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Vom schönen Wetter, das uns Frankfurt gezeigt hat, ist heute nichts übrig geblieben. Nieselregen und ein verhangener Himmel wird geboten. Also ist Schlechtwetterprogramm angesagt. Wir könnten laut Idee der Tourist Info in Bispingen Schifahren im Snow Dome – einer Indoor-Schipiste (hi, hi – Österreicher, die im Sommer in Deutschland Schi fahren – sonst geht’s noch?) oder Cart fahren auf Ralf Schumachers Cart Bahn. Zuvorkommend bietet uns die nette Dame Unmengen von Flyern und versorgt uns mit allerlei Infos. Wir sammeln erst mal einen Stapel Prospekte und Wanderkarten – wir werden sicher was finden!

Dann machen wir uns auf den Weg durch kleine Dörfer, deren Einwohner von der Landwirtschaft leben. Wir passieren dabei große Kartoffel-, Fenchel-, Zuckerrüben- und Maisfelder, die sich mit Pferdekoppeln und Wald abwechseln. Der Duft passt zum ländlichen Flair und die Straße müssen wir mit den Traktoren und Mähfahrzeugen teilen. Die flache Gegend ist außerdem reich bestückt mit vielen Windrädern.

Zwischen Wäldern und Wiesen liegt das Dorf Hösseringen, in dem es keinen Durchgangsverkehr gibt, denn es enden hier alle Straßen. Im nahegelegenen Museumsdorf wird gezeigt, wie in der Lüneburger Heide in den letzten 400 Jahren gewohnt und gewirtschaftet wurde. 26 originalgetreu wiederaufgebaute Gebäude, herrlich im Wald gelegen, sind schön angeordnet. Unmittelbar nach dem Eingang wird die Bauweise des Schweinestalls erklärt und um das Ganze authentisch wieder zu geben, leben zwei getupfte Bentschweine darin.

Sie wühlen in der Erde und streiten sich um die Eicheln. Da hilft das gute Zureden und Streitschlichten unsererseits leider nix. Daher setzen wir den Weg fort und betrachten die aus Fachwerk mit Lehmwänden gebauten Scheunen, wo Stroh und Traktoren Unterschlupf finden. In einer davon befindet sich eine tolle Ausstellung über die Milch. Viele Ausstellungstücke und Bild- und Tonmaterial machen das Thema sehr interessant und lebendig. Außerhalb des Schuppens befindet sich ein schöner Spielplatz für die Minibauern mit großem Sandplatz, Holzpferden und einem echten Traktor.

Gegenüber protzt das Kötnerhaus von 1596, ein reich verziertes Fachwerk-Hallenhaus, wo Mensch und Tier unter einem Dach lebte. Ziermauerwerk und bleiverglaste Fenster zeigen den Reichtum des Bauern. Das Imkerhaus gegenüber ist ein Gustostückerl, denn es beinhaltet noch die Originaleinrichtung. Das Haus wurde mittels Ganzteiltranslozierung (ein spezielles Verfahren der Gebäudeversetzung) hierher gebracht und wieder aufgebaut. Das Innere erweckt den Eindruck, als hätten die Bewohner gerade eben das Haus verlassen.

Mit hübschen Holzzäunen oder Mauern aus Findlingen sind die Häuser voneinander abgetrennt. So auch die Schmiede, in der viele alte Gebrauchsgegenstände, wie Wetterfahnen, Maueranker oder Wagenbeschläge ausgestellt sind. In einem Arbeitsbuch kann man lesen, welche Arbeiten der Schmied früher verrichtet hat: Schaufel zusammen geschweißt, Schnupftabakdose repariert oder etwas kurioser, Geburtszange entrostet. Früher mussten die Schmiedelehrlinge Lehrgeld bezahlen und erst 1839 wurde festgesetzt, dass Gesellen sich einer Prüfung unterwerfen sollen. Zuvor gab es  die Lossprechung durch den Lehrherrn.

Wir erreichen den kleinen Heide-Rundweg, nur dass von dieser Heide leider nicht mehr viel übrig ist. Wir lernen von einer Infotafel, dass früher die Heidebüsche mit einem Art hölzernen Klopfer geplaggt  wurde (Abtragen der obersten Schicht) und dieses Material dann zum Füttern der Schnucken oder als Streu verwendet wurde. Von daher kommt auch das Wort Plackerei. Heute wird das nicht mehr gemacht, sondern die zu hoch gewordene Heide abgebrannt. Das ist wichtig, damit die Büsche nicht verholzen und junges Gebüsch nachwächst.

