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Serpentinenstraßen führen uns hoch, vorbei an schönen Küsten- und Strandabschnitten. Viele Radfahrer erschweren das Vorwärtskommen, aber die sind noch harmlos gegen die zwei Busse, denen wir bis auf den Pass der Les Calanches nachzockeln müssen. Dafür schaufeln sie uns aber auch den Weg frei, als an den engen Passagen der Verkehr zum Erliegen kommt. Parkende Autos am Straßenrand, Unmengen von Menschen, die aus den Bussen ausgestiegen sind und nun zu Fuß weitergehen bzw. ihre Fotos schießen, Radfahrer und alles, was so keucht und fleucht.

Über dem Golf von Porto hat die Natur durch Erosion skurrile Granitskulpturen modelliert und diese wilde Landschaft ist von einmaliger Schönheit. Die Orange- und Rottöne des Granits zum Kontrast des türkisenen Meeres machen Les Calanches zu einer außergewöhnlichen Landschaft. Und die möchte auf den Bildern von allen festgehalten werden. Es herrscht ein Durcheinander von Autos, Bussen und Menschen, wie bei einer Völkerwanderung. Die Busfahrer bestimmen dabei das gesamte Geschehen. Die einzig Glücklichen sind die Moped- und Radfahrer, denn die können sich bei diesem Chaos wie bei einem Hindernislauf durch wurschteln. Aber egal, aufgrund der Stehzeiten zwischendurch kommen auch wir zu unseren Fotos und irgendwann schaffen auch wir es in Porto anzukommen.

Unser erster Weg führt uns zur Marina, wo wir eine Bootsfahrt für den gesamten Nachmittag buchen. Dann muss für das leibliche Wohl gesorgt werden und da widmen wir uns heute den Fischen: Fischsuppe, Meeresfrüchtesalat, Spaghetti fruit de mer.

Um 14:30 Uhr legt das Boot ab und schon nach einem kurzen Stück kurvt der Bootsführer nahe an das rote Gestein. Erst in der Nähe kann man die vielen Tafoni (korsisch „große Löcher“) sehen, die in vorgeschichtlicher Zeit als letzte Ruhestätte für die Toten benutzt wurden. Heute dienen sie als kurzfristigen Unterstand für die Wanderer und Vögel. Bizarre Formen und das Spiel von Licht und Schatten animieren dazu überall Figuren und Geister hinein zu interpretieren.

Wir schippern auch an das Naturschutzgebiet Scandola heran, das 1983 von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt wurde. Erosionen durch Wind und Meerwasser haben grandiose Landschaften hervorgebracht, wie zum Beispiel Grotten, hohe Spalten, Felsnadeln und spitze Bergkuppen. Die Felswände sind teilweise mit Myrte bewachsen und Fischadler bauen hier ihre Horste. Der Boots-führer zeigt uns an den Ausläufern der Felsen die wunderschönen, blauen Kaninchenfische, die wir durch das klare Wasser gut erkennen können.

Das Boot legt kurz am Plage von Girolata an, einem kleinen Dorf auf einem Felsvorsprung, das von einer Festung mit rechteckigem Turm überragt wird. Wir genießen ein gemütliches Pietra-Bier mit Blick auf das Meer, als plötzlich jemand ruft „deux vaches sur la plage“. Ja, in der Tat, da trotten doch tatsächlich zwei Kühe gemütlich über den Strand. Mal sehen, ob sie ein lauschiges Plätzchen für ein Sonnenbad finden.

Beim zweiten Teil unserer Fahrt dreht das Boot in die andere Seite der Bucht und steuert das Capo Rosso an. Hier leuchtet das Gestein im Abendlicht wie Gold und alle sind fasziniert von dieser Eleganz. Je länger wir um die Felsformationen kreisen, umso intensiver wird mit der untergehenden Sonne die Leuchtkraft.

Ein wirklich toller Tag neigt sich dem Ende. Wir riskieren es und fahren dieselbe Strecke zurück und am Pass werden wir mit einem spektakulären Sonnenuntergang belohnt.

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