vorherige Seite <<>> nächste Seite

„What a lovely day, isn´t it?“ Aber dazu später.

Die Bewegungen fallen heute etwas schwer, oh je, denn Muskelkater vom gestrigen Radltag macht sich schon bemerkbar. Daher werden wir heute mal auf den Bus umsteigen – so stellen wir uns das zumindest vor. Mit der Linie 7A fahren wir an die Nordküste und steigen irgendwo vor Cobo aus. Haltestellen sind nicht immer klar ersichtlich und man sucht oft vergeblich nach Ausschilderungen. Es ist dafür kein Problem, den Bus irgendwo mit einem Winken anzuhalten, sofern der Verkehr nicht behindert wird.

Direkt an der Nordküste liegt der Guernsey Royal Golf Club und der Platz ist heute gut besucht. Fragt sich nur, was die drei Männer im Ginsterbusch suchen, von denen nur noch der  Hintern zu sehen ist?

Unser erstes Ziel ist der Rousse Tower, einer der vielen Martello-Türme an der Küste, der 1804 zum Schutz vor französischen Angriffen errichtet wurde. Restauriert und anschaulich mit Infotafeln und Figuren gestaltet, ist er heute zu besichtigen.

Auf den Wiesen rundherum verströmt wilder Fenchel seinen Duft und die Blüten bilden ein schönes Gemälde in Kombination mit den gelben Lupinen und den rosaroten Malven.

Wir schlendern ein Stück ins Landesinnere und machen einen Abstecher im Guernsey Freesia Center. In Glashäusern können wir uns die Freesien in den verschiedensten Wachstumsstadien und Farben ansehen. Wolfgang erliegt im angrenzenden Gift Shop den Blumenknollen und ersteht eine Guernsey Lilie. Die ersten Pflanzen wurden 1645 von einem Schiffswrack angeschwemmt und wurzelten in den Sandstränden von Guernsey. Sie wuchsen sehr schnell in diesem milden Klima und produzierten rosarote Blüten sehr zum Erstaunen der Insulaner.

Weithin sichtbar auf einer Anhöhe steht die Vale Parish Church aus dem 12. Jhdt. Bereits im 6. oder 7. Jhdt. muss es hier ein christliches Gotteshaus gegeben haben, denn neben der Kirche wurde ein Grabstein aus dieser Zeit gefunden. Rund um die Kirche befindet sich auch hier der alte Friedhof mit den schiefen, verwitterten Grabsteinen. Im Inneren erstrahlt etwas ungewöhnlich für eine Kirche der Altarraum in orange-grün mit goldenen Intarsien. Ist schlicht gehalten, gefällt uns aber ausgesprochen gut.

Ebenfalls auf einem Golfplatz, nein eigentlich inmitten des Platzes, finden wir Les Fouaillages. Es handelt sich hier um eine neolithische Grabstätte von 6.500 v. Chr., eine der ältesten in Europa. Entdeckt wurde sie 1977, nachdem – aufgrund eines sehr trockenen Sommers – der Ginster abgestorben war. Zwischen den neu gewachsenen Büschen sind viele Golfspieler unterwegs, denen wir hautnah zusehen können. Während einer noch auf einen Ginsterbusch einschlägt, bewegen sich die anderen schon auf das nächste Hole zu. Der eine schiebt seinen Golfwagen, der andere zieht ihn und der dritte lässt fahren, elektrisch wohlgemerkt. Das sind die feinen Unterschiede.

Auf einem Hügel stoßen wir dann auf die Grabkammer La Varde, 10 Meter lang und eine der größten der Insel. Das flaschenförmige Megalithgrab wurde 1811 zufällig während militärischen Übungen entdeckt. Man fand auch Keramikscherben, Pfeilspitzen und Steinwerkzeuge.

