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Fast die ganze Nacht hat es heftig gewittert und geschüttet. Aufgrund der hohen, engen Gassen hat der Donner ordentlich gegrollt, so dass wir das Fürchten gelernt haben. Aber wie von Zauberhand weggewischt, sieht der Tag heute eigentlich ganz freundlich aus. Mal sehen, ob wir der Ruhe trauen können, denn laut Wetterbericht soll es ja heute den ganzen Tag regnen.

Wir beschließen den Tag in Corte zu verbringen, das auf halber Strecke nach Ajaccio liegt, unserem Ziel in der zweiten Woche. Corte war von 1755 bis 1769 Hauptstadt der Korsischen Nation und ist es bei den Korsen heimlich auch geblieben.

Die Straßen sind wider Erwarten sehr gut zu fahren und die prächtigen blühenden Oleanderhecken auf beiden Seiten bringen unsere Reiselust auf den Höhepunkt. Wild romantisch wird es dann, als wir in die Berge kommen. Steile Abhänge aus grünem Schiefergestein glänzen in der Sonne und rundherum Büsche und Bäume – Natur pur.

Nach nicht ganz eineinhalb Stunden erreichen wir Corte und stellen unser Auto am Fuß der Stadt in einer Parkgarage ab. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen ist, dass wir dafür heute keinen Cent bezahlen müssen. Merci beaucoup – vielen Dank! Unsere Rucksäcke umgeschnallt und dann geht es auch schon los.

Unser erstes Ziel ist die Chapelle Ste-Croix mit ihrer hellblauen, schlichten Fassade. Diese kleine Einraumkapelle könnte mit ihrer Einrichtung aus einem alten Heimatfilm stammen. Über dem Altar befindet sich ein großes Reliefmedaillon mit der Jungfrau aus der Offenbarung. Die kleine Orgel ist umgeben mit einer geschwungenen Tribüne, die mit kunstvollen Gemälden geschmückt ist. Wirklich süß!

Punkt 12:00 Uhr erreichen wir die Altstadt. Essensgerüche steigen uns von allen Seiten in die Nase, kein Wunder, reiht sich doch auf dem Place Gaffori ein Restaurant neben das andere. Aber bevor wir es uns gemütlich machen, muss erst noch ein bisschen Bildung sein. Der Platz wird dominiert von der beigefarbigen Église de l ´Annoniciation aus dem Jahr 1450. Diese wirklich hübsche Kirche ist mit buntem Anstrich bekleckst und das schlichte Interieur sehr übersichtlich gestaltet. Bemerkenswert ist auch die kleine holzgeschnitzte Orgel.

Auf dem Platz befindet sich die Statue von General Gaffori, ein 1704 geborener Arzt, der gegen Genua einen bewaffneten Aufstand führte. Direkt daneben erhebt sich die Fassade eines Hauses, in der noch die Kugeleinschläge zu sehen sind, die bei der Belagerung Cortes durch die Genuesen entstanden.

Enge Straßen und Gassen mit Kugelsteinen gepflastert, schlängeln sich kurvig den Berg hinauf und schnell erreichen wir die Aussichtsplattform Bélvedère. Von dort haben wir einen schönen Rundumblick auf die Bergwelt und auf die Zitadelle, deren ältester Teil, das sogenannte „Adlernest“ in exponierter Lage auf einem Felssporn thront. Leider können wir diese traumhafte Aussicht nicht lange auf uns wirken lassen, denn nun hat uns der Regen eingeholt und es beginnt leicht zu tröpfeln.

Nein, in wenigen Minuten hat der Nieselregen zu ordentliche Schauer gewechselt und wir schaffen es gerade noch rechtzeitig unter die Sonnenschirme des Restaurants „U Campanile“. Im Nu haben sich alle Sessel, die so halbwegs im Trockenen stehen, gefüllt. Da der Steinboden diese Wassermengen nicht aufnehmen, geschweige denn ableiten kann, stehen wir schon nach kurzer Zeit im wahrsten Sinn des Wortes im Regen. Die Kellnerin bringt leere Eisbehälter, damit die Gäste nach ihren Aussagen nicht im „Swimming Pool“ stehen müssen. Der Ideenreichtum nimmt kein Ende, denn das Servicepersonal bekommt beim Bringen der Teller Begleitschutz mit Sonnenschirmen, sodass das Essen trocken zu den Gästen kommt. Obwohl es schüttet wie aus vollen Schaffeln ist der Humor der Gäste ungebrochen. Wir genießen unser Essen in vollen Zügen – es gibt Wildkräuter- und Wildschweinpastete, Lammragout und Korsischen Käse mit Feigenmarmelade. Das Pech für einige, dass die Tische in den Restaurants bald alle belegt sind, ist das Glück des Herrgotts in der Kirche nebenan, denn der kann sich jetzt über regen Besuch freuen. Selbst der schwarze Dorfhund folgt dem Beispiel der Touristen und trottet mehrmals hinein.

Kurz vor halb vier setzen wir uns aber auch wieder dem Regen aus und huschen so schnell es geht zur Parkgarage zurück. Nass bis auf die Unterwäsche (unser neuer Regenschirm schirmt alles ab – nur nicht den Regen) erreichen wir das Auto und schon geht es direkt nach Bastia zurück. Die gesamte Fahrt über gießt es in Strömen. Die teilweise sintflutartigen Regenfälle führen dazu, dass Straßenabschnitte mit Erdmorast überflutet werden und viele Autofahrer am Straßenrand stehenbleiben. Es blitzt und donnert, dass es nur so kracht. Polizei ist unterwegs und Hupkonzerte machen die Situation noch spektakulärer. Wir sind froh, als wir die Garage in Bastia wieder erreichen.

Keine zwei Stunden später ist der Regen wie weggeblasen und über dem Meer ist bereits wieder blauer Himmel zu sehen.

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