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Dass der heutige Tag so tierisch wird, hätten wir uns nicht gedacht. Wir nehmen wieder die Route über die Berge, zweigen aber schon vor Piana ins Landesinnere ab. Und ab da beginnt dann die Viecherei. Zuerst begegnet uns eine Schweinemama mit ihren sieben Zöglingen. Sie hat ihre Kleinen nicht im Griff, denn die vergnügen sich auf der Straße.

Am Col de Sevi überfällt uns dann gleich eine Horde von Halbwildschweinen. Eine Busladung Touristen ist schon dabei wie wild ihre Fotos zu schießen. Dann wirft einer eine Handvoll Brot in die Schweinemenge und die Größeren schlägern sich sofort darum. Als die Vorspeise verdrückt ist, soll natürlich mehr her. Also, am besten, direkt auf die Menschen los und mal a bissi schnuppern oder am Bein schlecken. Ehrlich, so schnell bin ich noch nie ins Auto gesprungen.

Wir lassen die Horde der Menschen und Schweine zurück und fahren weiter. Wenige Kilometer danach blockieren dann Ziegen die Straße und dem nicht genug, auch die Kühe machen es sich im Straßengraben gemütlich. Nicht weit daneben pennt wieder eine Sau am nicht vorhandenen Straßenbankett.

Die vielen Tiere lassen die tollen genuesischen Brunnen, an denen wir nur kurz anhalten, zur absoluten Neben-sache werden. Ebenso wie die Gruppe Radfahrer, die ihre Helme lieber auf die Lenker als am Kopf montiert haben (damit den Helmen bei einem Sturz nichts passiert).

Wir biegen von der Hauptverkehrsroute ab und Susi schickt uns wieder auf kleine, holprige Straßen mit weggebrochenem Asphalt. Auch da sind wieder die Schweine zuhause. Zwei verspeisen gerade mitten auf der Fahrbahn mit Inbrunst den Kopf eines ihrer Genossen – igitt, igitt! An der nächsten Kurve wartet schon die nächste schweinische Großfamilie. Kaum bleiben wir stehen, kommt die ganze Sippe schon angerannt. Bei den treuherzigen Blicken der kleinen Schweinderl werden wir weich und füttern sie mit einem Teil unserer Trockenfrüchte. So, jetzt ist es genug, wir haben ja schließlich noch was anderes vor.

Es ist ja nicht so, dass wir jetzt zu unserem Ziel durchfahren können, nein, die prächtige Aussicht nötigt uns immer wieder zum Anhalten. Staunen, genießen und bildlich festhalten – so viel wie möglich. Von der kurvigen Bergstraße können wir tief in die Schlucht und hoch hinauf auf die Bergspitzen sehen. Auf der anderen Talseite klebt das Bergdorf Ota an den Abhängen.

Kurz vor Ota befindet sich ein wahres Kunstwerk genuesischer Brückenbauer. Von dort ist der Ausgangspunkt für unsere Wanderung in die Gorges de Spelunca. Durch das Zusammenspiel dreier Flüsse wurden diese wundervollen Schluchten geformt. Die Intensität der Farben ist beeindruckend, denn die verschie-denen Rottöne leuchten je nach Einstrahlung der Sonne unterschiedlich.

Die Korsen haben uns für diese Wanderung viele Steine in den Weg gelegt! Wir klettern auf Geröllwegen bergauf und bergab, wie eben alles hier ist in Korsika. Das Wasser plätschert beruhigend neben uns und kleine Echsen begleiten uns kurze Abschnitte. Die tolle Aussicht auf die Abhänge geben ständig neue Perspektiven frei und nur langsam kommen wir vorwärts. Auf Schautafeln entlang des Weges werden Vorkommen und Besonderheiten von Gestein, Tieren und Vegetation in Wort und Bild beschrieben. Mitten im Dickicht, wo man es nicht erwartet, finden wir dann die Pont génois de Zaglia, eine weitere alte Genueser-Brücke. Im Schatten suchen wir uns schöne Steine im Flussbett und unsere Füße bekommen im kühlen, kristallklaren Wasser ein Kneippbad. Ist das gut! Wohin wir schauen, überall sitzen Wanderer und genießen ihr Picknick, schlafen oder sonnen sich.

Schwer können wir uns losreißen und den Rückweg antreten. Die Nachmittagssonne lässt das Gestein rosa leuchten und weil die Steine so schön sind, wandert ein kleiner als Souvenir mit uns zurück.

Die Rückfahrt wird noch tierischer, denn jetzt sind alle Ziegen, Schweine und Kühe auch auf dem  Weg nach Hause oder sonst wohin. Die Schweinefamilie lauert uns wieder auf und deshalb bekommen sie unser letztes Obst. Im Rückspiegel sehen wir, wie sie uns noch nachlaufen. Einige Kurven weiter schneiden uns wieder die Ziegen den Weg ab. Der Verkehr kommt zum Erliegen, weil die Tiere stocksteif stehenbleiben und uns nur anstarren.

Weit bis über die Hälfte der Fahrtstrecke geht es so dahin und daher kommen wir mit einiger Verspätung wieder in Ajaccio an.

Am Abend klopfen wir bei unseren Hausleuten an, um die noch offene Rechnung zu begleichen – was man ja üblicherweise am Beginn der Reise macht. François und Lina laden uns gleich herzlich auf ihre Terrasse ein und ehe wir uns versehen, steht schon ein Corona Bier auf dem Tisch. Im Laufe des Abends entwickeln wir eine gemeinsame Sprache aus Französisch, Englisch, Händen und Füssen, mit der die Verständigung aber wunderbar klappt. Aus dem kurzen Vorbeischauen wird so ein netter Abend. Gourmet François plündert noch seinen exquisiten Vorratskeller und zaubert die tollsten korsischen Spezialitäten auf den Tisch. Angefangen von Wildschweinwurst und Schinken vom Schweinehals (Fett pur, aber waaaaahnsinnig gut!!!!) über Ziegen- und Molkekäse (gibt’s nur in Korsika) bis hin zu Kastanien- und Frühlingsblütenhonig. Das Ganze begleitet von mehreren Flaschen bestem Patrimonio Roséwein, was wünscht man sich mehr. Nach den opulenten Leckerlis muss natürlich Verdauungsmedizin her – und so können auch wir einen kleinen Teil mit österreichischem sabinegemachten Nussschnaps beitragen (der bei allen sehr gut ankommt).

Und so wird es unter Lachen und Scherzen Mitternacht, bis wir uns dann zur Nachtruhe verabschieden.

Anmerkung: Wir können das Quartier bei François und Lina wärmstens empfehlen. Eine kleine Einliegerwohnung im unteren Teil des Hauses in ruhiger Lage – etwa 45 m2 stilvoll eingerichtete Wohnfläche mit tollem Ausblick über Ajaccio, von der Herzlichkeit der Gastgeber erst gar nicht zu reden. Anbei der Link zu der Announce, über die wir gebucht haben. Wenn die Announce aktuell nicht zur Verfügung steht (Lina vermietet nicht immer), dann schreibt uns ein Kommentar mit eurer eMail-Adresse – wir schicken euch dann die eMail-Adresse von Lina direkt zu.

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