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Momentan spielt das Wetter eine große Rolle und laut Vorhersage, die im Hotel aufliegt, soll es heute ganz gut werden. Daher probieren wir es im Norden der Insel mit einer Küstenwanderung. Die Linie 9 bringt uns in einer halben Stunde, quer durch die Insel, zum Grève de Lecq. An der Haltestelle weist ein Schild zum Cliff-Path mit der Angabe von 2 Meilen.

Uns erscheint es aber länger, bis wir wirklich die Klippen erreichen. Und das lohnt sich – wir bekommen eine tolle Aussicht geboten. Würde der Nebel nicht so weit herunter hängen, es wäre der komplette Wahnsinn. Die Klippen sind bewachsen mit Farn, pinken Fingerhut und Margeriten. Unsere Freude währt nicht lange, denn wir spüren schon die ersten Regentropfen. Es bietet sich aber immer wieder ein prächtiger Blick auf die Klippenlandschaft, an die sich das Meer heran peitscht. Das Rauschen erfüllt die Ruhe und Möwen kreisen in der Luft.

Zwei Ladies mit Regenschirm kommen uns entgegen und wie wir es hier gelernt haben, wird Small Talk geführt. Wolfgang merkt etwas sarkastisch an, dass es das richtige Wetter zum Wandern ist, oder? Worauf eine der Damen antwortet „ oh, it´s beautiful, it isn´t cold“! Na ja, da hat sie ja irgendwie recht, denn kalt ist es wirklich nicht. Der Regen lässt fast regelmäßig  alle Viertelstunde eine Ladung herunter.

Wir erreichen einen kleinen Teich mit einer Teufelsfigur. Die lassen wir aber hinter uns und wandern nun bergab zum Devil´s Hole, einer großen Felsspalte, wo bei Flut Meerwasser hinein schäumt. Da wir aber gerade Ebbe haben, ist das Loch leer und wirkt sehr nüchtern. Daher bewundern wir die Vegetation rund herum und lesen die Schautafeln.

Wir beschließen unsere Wanderung für heute, denn wir sind bis auf die Haut durchnässt oder verschwitzt, das ist nicht wirklich zu unterscheiden. Während wir auf den Bus warten, lassen wir uns in einem kleinen Restaurant eine warme Suppe schmecken.

Als Ausweichprogramm fahren wir nach Hamptonne, um das Country Life Museum zu besichtigen.  Das hier befindliche Bauerngehöft aus dem 17. Jhdt. bietet einen guten Einblick in die Geschichte des ländlichen Lebens der Insel. Hier lebten Mensch und Vieh in einem Gebäude. Die Tiere waren im unteren Teil untergebracht und in den Räumen darüber befanden sich die Wohn- und Schlafkammern der Bauern. Mit alten Mobiliar und Gebrauchsgegenständen hat man das Leben ganz gut veranschaulicht. Der Tisch ist mit schönem Geschirr gedeckt und wir warten vergeblich, bis jemand kommt und den Tea aufträgt. 2005 diente das schöne Gebäudeensemble als Drehort für den Film „Under The Greenwood Tree“. Auf Fotos wird dokumentiert, wie die einzelnen Räume umgestaltet, ja sogar ein gefakter Kirchturm aufgestellt wurde. Obst- und Gemüsegärten schließen sich an das Gebäudeensemble an, wo Henderl und Kühe sich heute noch wohlfühlen. Kräuterduft erfüllt die Luft und die ersten Beeren wollen gepflückt werden.

Fast zeitgleich mit der Beendigung der Besichtigung kommt die Sonne raus. Der Wind bläst noch wie ein Orkan und zerreißt die Wolkendecke. Da der Nachmittag noch nicht zu weit fortgeschritten ist und die Jacken wieder trocken geföhnt sind, fahren wir mit dem Bus noch nach Gorey. Im Hafenbecken und weit rund herum sitzen die Boote im Trockenen und der Strand sieht aus wie eine Mondlandschaft. Castle Orgueil thront oberhalb des Hafenbeckens. Die Häuserreihe direkt darunter ist ein beliebtes Fotomotiv und das halten wir natürlich auch bildlich fest. Der Besuch der Burg geht sich heute nicht mehr aus.

Wir spazieren um den Hafen herum und lassen uns dann im Garten eines Pubs nieder. Als es dafür aber nach kurzer Zeit doch zu kühl wird, nehmen wir unseren Cider und setzen uns hinein. Es ist schon eine Hetz, das Bartreiben zu beobachten. Heute sind sie gekommen, um auf einem großen Fernseher das Tennismatch in Roland Garros anzusehen. Na ja, dann guck ma halt auch a bissi mit. Eine Gruppe Damen trifft sich auf Cider und Chips und quatscht über eine Hochzeit in Paris, auf der sie waren. Der alte Opa neben uns beginnt sich mit uns zu unterhalten. Vor zwei Stunden hatte er noch eine schwere Augenoperation und jetzt zieht er sich schon wieder ein Bier hinein. Tja, so ist das im relaxten Eiland.

Gegen 19:30 Uhr besteigen wir den Bus Richtung St. Helier. Wir waren keine zwei Stunden hier und die Mondlandschaft ist inzwischen abgesoffen. Die Boote im Hafen schwimmen wieder und der Strand ist fast weg. Echt spektakulär, wie rasant das geht.

Auf dem Weg zum Hotel beginnt es wieder zu nieseln – mal ganz was Neues.

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