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Der bedeckte Himmel in Guernsey bleibt uns auch auf der Überfahrt zur Insel Sark treu. Schlimmer noch – der Hafen von Sark ist komplett in Nebel gehüllt! Das kann ja lustig werden. Direkt oberhalb der Anlegestelle thront ein weißer Leuchtturm, der heute auch ordentlich schreit. Der Abhang ist bewachsen mit Ginster – Möwen und schwarze Kormorane haben dazwischen ihre Nistplätze angelegt.

Auf Sark fahren keine Autos, daher werden die Touristen im Anhänger eines Traktors ins Dorf gefahren. Wir schnaufen lieber – in genau 12 Minuten – zu Fuß auf einem Footpath neben der Straße ins Village hinauf. Um dort etwas mobil zu sein, ist unser erster Weg direkt zum Cycle Hire. Dann geht’s auch schon los. Und das hat der Herrgott auch begriffen, denn nach dem Weltuntergang in der Früh, sticht jetzt die Sonne durch die Wolkendecke.

Mit nur 5,5 km² ist Sark die zweitkleinste der bewohnten Kanalinseln und setzt sich aus Great Sark und Little Sark zusammen. Verbunden sind die beiden durch den 90 m hohen Grat La Coupée. Der Übergang wurde 1945 von deutschen Kriegsgefangenen betoniert. Fahrräder müssen darüber geschoben werden, lediglich Pferdekutschen dürfen fahren – wohlgemerkt auch nur ohne Passagiere. Also jetzt ist auch für Omi und Opi ein wenig Bewegung angesagt, schadet ja nix.

Wir schwingen uns auf Little Sark wieder auf unsere Drahtesel und strampeln auf rumpligen Wegen bis ans Südende. Hier haben wir gute Sicht auf den vorgelagerten Vogelfelsen Létac de Sark. Die beiden Naturpools Venus und Jupiter sind für uns leider nicht sichtbar, weil sie aufgrund der Flut überfüllt sind. Schade. Bei Ebbe bleiben immerhin 5 m Wasser in den Pools, die von der Sonne angenehm temperiert werden. Na ja, genießen wir halt die angenehme Ruhe. Nur das Plätschern des Meeres und das Kreischen der Möwen erfüllt die Luft.

Leider können wir hier nicht ewig bleiben, daher radeln wir wieder ins Dorf. Wir kommen an der 1820 erbauten St. Peter Church vorbei und statten ihr einen kurzen Besuch ab. Auf den vorderen Kirchenbänken befinden sich Sitzkissen mit den Wappen der 40 Pachtgrundstücke, in die die Insel ursprünglich geteilt war. Den Auftrag dazu gab die Queen 1564 an den sogenannten Seigneur. Jahrhundertelang mussten die Pächter an den Seigneur Pacht abliefern und die Grundstücke gingen erblich an den erstgeborenen Sohn über. Der Seigneur wiederum lieferte Pacht nach London ab, ein Betrag, der 1564 vereinbart wurde. Das entspricht heute einem Wert von 1,79 Pfund! Das ist aber noch lange nicht alles im Feudalstaat Sark, wo noch das mittelalterliche Gewohnheitsrecht regiert. Eine eigene Steuergesetzgebung sorgt dafür, dass Sozialausgaben aus Spenden finanziert werden. Einkommenssteuer wird auch nicht bezahlt. Ehepaare können sich auf Sark niemals scheiden lassen und der Mann kann die Frau schlagen, solange kein Blut fließt. Hier ticken die Uhren wirklich anders. So war es damals und genau bis zum 10. Dezember 2008, der Tag an dem die ersten demokratischen Wahlen stattfanden.

Im nördlichen Teil der Insel liegt die Seigneurie, das Herrenhaus aus dem 17. Jhdt. Das prächtige Haus selbst ist nicht der Öffentlichkeit zugänglich, aber der wunderschöne Garten. Er ist umgeben mit einer hohen Mauer, die die vielen Blumenstauden, Rosen, Büsche und Bäume schützt. Niedrige Buchsbaumhecken säumen symmetrisch angelegte Beete ein. Wir haben eine gute Reisezeit erwischt denn alles steht in voller Blüte. Ein Farbenmeer, schöner kann man es sich gar nicht vorstellen. Bienen summen, Vögel zwitschern und das Wasser der kleinen Brunnen plätschert.

Die Zeit ist im Nu vergangen und wir müssen ins Dorf zurück. Die Fahrräder geben wir wieder ab und zum Abschluss des Tages möchten wir noch gemütlich einen Tea, Scones mit Cream und Jam genießen. So haben wir uns das auf jeden Fall gedacht. Nur haben wir die Rechnung nicht mit der englischen Ruhe gemacht, denn wir müssen über 20 Minuten darauf warten. Hastig schlingen wir alles hinunter und dann heißt es im Laufschritt hinunter zum Hafen. Hier finden wir die Nebelschwaden von heute Morgen wieder und kurz haben wir das Gefühl, als wäre die Zeit stehen geblieben.

Die knapp einstündige Überfahrt vergeht doch recht rasch. Mit Spannung beobachten wir das Einlaufen in den Hafen inmitten der Dunstschwaden. Das abwechselnde Hupen des Schiffes und des Leuchtturms machen das Ganze noch recht spannend.

Weil wir noch etwas Zeit haben, machen wir einen kurzen Abstecher in die Town Church von Guernsey. Sie wurde 1048 erstmals erwähnt und im Laufe der Jahrhunderte immer wieder verändert. Die großen, prächtigen Fenster, der wunderschöne, gotische Schnitzaltar und die weiße Kanzel finden unser Gefallen. Wirklich ein Ort, um Ruhe zu finden.

Wieder neigt sich ein schöner Tag dem Ende, der mit vielen Eindrücken gespickt ist und neugierig darauf macht, was noch kommen wird.

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