Wie war das noch – von wegen heute gondeln wir mit dem Bus gemütlich herum. Nee, wir latschen mittlerweile schon kilometerweit in der Gegend herum. Am wunderschönen Strand von L´Ancresse füllen wir unseren Wasservorrat auf und legen eine kurze Rast ein. Während wir noch ein Eis vernaschen, beobachten wir die Leute am Strand. Das Rot der Haut kommt bei dem schönen weißen Sandstrand gut zur Geltung. Das tut uns beim Hinsehen schon weh! Die Wellen des türkisen Meeres rollen sanft an den Strand, am leicht milchigen Horizont gleiten Schiffe, Möwen kreisen in der Luft – einfach kitschig diese Stimmung. Die Dünen sind bewachsen mit wildem Rucola, dessen Blüten im Wind hin und her schaukeln.

Entlang der Küste steht nicht weit voneinander entfernt ein Turm nach dem anderen, dazwischen wieder ein Bunker oder eine Schießscharte. Alles Relikte aus der Zeit der amerikanischen Unabhängigkeitskriege.

Wieder stapfen wir in den kleinen Siedlungen herum und stoßen auf den Dolmen Le Déhus. Es handelt sich hier um eine der interessantesten Grabanlagen der Inseln. Das 10 m lange Grab weißt mehrere Seitenkammern auf und wird von einem massiven Deckenstein abgeschlossen. Bemerkenswert ist der zweite Abschlussstein, der eine Gravur aufweist. Das Männergesicht mit Bart, Armen und Händen wird auch Gardien du Tombeau, Wächter des Grabes genannt. Und um ihm von Angesicht zu Angesicht zu sein, müssen wir uns wie Tote auf den Boden legen. Aber, es lohnt sich! Der Grabhügel stammt aus der Zeit um 3.500 – 2.000 v. Chr.

Damit sind wir fertig mit dem Programm für heute und daher schlendern wir die Hauptstraße entlang in der Hoffnung eine Bushaltestelle zu finden. Eine Omi, die uns entgegen kommt, grüßt uns freundlich mit den Worten „what a lovely day, isn´t it?“ Wie recht sie doch hat!  Das lenkt kurz von den schweren Füssen ab. Das Nichtvorhandensein von Gehsteigen macht aber den Spaziergang ein wenig abenteuerlich, zumal der Verkehr zeitweise sehr heftig ist. Als wir endlich die Beschriftung BUS am Straßenrand finden, wird unsere Freude sofort wieder durch ein Schild BUS Suspended getrübt. Einige hundert Meter weiter das gleiche wieder. Dann endlich finden wir eine richtige Bushaltestelle – mit Schild und Wartebank. Daneben stehen bunte Kisten und Regale mit Blumen und Gemüse, beziffert mit Preisen und einer einbetonierten Kasse. Ein Selbstbedienungsladen auf der Straße. Wie kreativ!

Mit dem Bus fahren wir über die Westküste, wo aufgrund der Ebbe die Boote im Trockenen liegen. Um kurz von 17:30 Uhr kommen wir in St. Peter Port wieder an. Hunger und Durst melden sich und daher beschließen wir gleich hier zu bleiben. Das Albion House direkt im Hafen spricht uns auf den ersten Blick sofort an und irgendwie habe ich das Gefühl, schon mal was davon gehört zu haben. Zu Guinness und Cider bestellen wir Fish & Chips und Fishcake. Das Essen schmeckt very delicious und neben der guten Musik können wir einem Kontrolleur zusehen, wie er Bier testet (Farbe, Geschmack und Temperatur).

Auf einer Tafel an der Hausfassade können wir beim Verlassen nachlesen, dass sich dieses Pub im Guinness Buch der Rekorde befindet. Es ist das Pub, das sich am nähersten zu einer Kirche befindet. Beim nähesten Teil der Kirche handelt es sich kurioserweise um einen Wasserspeier. Ist ja echt ulkig!

vorherige Seite <<>> nächste Seite

Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Please leave these two fields as-is:

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.