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Makelloser blauer Himmel wird uns wieder geboten – der Regen, der für Donnerstag angesagt gewesen wäre, wurde storniert. Wir verbringen unseren Urlaub fast schon wie dem Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“, weil wir mittlerweile schon einige Male die gleiche Strecke in den südlichen Teil Korsikas fahren. Bei Ponte Leccia biegen wir diesmal auf die D71 in die Berge ab, denn wir möchten heute die Castagniccia erkunden.

Je höher wir hinauf kommen, umso bewaldeter werden die Abhänge und Kühe und Schafe betrachten die Straßen und die Umgebung als ihr Terrain. Auch viele Greifvögel ziehen wieder ihre Kreise in den Lüften. Direkt über uns können wir zweien davon bei ihrem Liebesgeplänkel zusehen.

Kurve um Kurve fahren wir mittlerweile durch dichte Edelkastanienwälder. Mitten in der Pampas, wo man nichts mehr vermutet, liegt der winzige Ort St. Thomas de Pastoreccia. Die Einheimischen starren uns nach, denn Touristen sind für sie wohl fast wie Außerirdische. Am Ende des Ortes, besser gesagt nach den fünf Häusern, parken wir vor dem Friedhof. Dort befindet sich eine kleine unscheinbare steinerne Kapelle, die jedoch im Inneren wahre Schätze bereithält. Hinter einem Altartisch, auf dem ein Jesus liegt, sind die Wände voll mit den tollsten Malereien aus dem späten 15. Jhdt. Leider wurde aber 1930 die Rückwand der Kapelle bei einer missglückten Renovierung zerstört, wobei sich ein Teil der Fresken löste. Kaum vorzustellen, wie schön dieser Gottesraum im Gesamten ausgesehen haben muss.

Wir winden uns weiter auf der Bergstraße entlang und überqueren den Col de Prato (985 m), um das Dörfchen La Porta zu erreichen. Hier befinden wir uns im Herzen von Korsika und stehen vor der berühmtesten Barockkirche des Landes, die Église St-Jean Baptiste. Sie wurde 1648 – 1680 erbaut und besitzt eine tolle ockergelbe Fassade. Daneben ragt stolz der freistehende Campanile hoch, den man schon von weitem sehen kann. Der Innenraum der Kirche haut uns aber um, denn dieser ist so „schräg“, dass wir aus dem Staunen nicht mehr herauskommen. Die Säulen und Emporen sind nur gemalt, wie so vieles andere auch, ein Wirr-Warr an Dingen und Farben. Sie ist stark renovierungsbedürftig und es würde auch nicht schaden, mal ein wenig Ordnung reinzubringen – aber auf jeden sehenswert.

Auf den Spuren von Asterix und Obelix geht es weiter mit einem kurzen Stopp nahe Piedicroce an der Ruine eines Franziskanerklosters, das von den Deutschen 1943 zerbombt wurde. Es sind noch kleine Teile von Säulen und Reliefs zu sehen und es ist ewig schade, dass man diese nicht erhalten hat, sondern das Gebäude Wind und Wetter überlässt. Auch der Kirche im Ort selber statten wir einen schnellen Besuch ab. Die Église St-Pierre et St-Paul ist sehr farbenprächtig mit gemalten Marmorpfeilern. Uns gefallen die Kanzel, der Altartisch und vor allem die Orgel, die nebenbei auch die älteste Korsikas ist.

Die Straße wird immer enger und es ist kaum vorstellbar, dass auf dieser ständig LKWs unterwegs sind. Der Grund dafür ist, dass in der Castagniccia die Urquelle des Orezza-Mineralwassers ist. Von einem Brunnen, der für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, kann man sich das natürliche Mineralwasser zum Trinken holen. Es ist sehr Eisen-, Natron- und Kohlensäurehaltig. Das Wasser war in der Antike schon bekannt und wurde als Heilwasser bei Anämie, Malaria, Leber- und Nierenerkrankungen und außerdem bei Störungen des Nervensystems verwendet. Nachdem ich das Wunderwasser probiert habe, bin ich froh, dass ich keine dieser Störungen habe. Es schmeckt echt scheußlich.

Wir beschließen für heute der Kurverei ein Ende zu bereiten und treten den Weg zurück nach Bastia an. Von der Besichtigung der vielen Kirchen und Kapellen haben wir mittlerweile einen Heiligenschein bekommen.

Und übrigens, Obelix hätte nur weiter suchen müssen, denn wir finden sie zu guter Letzt doch noch – Wildschweine.

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