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Heute ziehen wir in Bastia bei Joëlle aus und das ist auch gut so. Eine Woche mit kaum Schlaf, weil die Nachbarn und Lieferanten das Ihrige dazu taten, das zehrt schon ordentlich. Das Stiegenhaus hat mich auch im Traum verfolgt und die nächtliche Gerangel um Platz im Bett… Als Draufgabe dürfen wir zum Abschluss noch die Wohnung reinigen und wenn „wir es nicht mehr schaffen, den Fußboden aufzuwischen, dann ist es auch nicht so schlimm“. Die gute Dame ist wirklich durchgeknallt!

Ein neuer Tag – ein neues Ziel wartet auf uns. Die sieben Sachen sind schnell zusammengepackt, über die Todesstiege wieder hinunter gehievt, aus der engen Gasse gefahren und dann sind wir auch schon en route.

Bei Ponte Lecchia biegen wir ab ins Vallée de l´Asco, ein romantisches Tal, das von reißenden Wildbächen gegraben wurde. Es bietet mit seinen Wäldern und Schluchten den Lebensraum für eine vielfältige Fauna und endemische Arten wie dem Bartgeier und dem Mufflon (eine Unterart des Wildschafs).

Wir kommen bei einem Menschenauflauf vorbei, der sich beim langsamen Vorbeifahren als ein Rudel Jäger mit drei erlegten Wildschweinen entpuppt.

Die Straße führt vorbei an senkrecht abfallenden Felshängen auf der einen Seite und dem teilweise ausgetrockneten Flussbett auf der anderen Seite. Wir schlängeln uns die wildromantische Strecke hoch, die zuerst spärlich, aber dann mit prächtigen Kiefern bewaldet ist.

In Asco, dem einzigen Dorf im Tal, machen wir kurz Halt. Hier haben zwei Bars an der Einfahrt für die Touristen geöffnet, sonst herrscht tote Hose. Außerdem merkt man schon die Nachsaison, viele Restaurants und Sehenswürdigkeiten haben mittlerweile nicht mehr geöffnet.

Wir biegen bei der Dorfausfahrt ab auf ein schmales Wegerl, das in die Schlucht hinunter führt und  finden dort eine schöne alte genuesische Brücke vor, die den glasklaren Fluss überspannt. Weiter des Weges kommen wir an zahlreichen Bienenstöcken vorbei und nicht genug der Tiere – über uns kreisen wieder die Greifvögel und neben der Fahrbahn sind wieder zahlreiche Mutterkühe mit ihren Babykühen unterwegs.

Mittlerweile haben wir eine Höhe von 1.900 m erreicht. Der anfangs lichte Baumbestand wird dichter und besteht hier vorwiegend aus korsischen Schwarzkiefern. Wir fahren an zwei Radfahrern vorbei, die sich plagen, die gewundene, steil ansteigende Straße hoch zu strampeln. Hut ab, aber verstehen tun wir diese Tortur nicht wirklich, zumal sie schlecht ausgerüstet sind.

Am Ende der Schlucht, dem Haut-Asco, befinden sich nur Unterkünfte und Restaurants für die Wanderer. Hier soll es sich angeblich auch um ein Schigebiet handeln. Die Piste finden wir, aber der Lift dazu bleibt verschollen. Is eh wurscht, wir tun es den anderen Touristen gleich und setzen uns gemütlich an einen Tisch und genießen das Leben! Die Aussicht ist einfach ein Traum, die Berge wirken so nahe, als wären sie greifbar.

Etwa eineinhalb Stunden später, wir rollen den Berg wieder hinunter, begegnen uns die beiden Radfahrer wieder. Die T-Shirts sind sichtbar waschelnass, die Köpfe hochrot und von Motivation ist auch nichts mehr zu sehen. Wäre interessant, ob sie es doch noch schaffen bis ans Ende der Schlucht? Wir werden es wohl nie erfahren.

10 km bevor wir wieder nach Ponte Lecchia kommen, parken wir unser Auto am Straßenrand, schlüpfen in unsere Badesachen und gehen in die Schlucht, um im kühlen Nass ein wenig zu plantschen. Es ist 17:00 Uhr und es hat noch 28°, da ist das gerade das richtige. Danach aalen wir uns ein wenig auf den warmen Felsen. Das Wasser plätschert meditativ neben uns, aber sch…, davon muss ich immer aufs Klo!

So, jetzt müssen wir Meter machen, denn bis Ajaccio sind es noch einige Kilometer bzw. Fahrtstunden. Die Strecke bis Corte ist straßenmäßig angenehm zu fahren, aufgrund breiter Fahrstreifen und wenig Verkehr. Auffallend sind die vielen zweisprachigen Straßenschilder, bei denen von Nationalisten die französische Bezeichnung mit schwarzem Lack übersprüht wurde.

Kurz vor 19:00 Uhr erreichen wir unser neues Zuhause für die nächste Woche in Ajaccio. Lina Casanova empfängt uns herzlich und wir fühlen uns von der ersten Minute an sehr wohl. Unser kleines Reich ist wunderschön, geschmackvoll eingerichtet und mehr als toll ausgestattet. Beim Empfangstrunk unterhalten wir uns aus einem Mischmasch von Englisch und Französisch und  haben viel Spaß dabei. Wir lernen den Rest der Familie kennen und besser gesagt, fast den Rest, denn der weiße Kater „Diesel“ ist noch unterwegs. Mal sehen, wann der noch vorstellig wird. Laut Beschreibung im Internet soll es hier „très calme“, also sehr ruhig sein und das werden wir jetzt mal testen. Also, bonne nuit!

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