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Die Sonne kitzelt uns heute früher als sonst aus den Federn – ein toller Tag steht uns bevor. Wir fahren wieder zurück Richtung Icefield Parkway.

Kaum haben wir Lake Louise verlassen, halten wir auch schon am ersten Highlight des Tages, dem Herbert Lake. Auf dem ruhigen See spiegeln sich die Berge, der Mount Temple und die Waputik Range, so kitschig im Wasser, dass es gar nicht mehr schöner geht. Was wir mittlerweile gelernt haben ist, wenn ein Auto am Straßenrand steht, dann unbedingt auch stehen bleiben, denn da gibt es was zu sehen. Diesmal stehen wir da und produzieren in kürzester Zeit einen regen Auto- / Menschauflauf. Alle sind verzückt von diesen tollen Spiegelungen.

Bei so einem prächtigen Wetter sieht alles gleich noch viel toller aus – kein Vergleich zu gestern. So sieht man die Bergwelt in Reiseprospekten, Kalendern oder Bildbänden. Die Berge sind zum Greifen nahe und der Schnee auf den Gipfeln glitzert in der Sonne. Die Umrisse stechen zum blauen Himmel klar ab und wirken richtig dreidimensional.

Nachdem dieser Teil des Highways so schon unvergleichlich schön ist, beschließen wir, den Icefield Parkway zurück zu fahren und uns bei Sonnenschein alles nochmal anzusehen. Nächster allgemeiner Halt ist der Crowfoot Glacier, knapp unterhalb der Crowfoot Mountains. Die vergletscherten Klauen hängen auf einem breiten Felsvorsprung – eine davon ist schon fast abgeschmolzen.

Einige Meter weiter treffen wir am Bow Lake wieder auf die gleichen Menschen. Der See entstand  durch Moränen, die das Gletscherwasser aufstauten, nachdem die Gletscher schmolzen. Auf dem See treiben noch gewaltige Eisschollen und auch hier die Spiegelungen – nur dass der Spiegel zerbrochen ist. Heute können wir uns mit Ausdrücken wie traumhaft, phantastisch oder Wahnsinn überschlagen und trifft trotzdem nicht die Stimmung, die die Landschaft heute darbietet.

Daher gleich zum nächsten Höhepunkt, dem nahe gelegenen Peyto Lake. Ein kurzer asphaltierter Weg führt den Berg hoch zum Aussichtsplateau (im Nachhinein kriegen wir dann mit, dass das der Weg für die gehandikapten Touristen ist). Was wir dann da vorfinden, ist einfach irre. So etwas Schönes haben wir schon ewig nicht mehr gesehen. Dunkelblau liegt der See ruhig vor uns, umrahmt von schneebedeckten Bergen und im Hintergrund der klare, blaue Himmel. Kann man sich jetzt vorstellen wie pittoresk das Bild ist – ich glaube nicht, denn das muss man gesehen haben. Wasser, das vom Gletscher kommt, bringt Steine und Kiessand mit und schiebt das Geröll in den See. Das Gestein sinkt auf den Grund und das feine Steinmehl treibt auf der Oberfläche. Dieses reflektiert die blauen und grünen Farbelemente des Lichtes. Daher ist das Wasser hier so dunkelblau.

 

Auf dem schmalen Wegerl wieder den Berg hinunter liegt noch eine dicke Schneedecke und bei Gegenverkehr heißt es, schnell in den Schnee hüpfen. Es herrschen hier besondere Klimaverhältnisse und es ist ständig so kalt, sodass es jeden Tag im Jahr schneien könnte. Das wissen wir von den interessanten Tafeln entlang des Weges, die viele Bilder und Infos über den Bow Summit auf 2.135 m Höhe vermitteln. Während wir bergab dahinschlendern, entdecken wir ein buntes Tannenhuhn-Männchen, das unter einem Nadelbaum kauert.

Gut, dass unser Auto mit Tempomat und Automatik alleine fährt, so können wir beide auch aus den seitlichen Fenstern raus schaun und die prächtige Umgebung genießen. Unendliche, vorwiegend Nadelwälder, breite, hoch aufragende Bergmassive – das können wir auf einem Foto gar nicht festhalten. Geistig einsaugen ist unsere Devise.

Der Peyto Lake speist den Mistaya River, der erst flach dahin fließt und dann in einen tiefen Canyon fällt. Und diesen erreichen wir nach einem kurzen Marsch. Der Weg ist gesäumt von  den Calypso Orchids, die schön in der Sonne leuchten. Wir hören das Wasser schon in einiger Entfernung plätschern, aber aufgrund der tiefen Schlucht ist es nur an einigen Stellen und dann im Flussbett wieder zu sehen.

Am frühen Nachmittag erreichen wir wieder das Icefield Center mit dem Columbia Icefield. So, jetzt tun wir so, als wären wir gestern noch nicht da gewesen. Bei blauem Himmel und Sonnenschein wirken die Gletscher noch massiver. Gegenüber des Icefield-Centers liegt das Geröll der Endmoräne, die der Gletscher bei seinem Rückzug hinterlassen hat. Erschreckend, wie schnell sich der Gletscher zurückzieht. Dort, wo heute der Parkplatz ist, war 1844 noch das Ende des Athabasca Glaciers.

Impressionen des Athabasca Gletschers (bei Schönwetter):

So und jetzt geht es den Icefield Parkway wieder in Richtung Banff.

Am Parkplatz des  Bow Lakes stellen wir unseren Van ab und starten von dort noch die knapp 7 km lange Wanderung zu den Bow Glacier Falls. Der Weg folgt zunächst dem Ufer des Sees und stellenweise müssen wir ihn auch auf Steinen überqueren. Eine frische Brise weht uns um die Ohren und das kühle Klima wirkt sich auch in der Vegetation aus. So wachsen hier die Nadeln der Bäume aufrecht und zum Schutz vor den kalten Winden weg vom See. Zwischen den Bäumen und geschützt unter Ästen blühen hübsche, weiße Frühlingsanemonen. Zu später Stunde müssen wir kurz vor dem Ziel noch eine schweißtreibende steile Treppe hochkraxeln. Nur gut, dass wir unsere Wanderstöcke im Auto haben, da liegen sie sicher gut. Auf dem Rückweg erblicken wir ein fressendes Murmeltier, das aber vor uns flüchtet. Dabei möchten wir doch nur ein Foto machen – so bleib doch hier! Das weiche Abendlicht taucht die Berge und Wälder in eine schöne Farbe. Das Wasser plätschert neben uns und bei jeder Wellenbewegung klirrt das Eis. Ach ist das hier schön – Rockies, wir lieben euch!

30 km vor Lake Louise, wir fahren gemütlich und blödeln wieder „was nehmen wir heute noch für ein Tier mit?“ Wir sind uns sofort einig, natürlich den täglichen Bären. Kaum den Mund zugemacht, treffen wir auf stehende Autos. Was heißt das? Natürlich stehenbleiben und nachschauen. Und siehe da, unser Bär – der 13.


ZielKMCampingplatzKostenGetankt
Lake Louise271Lake Louise CampgroundCAD 32,30-
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