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Guten Morgen! Die innere Uhr, programmiert auf das Arbeitsleben, hat uns früh geweckt. Aufgrund der schlechten Matratzen schmerzt uns der Rücken bis ins Gesäß, auweh!

Das Wetter lässt noch zu wünschen übrig, aber es ist zumindest trocken – was man ja von zuhause nicht behaupten kann. Schaun wir mal, wie es noch wird im Laufe des Tages. Nach einem guten Frühstück mit dem von daheim Mitgebrachtem machen wir uns auf dem Weg.

Um bei eventuellen Regengüssen flexibel zu sein, werden wir heute den kleinen Orten einen Besuch abstatten. Unser erstes Ziel ist KALTERN, das der knapp 50 km² großen Region auch seinen Namen gibt und südwestlich der Landeshauptstadt Bozen liegt. Kaltern leitet sich vom lateinischen Begriff caldarum ab, was so viel wie Kupferkessel bedeutet. Traditionell wurden diese Kessel zum Kochen für das „Plant“ – den Polenta – genutzt. Übrigens, das Wappen von Kaltern enthält auch einen Kupferkessel.

Unser Auto stellen wir am Rottenburger Platz ab, im Zentrum von Kaltern. Während wir den Parkautomaten studieren, quatscht uns von der Seite ein alter Herr an. Er möchte wissen, was das „UU“ auf unserer Nummerntafel bedeutet. Dann erzählt er uns, dass er in Klosterneuburg zur Schule gegangen ist und philosophiert über die Zeit, als die Russen gekommen sind. Dass die Südtiroler ein sehr kommunikatives Volk sind, damit machen wir beinah täglich Bekanntschaft.

Wir schlendern die steile kopfsteingepflasterte Straße hinunter zum Marktplatz, dem Herzstück der Gemeinde. Wasser plätschert aus den Mäulern von Fischen, die einen barocken Brunnen mit Mariensäule zieren, der den Platz dominiert. Flankiert wird er von Cafés, Restaurants, Geschäften, dem Rathaus und der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt. Sie wurde erstmals 1191 erwähnt und musste nach einem Brand im 14. Jhdt. neu aufgebaut werden. Nur der 72,5 m hohe Glockenturm blieb verschont. Das Innere des Gotteshauses besticht durch seine Raumweite und ist sehr hell und freundlich mit tollen Wand- und Deckenmalereien. Wir fühlen uns sehr wohl in dieser friedlichen Stimmung, lassen das Ambiente auf uns wirken und bewundern den wunderschönen Blumenschmuck.

Kleine Gassen und Straßen führen vom Marktplatz weg und sie sind gesäumt von bunten, pittoresken Häusern mit Zinnen bewehrten Mauern, steingerahmten Tür- und Fensterstöcken, hölzerne Fensterläden, Sandsteinarkaden, Veranden und Freitreppen. Hin und wieder können wir auch durch offenstehende Holztore einen Blick auf hübsche Innenhöfe werden. Nach außen wurde das mittelalterliche Aussehen bewahrt, aber in so manchen Laden ist die Moderne eingezogen. Ich erliege, wie so oft, dem Charme eines Dekogeschäfts und erstehe wieder etwas für den Garten zuhause. Auch in einer Boutique werde ich fündig, was für mich als Anti-Fashion-Shopper was heißt.

Laut Wettervorhersage soll es heute Regen geben, aber davon ist noch nicht viel zu sehen. Das bestätigt wieder, dass wir doch Engerl sind.

Im Gasthof „Zum Turm“ genießen wir zu Mittag ausgezeichnete Südtiroler Kost, zurzeit mit frischem Spargel. Auch hier begegnen wir der Freundlichkeit der Leute, die sehr kommunikativ sind.

Zurück im Auto fahren wir nun entlang der Weinstraße, gesäumt von endlosen Weingärten. Es erweckt den Anschein, als hätten die Bauern die Reben entlang eines Lineals gepflanzt, so wachsen sie in Reih und Glied. Die kleinen, roten Mohnblumen darunter schaukeln im Wind und buhlen mit den lila Blüten vom Günsel um ihre Aufmerksamkeit.

Wir erreichen über eine schmale Straße, den Hügel hinauf, den Dorfplatz von TRAMIN.Er wird flankiert vom gewaltigen Turm der Kirche auf der einen Seite und schräg daneben das Rathaus. Wir schreiten durch das schöne Holztor ins Innere der Kirche und werden von der Dunkelheit erschlagen. Wir nähern uns auf dem bunten Fliesenboden dem tollen dreiflügeligen Holzaltar, der vorwiegend in Gold gehalten ist. Die Wände sind verziert mit vielen noch erhaltenen Fresken, darunter die Schutzmantelmadonna aus dem 15. Jhdt.

Eine leichte Brise begleitet uns jetzt auf dem Spazierweg durch die verwinkelten Gassen des Dorfes. Wieder entdecken wir kleine Innenhöfe, die liebevoll mit alten, hübschen Alltagsgegenständen geschmückt sind. Üppiger Blumenschmuck, Vogelgezwitscher und umherstreifende Katzen komplettieren das besinnliche, ländliche Ambiente. Auch hier finden wir wieder die typische Südtiroler Architektur vor.

Zurück am Platz genehmigen wir uns Kaffee, Eis und Apfelstrudel. Im Gegensatz zu Kaltern wirkt dieses Dorf verschlafener, kein Wunder, macht man doch hier Mittagspause bis 16:00 Uhr. Außerdem hat es zu nieseln begonnen und daher trifft man sich unter dem Baldachin des Cafés.

Danach machen wir uns auf den Weg zu unserem nächsten Stopp, nämlich ins nahegelegene NEUMARKT, gegründet 1189. Im Mittelalter war dieser Marktflecken wirtschaftlicher Knotenpunkt aufgrund seiner Lage auf den Handelsstraßen zwischen Nord und Süd. Kaum vorstellbar, denn auf unserem Spaziergang durch die malerischen Laubengänge der historischen Altstadt sind wir fast allein unterwegs. Dabei werden wir begleitet vom Plätschern des Wassers der vielen Brunnen. Mit Genuss können wir die Bauten des venezianischen Baustils bestaunen. Die Arkaden mit den stattlichen Häusern erwecken in uns ein Gefühl vergangener Zeiten, denn die Fresken und Wappen auf den abbröckelnden Fassaden erzählen ihre Geschichten. In der Andreas Hofer Straße stoßen wir auf eine Gedenktafel an der Wand, die besagt, dass der bekannte Tiroler Freiheitskämpfer auf seinem Weg nach Mantua in einem der finsteren Keller für eine Nacht eingesperrt wurde.

Zum Abschluss statten wir der Pfarrkirche St. Nikolaus noch einen Kurzbesuch ab. Das prächtige Kreuzgewölbe wurde um 1500 gebaut und kommt in dem hellen Innenraum schön zur Geltung.

Mitten in der Wohnsiedlung treffen wir auf der Heimfahrt auf die Mauerreste vom Mansio Endidae, die bei archäologischen Grabungen zum Vorschein kamen. Sie gehörten zu einem Gebäude aus der römischen Kaiserzeit, einer Raststätte zur Unterkunft und Verpflegung der Reisenden auf der Via Claudia Augusta.

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