Das letzte Haus ist der Brümmerhof, ein riesiger Hallenbau von 1644 mit einem beeindruckenden Fachwerkbau und tollem Schnitzwerk. Der Reichtum wird auch hier gezeigt durch die Verwendung von teuren Backsteinen und großen Fenstern. Die Möblierung lässt das Leben und Werken zur damaligen Zeit gut vorstellen.

Abschließend gönnen wir uns gleich gegenüber im Landgasthaus am Landtagsplatz noch Kaffee und Buchweizentorte mit Preiselbeeren. Es hat den ganzen Tag ausgehalten und keinen Tropfen geregnet und daher sitzen wir dank Jack Wolfskin Jacken im Gastgarten und genießen!

Da noch Zeit bleibt, machen wir einen Abstecher nach Uelzen. Es ist die drittgrößte Stadt in der Heide, wurde 1945 heftig bombardiert und deshalb ist von der alten Bausubstanz nicht mehr viel zu finden. Die Attraktion ist der Hundertwasser-Bahnhof und den möchten wir uns als Liebhaber dieses Künstlers ansehen. Zuerst muss aber ein Parkplatz her. Der Wink des Schicksals führt uns direkt zur Parkgarage am Bahnhof und während wir so den Parkautomaten studieren, spricht uns eine Dame an und schenkt uns ihr Parkticket, das sogar noch bis morgen gültig ist. Der Bahnhof Uelzen ist das letzte Werk von Friedensreich Hundertwasser und wurde im Jahr 2000 eingeweiht. Seiner Linie treu geblieben leuchten auch hier goldene Kugeln und fröhliche Farbigkeit der verschiedenen Keramiksäulen. Es gibt keine geraden Linien oder ebene Flächen und im Inneren bezaubern tolle Mosaike. Die besondere Atmosphäre wird durch Lichtinstallationen noch betont und macht das Gesamtkunstwerk einmalig.

Der Weg vom Bahnhof in die Innenstadt ist geschmückt mit bis zu 3m hohen bunt bemalten Granitblöcken, inspiriert von alten Mythen und Indianerkunst. Sie sind nicht zu übersehen, denn die tollen Motive und Farben lenken schon von weitem die Aufmerksamkeit auf sich. Wir gelangen in den historischen Stadtkern mit der St. Marien Kirche (ist aber schon geschlossen). Daneben treffen wir auf einen sagenhaften Glückbringer, den bronzenen „Uhlenköper“. Er hält ein Goldstück in seiner Hand und laut einer Sage heißt es, wer daran reibt, dem geht das Geld in seiner Tasche nie aus. Na, das probieren wir gleich mal aus! Fragt sich nur, wann das Ergebnis bemerkbar sein wird? Wir drehen unsere Runden weiter durch die Stadt und bewundern die tollen Fachwerkhäuser.

Das Alte bürgerliche Brauhaus betrachten wir dann auch von innen, denn der Name verspricht schon einiges. Die urig gemütliche Bürgerstube ist Treffpunkt für Jung und Alt, die sich bei einem frisch gezapften Bier das herzhafte Essen schmecken lassen. Die Herzlichkeit der Leute nimmt heute kein Ende. Es ist eigentlich kein Platz mehr frei, da räumt die Kellnerin ein Reserviert-Schild weg und sagt, dass wir „schnell bestellen sollen und dann langsam essen“. Sie gibt in der Küche Bescheid, dass unsere Bestellung vorgenommen wird, denn eine Reisegruppe stellt sich schon an. Mit Freude und Schmäh serviert sie flink Essen und Getränke. Wir verputzen restlos alles, obwohl es uns schon halb zerreißt. Wir wollen nicht wie die Gäste am Nebentisch „geschimpft“ bekommen, das der halb leere Teller morgen eine Stunde Regen ergibt. Anmerkung: Wir haben aufgegessen und trotzdem prasselt der Regen nur so herunter, als wir spätabends das Lokal verlassen.

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