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Guten Morgen – so bald schon bekommen wir Besuch? Ein Eichkatzerl hüpft hektisch zwischen uns hin und her. Wahrscheinlich freut es sich auch, weil es heute mal keinen Regen gibt und die Sonne guckt stellenweise hinter den Wolken hervor – hurra!

Also, los geht’s zu unserem heutigen ersten Ziel, nach Lillooet. Auf den ersten Blick schaut das Zentrum aus wie eine Westernstadt und wir haben das Gefühl, als käme John Wayne jeden Moment um die Ecke geritten. Ein Nest in der Pampas, aber eine schnurgerade, vierspurige Main Street wie in einer Großstadt – hat man so was schon mal gesehen? Wir schlendern entlang der Häuserzeile und betrachten die kleinen Holzhäuschen. Das eine oder andere würde uns schon gefallen. Hier hat sich eh REMAX schon eingekauft, denn bei beinahe jedem dritten Haus hängt ein FOR SALE – Schild. Lillooet ist bekannt geworden durch seinen Jadeabbau und das wird hier deutlich sichtbar gemacht, denn überall entlang der Straße sind tolle Exemplare davon aufgestellt.

An der kleinen, weißen Holzkirche drehen wir um und spazieren die andere Straßenseite wieder hinunter. Dann fallen wir in eine bakery ein, die von einem deutschen Auswanderer-Ehepaar geführt wird. An der Wand haben sie ein Schild aufgehängt auf dem steht, dass sie hier sind, damit wir gutes Brot kaufen können. Wie wahr und wir freuen uns auch sehr darüber. Daneben hängt der deutschsprachige Meisterbrief und Fotos, die an ihre Heimat erinnern sollen. 1986 sind sie hierhergekommen und beglücken jetzt neben den Einheimischen auch ganze Busladungen mit ihrem Brot. Natürlich lassen wir uns diese Chance nicht entgehen und kaufen hier ordentlich Vorrat an Brot und Kuchen für die nächsten Tage ein. Denn wo gibt es schon dunkles Brot zu kaufen – ganz sicher nicht in Kanada! Wir haben zumindest noch keines gefunden und der Frühstückstoast ähnelt auch eher einem Schwamm.

Wir verlassen diese ruhige Idylle wieder und machen uns auf den Weg – übrigens, hier in diesem verschlafenen Ort funktionieren keine Handys.

Es ist noch nicht sehr viel los auf dem Highway 99 – nur hin und wieder kommt uns ein Trucker entgegen, vollgeladen mit Holzstämmen. So haben wir ausreichend Gelegenheit, die atemberaubende Landschaft zu genießen. Berge rund um uns, bewachsen mit dem Olivgrün schimmernde Rabbitbrush und linkerhand die Bahnlinie. Hin und wieder fahren wir an einem Gatter für Weidetiere vorbei und dabei fragen wir uns, was einen bewegt, in dieser Wildwest-Landschaft zu leben. In diesem Wüstengebiet werden ganze Landstriche bewässert, um sie bewirtschaften zu können. Es ist aber nicht erkennbar, was die Farmer hier säen und ernten.

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Wir erreichen die Hat Creek Ranch, eine der letzten Teilstrecken der von 1862 – 1865 angelegten „Cariboo Wagon Road“. Auf einem 130 Hektar großen Gelände stehen zum Teil im Originalzustand erhaltene Gebäude. Sie dienten zur Zeit des Goldrausches als Raststätte für Goldgräber und Postkutschen. Das Wohnhaus, das der Familie McLean gehörte, ist zu besichtigen und wir verbringen sehr viel Zeit darin. Liebevoll wurden die Räume mit altem Interieur ausgestattet und Utensilien, wie Kleidung, Gebrauchsgegenstände und Dekoration hübsch über die Bettdecke oder Sessellehnen drapiert. Die bunten Tapeten hängen heute von den Wänden und die Holztreppe ist ausgetreten und knarrt unter jedem unserer Schritte. Wir fühlen uns in der Zeit zurück versetzt und genießen das Flair.

Draußen fährt eine alte Pferdekutsche die Besucher auf dem Gelände herum. Wir ziehen es jedoch vor,  uns noch die Ställe und Scheuen anzusehen und ein wenig mit den Hühnern und Schweinen zu plauschen.

Lange bevor Pelzhändler, Rancher und Goldgräber dieses Tal entdeckten, lebten hier über Tausende von Jahren hinweg bereits die Nomadenvölker der Shuswap Indianer. Im hinteren Teil des Geländes haben sie unter anderem ein traditionelles Erdhaus errichtet. Auch eine Sauna aus dieser Zeit und Kultur können wir bewundern. Eine indianische Führerin erklärt uns die handwerklichen Methoden über den Fischfang, die Verarbeitung und das Haltbarmachen von Lebensmitteln. Auf Trockengestellen wurden Obst, Gemüse, Wurzeln und Kräuter getrocknet. Die Indianer kannten über 1.500 natürliche Heilmittel und zu den wilden Gemüsearten gehörten Zwiebeln, Kartoffeln und Sellerie.

Wir verabschieden uns von der Indianerin und schlendern zurück. Da erregt ein winziges Streifenhörnchen unsere Aufmerksamkeit. Mein Gott, ist das ein winziges Geschöpf. Unerschrocken knabbert es an seiner Nuss und lässt sich von unserer Fotografiererei nicht stören. Nur schwer können wir uns losreißen, doch der Duft von gegrilltem Fleisch zieht uns an. Nix wie hin!  Wir genießen auf der Terrasse ein Sandwich mit Steakstreifen und Beilagen. Dabei können wir an aufgehängten Vogeltränken kleine Hummingbird – eine Art von Kolibris –  beobachten.

Wieder on the road again fahren wir mittlerweile auf dem Highway 97, der stellenweise sehr ausgefahren ist. Trotzdem genießen wir wieder die Fahrt in dieser tollen Landschaft. Wir könnten ständig anhalten und die schöne Umgebung genießen, doch dann würden wir nie angekommen. Einige Kilometer vor Kamloops bringen uns Züge mit mehr als hundert fünfzig Waggons zum Staunen. Dann erreichen wir unser heutiges Ziel, den Kamloops RV Park.


ZielKMCampingplatzKostenGetankt
Kamloops211Kamloops RV ParkCAD 33,08-
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