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Früher, als vom Wecker geplant, reißt uns der Brandmelder aus unseren Träumen. Nachdem wir feststellen, dass es ein Fehlalarm gewesen ist, ist an Weiterschlafen nicht mehr zu denken, denn ab nun sind die Gelsen lästig.

Mit noch zugeschweißten Augen werden die letzten Notwendigkeiten erledigt und während wir noch unsere Cornflakes essen, bekommen wir von Susi (TomTom) bereits unsere ersten Anweisungen. A bissi bald, aber sie will sich halt schon wichtig machen!

Wir plündern noch den Bankomat und Punkt 06:00 Uhr fahren wir auf die Autobahn auf. Es liegen 888 km vor uns – eine lange Strecke, aber egal, es geht in den Urlaub!

Dunst- und Nebelschwaden, die ab Linz immer dichter werden, liegen über Wiesen und Feldern, und es hat 12 Grad.

Der Tradition folgend kehren wir in der Raststation in Mondsee ein, um dort zu frühstücken. Und wie jedes Mal beglückt uns der Sonnenaufgang über dem See mit den umliegenden herrlichen Bergen. Auch unser Auto bekommt Frühstück an der Tankstelle und dann geht unsere Reise so richtig los.

Bis auf kurze Pipi-Pausen, Füße-Vertreten und Fahrertauschen düsen wir direkt Richtung Süden. Das Wetter ist mittlerweile sehr schön geworden. Bei der Durchquerung von Südtirol kommen die Glücksgefühle wieder hoch, die uns Sterzing, Brixen, Bozen & Co beschert haben, als wir vergangenes Jahr dort unseren Urlaub verbracht haben.

Trotz der vielen Baustellen kommen wir zügig voran, begleitet von einer traumhaften Landschaft und rundherum flankiert von prächtigen Bergmassiven mit ihren Burgen und endlos scheinenden Weinbergen und Apfelplantagen.

Später gesellen sich dann Olivenbäume und Säulenzypressen dazu. Bei Verona wird der Verkehr dichter und wir werden dazu genötigt, fast ständig auf der Überholspur zu fahren, weil der rechte Fahrstreifen von LKWs aus aller Herren Länder dominiert wird.

Kurz vor halb zwei legen wir bei Mantua unsere Mittagsrast ein und bekommen eine Ohrfeige, als wir aus unserem klimatisierten Auto aussteigen. 30° warme Luft fegt uns um die Ohren und ich bin mit langen Jeans, Socken und Jacke unterwegs.

Wir haben die Abzweigung nach Bologna verlassen, da überholt uns die Polizia, um dann mit Warnblinkanlage und Leuchtschrift „traffico rallentato“ im Zick-Zack über die mittlerweile vier Fahrstreifen zu fahren. Was soll das denn? Alle Autos und LKWs werden ausnahmslos dazu verdonnert, hinter ihnen mit 70 km/h herzufahren. Nach einigen Minuten, ein Winken aus dem Fenster und die Polizei zischt im Höllentempo wieder ab. Doch der Action nicht genug, kurz darauf wirbelt ein schräg vor uns fahrendes, schwarzes Auto Rauch auf. Oje, wir sehen, dass er links hinten einen Reifenplatzer hat. Wir lassen ihn vorne vorbei, damit er von der Autobahn abfahren kann.

Eine Baustelle nach der anderen, ein Tunnel nach dem anderen und es herrscht sehr dichter Verkehr – das Fahren ist jetzt schon sehr anstrengend. Die Außentemperatur ist mittlerweile auf 35° gestiegen, nur gut, dass wir noch nicht raus müssen.

16:15 Uhr – Hurra, wir haben es geschafft, wir sind in Livorno. Ab jetzt hängen wir am Fährhafen in der Wartelinie herum.

Eineinhalb Stunden später gleitet unsere Fähre, die Marina Seconda im weiß-gelben Kleid von der corsica ferries sardinia ferries in den Hafen ein und wir können hautnah zusehen, wie sie das Maul aufreißt und Busse, Autos und Menschen ausspuckt. Wir kommen uns wie kleine Ameisen vor neben diesem Monster. Dabei ist es nicht mal das größte Fährschiff. Kurz darauf kommt die MOBY mit riesigen Comic-Figuren auf dem Korpus in den Hafen und die ist um einiges gewaltiger. Nach einer halben Stunde werden wir verschluckt und dürfen dann in den Bauch einfahren. Wir beziehen unsere Kabine, nehmen eine Dusche und essen anschließend eine Kleinigkeit im Restaurant. Dazu trinken wir das korsische Kastanienbier Pietra, um uns schon ein wenig auf Korsika einzustimmen. Lecker!

Obwohl wir den Rest der vierstündigen Überfahrt vermützen, erreichen wir müde und erschlagen um 22:45 Uhr Bastia. Wir verabreden uns mit Joëlle, unserer Vermieterin, vor der Kirche. Leider kennt sich unsere Susi in Bastia nicht so gut aus und deshalb veranstaltet sie mitten in der Nacht mit uns eine Sightseeing-Tour. Wir waren ja auf enge Gassen vorbereitet, aber was wir hier vorfinden, ist schon der Hammer. Mir wird als Beifahrer schon angst und bange, geschweige denn, dass ich hier selber fahren möchte!

Joëlle und wir finden einander dann doch noch im Trubel der Altstadt von Bastia. Sie bringt uns durch die engen Gassen zu ihrer Wohnung und spätestens hier wachen wir wieder auf. Über drei Etagen mit Todesstiegen müssen wir beinahe auf allen Vieren hochklettern. Hinter einer primitiven Holztüre öffnet sich dann eine schnuckelige Wohnung, liebevoll mit Antiquitäten und allerlei Krims-Krams und Bildern dekoriert. Das Irre ist, dass es sich hier um die eigene Wohnung von ihr handelt und Joëlle meint, dass es ab jetzt die unsrige ist. Und es scheint, als wäre sie eben erst ausgezogen – die Situation ist schon etwas durchgeknallt. Es ist furchtbar heiß und nach wenigen Minuten sind wir durchgeschwitzt und die Perlen laufen uns von der Stirn. Wir verabschieden uns von unserer Vermieterin, packen das Notwendigste aus und legen uns dann schlafen. Versuchen es zumindest, denn da wir uns mitten in der Altstadt befinden und nicht weit von uns Livemusik spielt, kann man sich gut vorstellen, dass es schwer ist, ein Auge zu zubekommen. Da hier zurzeit ein Festival der korsischen Musik stattfindet, blüht uns das nun jede Nacht!

Bienvenue à Bastia!

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