben entlang.

Es ist früher Nachmittag geworden und langsam macht sich auch der Hunger bemerkbar. Warum in die Ferne schweifen, denn das Gute liegt so nah – also kehren wir wieder ins Restaurant à l´Espérance ein. Diesmal aber sitzen wir nicht neben der Straße, sondern im Hinterhofgarterl zu Füßen der Stadtkirche. Gut, dass kein Regen in Aussicht ist, denn sonst würden uns womöglich die Wasserspeier in unser Supperl spucken. Wolfgang probiert den traditionellen, einheimischen Eintopf Baeckeoffe mit verschiedenen Fleischsorten, Gemüse und Kartoffeln in Weißweinsauce. A gscheit deftige Gschicht!

Wir verlassen Wissenbourg und fahren wieder Richtung Süden, um einen Abstecher in die Töpfereien von BETSCHDORF zu machen. Leider können wir die schönsten Stücke nur in den Auslagen bewundern, denn auch hier mag uns keiner öffnen. So bummeln wir gemütlich einmal die Straße hinunter und wieder zurück, halten einige hübsche Häuschen, Gärten und die kleine Mairie auf unseren Fotos fest und dann geht´s weiter.

Etwas außerhalb des Dorfes machen wir schließlich noch einen kurzen Abstecher nach KUHLENDORF zur einzigen Fachwerkkirche des Elsass. Die winzige Einraumkirche von 1820 ist hübsch in die Häuserzeile integriert und erinnert uns an alte Heimatfilme. Sie ist schlicht eingerichtet und es finden keine hundert Menschen drin Platz. Von außen ist sie nur durch ihren Turm als Kirche zu erkennen, am Kreuz auf dem Turm sitzt ein Gockelhahn.

Auf die Suche nach einem Campingplatz landen wir im La Petite-Pierre in Imsterfeld, wo die Rehe bis fast zur „Haustür“ kommen. Schon nach wenigen Minuten stellen wir fest, dass wir fast die einzigen Gäste sind. Lediglich in der Dusche, wo man für ein Tröpferlbad 50 Cent bezahlt und in den Toiletten haben sich noch allerlei Spinnen und Getier eingefunden.



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