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Kurz nach 08:00 Uhr stehen wir dann auf und da uns gesagt wurde, dass unser Gepäck frühestens heute Abend kommt, stapfen gleich los in die City, um irgendwo Frühstück zu bekommen. Das erste, was wir finden ist Starbucks – das passt ja perfekt, unterstützen wir ihn, damit unsere Aktien steigen.

Die ersten Eindrücke von gestern bestätigen sich. Vancouver ist eine tolle Stadt mit wahnsinnig breiten, geraden Straßen. Eine typische Stadt, die am Reißbrett entworfen wurde. Moderne, vorwiegend Glasbauten, ragen hoch hinauf und in den Fenstern spiegeln sich die Gebäuden von rundherum. Die Stadt wirkt aber andererseits sehr steril und aufgeräumt.

Als erstes steuern wir den Vancouver Lookout an, um ein wenig Orientierung über die Downtown zu bekommen. Ein Glasaufzug an der Außenseite des Gebäudes bringt uns in Null-Komma-Nichts die 40 Stöcke oder 167 m hoch. Der Rundumpanoramablick wird durch Dunst leider ein wenig getrübt, ist aber trotzdem spektakulär. Auf Infotafeln kann man in dem kreisförmigen Raum Interessantes über einzelne Straßen, Gebäuden und vieles mehr erfahren.

Nicht weit entfernt liegt der Canada Place, wo sich das Wahrzeichen von Vancouver befindet, die 27 m hohen teflonbeschichteten Segeln aus Fiberglas am Burrand Inlet, dem heutigen Kongresszentrum. Der Platz wurde 1986 für die Weltausstellung erbaut und ist heute Anlaufstelle für viele Ausflugsschiffe und Busse. Wir besteigen dort den Hop-On Hop-Off Bus und machen erst mal eine Rundfahrt, da es inzwischen zu regnen begonnen hat. Ross, der den blauen Trolley-Holzbus lenkt, erzählt mit Charme und Witz viel Kurioses und erklärt die einzelnen Gebäude. Auf der Fahrstrecke kommen wir auch nach Granville Island, die mit einer Brücke an Downtown angebunden ist. Dort reiht sich eine Villa an die andere und daher wird die Insel 24 Stunden videoüberwacht. Außerdem befinden sich viele Museen und Parks in diesem Teil von Vancouver.

Wir verlassen den Bus beim Dr. Sun Yat-Sen Classical Garden in Chinatown. Versteckt hinter hohen Mauern würde man nicht vermuten, was für hübsche Pagoden, Wasserfälle, Teiche und Vegetation sich dahinter befinden.

Es liegt nahe, dass wir auch einen Streifzug durch Chinatown unternehmen. Die Häuser, Geschäfte und vor allem die Leute dort strahlen schon eine eigene Atmosphäre aus – einfach eine andere Welt. In den schmutzigen Gassen laufen Gestalten herum, da lernt man echt das Fürchten. Wir erleben zur Mittagszeit hautnah einen Drogendeal auf offener Straße. Außerdem werden wir von Sandlern, die hier in Massen herumhängen, dauernd um ein paar Dollar angepumpt. Hier wird die soziale Aussperrung und das Elend so richtig bewusst – furchtbar.

In schnellen Schritten gehen wir weiter und erreichen den Stadtteil Gastown. Benannt durch den englischen Seemann „Gassy Jack“ Deighton, der sich 1867 Einheimische zu Hilfe holte, um einen Saloon zu errichten. Als Entlohnung durften sie so viel Whiskey trinken, wie sie konnten. Heute ziert der metallene Gassy diesen Stadtteil.

Einige Gassen weiter kommen wir in die Water Street, die vom Canada Place in fünf Minuten erreichbar ist. Dort sieht die Welt gleich wieder ganz anders aus. Entlang des Kopfsteinpflasters befinden sich liebevoll renovierte Bars, Pubs und Boutiquen und entsprechend dem Luxus sind hier die Sandler wieder von den Straßen verschwunden.

Nicht weit daneben, den Hügel hinunter, kommen wir zur Steam Clock, einer dampfbetriebenen Uhr. Alle fünfzehn Minuten passieren Dampfexplosionen, die den Dampfpfeifen den Glockenschlag von Westminster entlocken.

Wir kommen wieder am Ausgangspunkt, am Canada Place an. Hier ankert zurzeit ein Monster eines Kreuzfahrtschiffes, die Zuiderdam aus Rotterdam. Wir kommen uns daneben wie Ameisen vor, während wir am Kai einmal auf und ab schlendern. Dann besteigen wir den roten Trolley, mit dem wir eine Rundfahrt durch Vancouvers größten Park – den Stanley Park – machen. Beim Rosengarten mit über dreitausend Rosenbüschen, die aber noch nicht blühen, residieren zurzeit viele kanadische Wildgänse. Den Farbklecks im grünen Park geben die blühenden Rhododendren und Azaleen. Heute Nachmittag findet noch eine Hochzeit im Park statt, alles ist bereitgestellt und geschmückt. In einem anderen Teil des Gartens spielen zwei Kricketmannschaften und nicht weit davon entfernt geht man dem Sport des Bowlens nach. Der Park ist eine Oase für Groß und Klein, Jung und Alt und für uns Touristen.

Wir sind wieder zurück im Stadtzentrum, wo wir uns die kleine Christ Church Cathedral ansehen möchten, die für ihre schönen Fenster berühmt ist. Die 1895 erbaute Kirche befindet sich heute irgendwie eingeklemmt zwischen zwei Glaswolkenkratzern. Kaum zu glauben, aber zu ihrer Bauzeit befand sie sich im Mittelpunkt eines Wohnviertels. Leider bleibt uns der Eintritt der ältesten Kirche Vancouvers verwehrt.

Mittlerweile hat die Sonne die Überhand gewonnen und die Schäfchenwolken spiegeln sich spektakulär in den Fensterscheiben der Wolkenkratzer.  Das tolle Licht veranlasst uns, dass wir nochmal zum Vancouver Lookout laufen, um die Skyline der Stadt bei Schönwetter kennenzulernen. Sieht doch gleich viel besser aus!

Dann spazieren wir wieder in die Water Street und lassen uns dort im Pub „I3I kitchen & bar“ nieder. Wir essen Burger und Fish & Chips, während wir die vorbei flanierenden Schicki-Micki´s, die Touristen, … beobachten können. Auch Limousinen, eine nach der anderen, fahren vorbei. Beim Bezahlen fragt uns die Kellnerin „where do you come from?“. Als wir ihr darauf antworten, bekommen wir die verblüffende Antwort, dass ihre Mutter aus einem Kaff nahe Graz kommt, sie selber aber kaum deutsch spricht. Wie die Welt doch klein ist!

Am Abend kommen die versprochenen Koffer wieder nicht, daher heißt es nochmal Wäsche waschen und die wird mit viel Wut im Bauch im Waschbecken geschrubbt.


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