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Der Muskelkater von den letzten Tagen ist – fast – wie weggeblasen, daher schlagen wir uns wieder zu Fuß durch. Wir widmen uns heute dem Süd-Osten der Insel. Wir schlendern durch die noch verschlafene Stadt, müssen wieder Unmengen von Treppen auf und absteigen und das richtige links-und-rechts-Schauen beim Überqueren von Straßen klappt noch nicht so ganz. Wieder sind wir begeistert von der Sauberkeit in den Gassen und Vorgärten, nur selten ist ein Haus zu finden, wo der Putz abbröselt.

Den Anfang unserer Tour machen wir beim Victor Hugo Haus, das in der Hauteville Nr. 38 liegt. Das einstige Wohnhaus ist seit 1927 in Besitz der Stadt Paris und wurde innenarchitektonisch vom Poeten selbst gestaltet. Unvorstellbar, was im Kopf dieses Menschen zu damaligen Zeit vorgegangen ist. Da hat er zum Beispiel Stuhlbeine in einen Schrankwand eingebaut, Löcher in der Tischplatte gestopft, Gedanken in Wand und Mobiliar eingraviert und überall Signaturen hinterlassen. Die Räume im Erdgeschoß des dreistöckigen Hauses hat er sehr dunkel gestaltet. Die Wände des Dining Rooms im nächsten Stockwerk sind tapeziert mit blau bemalten Fliesen. Und hier hat er bereits Farben spielen lassen. Das Schlafzimmer liegt im Raum darüber und gleicht einer Kapelle. Er hat dieses Bett nie benutzt, denn er wollte nach seinem Tod dort gebettet werden. Anmerkung: er reiste aber nach Paris ab und ist auch dort verstorben. Unter dem Dach richtete er sich seine wirkliche Schlafkammer in ein verglastes Arbeitszimmer ein. Von dort hatte er Blick auf alle Kanalinseln und den Hafen. Das Haus hatte außerdem fließend Wasser und eine Toilette im Haus, was zu dieser Zeit sehr fortschrittlich war. Victor Hugo hatte fünf Kinder, wovon keines ihn überlebte. Diese und viele, viele interessanteste Informationen hat uns die Führerin mit einer Begeisterung zukommen lassen, sodass der Besuch des Hauses wirklich ein Erlebnis gewesen ist und wir wärmstens weiter empfehlen.

Im Hafen angekommen, vorbei an Meerespools und mit Blick auf Cornet Castle folgen wir nun dem Cliffpath, der zur Fermain Bay führt. Das Guernsey Aquarium und das Underground Military Museum lassen wir hinter uns liegen und auf der ersten Anhöhe der Steilküste erreichen wir die Überreste von Fort George. Zum Schutz der Hafenbucht wurde es als Verteidigungsanlage erbaut und später von den Deutschen mit einer Radarüberwachung ausgestattet.

Treppauf, treppab geht es nun in grünes Dickicht hinein und es ist hier schön zu wandern. Immer wieder ist die grüne Wand durchbrochen und wie auf einem Balkon können wir auf Bankerl sitzen (von denen wir einige brauchen) mit Aussicht auf das Meer und die Nachbarinseln.

Die Blumen im Bluebell Wood finden wir leider nur mehr vereinzelt vor, doch wir können uns anhand der Samenstände gut vorstellen, wie schön die blaue Fläche im Frühling aussehen muss. Dafür finden wir in den Hanggärten der Luxusvillen, die über uns thronen, eine reiche Blüte der Riesen-Natternkopfblumen, Lichtnelken und den Rhododendren.

Mit einem ordentlichen Ziehen in den Beinen kommen wir an der Fermain Bay an, einem wahren Paradies. Das kristallklare Wasser plätschert sanft an den hellen Schotterstrand und ein Boot schaukelt im Meer. Wir sitzen auf der Aussichtsterrasse eines Cafés und lassen uns Sandwiches und Cream Tea schmecken. Was will man mehr – wir eigentlich nichts, nur dass wir leider nicht hierbleiben können.

Wieder ein Stück hinein ins Landesinnere trotten wir nun neben der Straße, der Sausmarez Road.

Um das Haus von Sausmarez Manor, einem ursprünglichen Herrenhaus, zieht sich ein weitläufiger Garten rund um einen Teich. Begrüßt werden wir dort von Hahn und Henne und der Entenfamilie (übrigens mit 10 Jungen). Im Subtropical Garden ist eine Skulpturenausstellung integriert, die mit den prächtigen Kamelienbüschen, Bambus, Hortensien, Callas oder Bambus toll harmonieren. Überall plätschert und blubbert es, das zeitweise nur durch das Schreien der herumtollenden Schulkinder unterbrochen wird.

Das letzte Ziel des Tages ist die St. Martins Parish Church – nein, eigentlich möchten wir nur die Großmutter des Friedhofs besuchen. Die Gran´mère du Chimquière wartet an der Eingangspforte zum alten Friedhof und ist ein 1,5 Meter hoher Menhir. Sie gilt als Erd- oder Muttergottheit und wird zu bestimmten Anlässen mit Blumen geschmückt.

So, nun genug für heute, die Füße schmerzen und daher halten wir an der Hauptstraße den Bus an, der uns wieder in den Hafen von St. Peter Port zurückbringt. Wie heißt ein Sprichwort, man sieht sich immer zweimal im Leben. Und bei ist das aber schon das dritte Mal, denn als wir den Bus verlassen, laufen uns die beiden Wiener schon wieder über den Weg. Wir können mittlerweile unsere Inselerfahrungen austauschen und verabschieden uns mit dem Satz, dass wir uns spätestens am Flughafen wieder treffen werden.

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