vorherige Seite <<>> nächste Seite

Der für heute geplante Streik der Busfahrer wurde nun doch kurzfristig wieder abgesagt. Außerdem – hurra – haben wir heute wieder Sonnenschein. Das eröffnet natürlich andere Perspektiven und wir planen spontan den Tag um. Die gestern ersatzlos gestrichene Wanderung wird nun doch nachgeholt.

Wir steigen an der Bonne Nuit Bay aus und los geht’s. Wir marschieren durch eine kleine Siedlung und im Nu sind wir an der Küste angelangt. Rechterhand der mit Farnen bewachsene Abhang und linkerhand peitscht das Meer ans Ufer. Der Wind pfeift uns um die Ohren und stellenweise müssen wir ordentlich gegen ihn ankämpfen. Schnell erreichen wir den kleinen Felsvorsprung, wo das La Crête Fort aus dem Jahr 1813 steht. Wir wandern weiter entlang des schmalen Pfades und die Schönheit rings um uns fesselt uns auf Anhieb. Wie Gämsen klettern wir das Gelände rauf und runter. Und das Frühstückskipferl kommt auch schon hoch!

Auf einem der vielen lauschigen Holzbankerl legen wir mal eine kurze Pause ein und können einen in der Luft stehenden Greifvogel beobachten, wie er seiner Beute auflauert. Fischerboote schaukeln im türkisenen Meer.

Etwa auf halber Strecke führt der Wanderweg in einen geschützten Wald. Wir kommen uns vor wie in einem Labyrinth, denn nach allen Richtungen führen ausgetretene Pfade weg. Am Ende des Waldes haben wir uns dann auch prompt verirrt. Gut, dass uns zur richtigen Zeit ein Hundesitter über den Weg läuft, der uns den Weg zurück an die Küste erklärt. Einige Meter weiter begegnen wir einer Entenmama mit ihren Jungs und Mädels. Nix wie weg und nicht mit Fremden sprechen, sagt sie zu ihren Kleinen, als sie uns sieht. Wir kommen an der Meadow Farm vorbei mit einem total hübschen Cottage und schönem Garten. Auch die Hühner haben hier eine eigene Villa.

An der Bouley Bay gliedern wir uns wieder in den Cliff-Path ein. Außer einem Hotel und dem dunklen Kiesstrand gibt es hier nicht viel. Das Reiben der Steine aneinander, wenn die Welle ans Ufer schlägt, hört sich an wie Donnergrollen. Wir sitzen zur Mittagsrast auf einer Anhöhe und genießen die friedliche Stimmung. Das Wetter wird von Stunde zu Stunde immer schöner und die Schäfchenwolken am blauen Himmel sehen ja richtig kitschig aus. Am Horizont schippert eine Fähre vorbei und das Türkis des Meers glänzt im Sonnenlicht. Nein, nicht durch die Sonnenbrille, es ist wirklich so! Die Wolken werfen ihren Schatten auf das Wasser und es sieht aus, als würden riesige Fischschwärme oder Monster im Meer schwimmen. Auf einem Felsvorsprung niesten Austernfischer, nach den Puffins halten wir wieder vergeblich Ausschau.

Nur wenige Schritte weiter und die Aussicht wird immer spektakulärer. Nun gesellen sich pinke Fingerhüte in das schöne Naturbild. Wir passieren die Ruinen des L´Etacquerel Forts, dessen Tore aber versperrt sind. Sieht aber trotzdem toll aus.

Wir sind nun nicht mehr weit von unserem Ziel entfernt und wandern entlang vieler großer Kartoffelfelder. Die Jersey Kartoffel ist bekannt für ihren guten Geschmack und das können wir bestätigen. Le Câtel de Rozel ist schon von weitem sichtbar, es stammt aus der Eisenzeit. Dann erreichen wir gegen 14:00 Uhr den Ort Rozel. Wir schlendern noch in den Hafen hinunter, der jetzt in der schönen Nachmittagssonne wirklich hübsch aussieht, denn die pittoreske Häuserzeile kommt schön zur Geltung. Einige Fischerboote sitzen bereits im Trockenen, den anderen ereilt in den nächsten Stunden dasselbe Schicksal. Eltern spielen mit ihren Kindern am Strand. Da werden große Sandburgen gebaut, Zeichnungen in den Sand geritzt oder mit dem Ball gespielt. Im Rozel Bay Tea Room (mit eigener Facebook-Seite) gönnen wir uns dann Erholung vom Marsch. Wir haben das Gefühl, als säßen wir mitten in einer Puppenstube. In dem kleinen Raum sieht alles so verspielt aus mit den verschnörkelten Lampenschirmen, eine alte, weiße Kommode und den Vorhängen mit Rüscherl dran. Wir trinken Tee aus geblümten Tassen – wer weiß, vielleicht sind wir heimliche Statisten in einem Charlotte Link – Film?

Wir warten an der Bushaltestelle und gönnen uns noch etwas Sonne. Heute bezahlen wir unsere Fahrten je nach Bedarf und müssen dabei feststellen, dass die Tickets hier in Jersey (1,70 Pfund) im Gegensatz zu Guernsey (1,00 Pfund) sehr teuer sind.

vorherige Seite <<>> nächste Seite

Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Please leave these two fields as-is:

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.