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Schön brav schlucken, gähnen, schlucken, gähnen – damit sich die Ohren nicht verschlagen. Das ist ja ärger, als beim Fliegen. Wir sind unterwegs nach Bonifacio und da geht es dauernd bergauf und bergab. Zwischendurch durchfahren wir kleine Dörfer mit ihren rumpligen Straßen oder Baustellen. Es ist eine sehr mühsame und kurvige Fahrt, es herrscht viel Verkehr mit Schleichern und Eseln (tierische) auf der Fahrbahn und zeitweise müssen wir sogar im Konvoi fahren.

Nach drei Stunden (für 132 km) erreichen wir aber Bonifacio und da geht es ähnlich weiter, denn bis wir einen Parkplatz finden, sind wir am Arsch der Welt, äh am Ende der Stadt. Direkt daneben, hoch über dem Meer befindet sich der Cimetière Marin, der Friedhof der Seeleute. Laut Reiseführer sollen wir uns den unbedingt ansehen. Es ist schon was ganz anderes zu unserer Kultur – hier werden für die Familien kleine Kapellenhäuschen errichtet, wo dann in Nischen der Sarg reingestellt wird. Beschriftet und eventuell ein Foto darauf und der Verstorbene ruhe in Frieden. Mit einer Haustüre oder einem Gatter wird das Häuschen verschlossen und davor ein Busch hingestellt. Die Kapellen sind aneinander gedockt und auf Spazierwegen kann man herum schlendern.

Wir spazieren weiter in die Altstadt, dem sogenannten Le Bosco, und lassen uns von der Menschenmasse durch die schmalen Gassen schieben. Es muss ein Wahnsinn sein, im Hochsommer hier zu gehen, wenn noch mehr Touristen unterwegs sind. Bei vielen Häusern stehen die Haustüren sperrangelweit offen, wahrscheinlich um ein wenig auszulüften. Es müffelt überall heraus und die steilen Treppen hoch hinauf sehen ja noch mörderischer aus, als wir sie von  Bastia her kennen. Das Gesamtbild der Altstadt ist aber trotzdem sehr schön. Die engen Gassen, die kleinen Geschäfte und die Tischerl der Cafés und Restaurants. Beim genaueren Hinsehen entdecken wir Häuser mit tollen Familienwappen, das Kaiserhaus, wo Kaiser Karl V. vier Tage wohnte und auch das Napoleonhaus, der dort einige Wochen lebte.

Das Labyrinth mit den steilen Gassen führt uns erst zum kleinen, ehemaligen Hospiz aus dem 13. Jhdt. mit einem Innenraum von etwa 40 m² und einfachster Ausstattung. Heute befindet sich hier der Sitz der Bruderschaft zum Heiligen Kreuz, die einen Splitter vom Kreuz Christi aufbewahrt.

Der Kirchen noch nicht genug, machen wir auch einen Blick in das Innere der Église Ste-Marie-Majeure. Der Kirchenbau aus dem 14. Jhdt. besitzt einen quadratischen Glockenturm und eine große Loggia ist der Kirchenfassade vorgelagert. Sehenswert ist der Tabernakel neben dem Taufbecken.

Für 2,50 Euro bekommen wir noch ein tolles Fitnessprogramm. Wir kraxeln dafür die 187 Treppen der Escalier du Roi d´Argon hinunter und danach auch wieder hinauf. Es handelt sich hier um schräg in den Fels geschlagene hohe Stufen, die der Überlieferung nach Soldaten des Königs zur Überrumpelung der Belagerten anlegten.

Die Altstadt mit ihren Befestigungsmauern sitzt hoch oben auf einem schmalen Felsvorsprung aus Kalkstein. Sie wird durch eine langgestreckte Bucht getrennt, in der die Marina liegt. Heute ankern Jachten und Freizeitboote im Hafen, wo früher Kriegsschiffe ihren Platz fanden.

Auf der anderen Seite der Mauern haben wir von einer Aussichtsterrasse einen weiten Blick auf die hohen Kalksteinklippen und über das offene Meer bis an die Küste von Sardinien.

Zum Abschluss des Tages in Bonifacio möchten wir gemütlich noch einen Kaffee trinken und eine Crème Brulée dazu genießen, aber in jedem Restaurant werden wir wieder weg geschickt „reserviert für Gäste, die essen“. Na dann eben nicht.

Die Crème Brulée kaufen wir uns auf der Heimfahrt in einem Supermarkt und vorweg gesagt, die schmeckt gar nicht so schlecht.

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