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Ein Gockel aus der Nachbarschaft dürfte ein Frühaufsteher sein, denn heute kräht er uns schon um 05:30 Uhr aus den Betten. Da uns das aber ein wenig zu früh ist, drehen wir uns noch einmal um und schlafen noch eine Runde.

Als wir den Vorhang dann wegziehen, präsentiert sich das Wetter von seiner schönsten Seite. Blauer Himmel und klare Sicht bis zum Pico Ruivo. Wie wunderschön!

Auf der Fahrt nach Funchal erkennt man auf den Straßen die Touristen schon am Fahrstil. Sie nehmen die kurvigen Straßen um einiges langsamer. An den Autos selbst würden sie nicht auffallen, denn auch die Einheimischen sind mit kleinen Autos unterwegs.

Unser erstes Ziel, der Botanische Garten, ist leider nicht so leicht zu finden, obwohl auf der Autobahn der Weg mehrmals ausgeschildert ist. Wir irren auf den schmalen Serpentinen in den Vororten von Funchal herum. Als wir schon leicht genervt sind, stehen wir  – oh Wunder – plötzlich vor den Toren des Gartens. Das Bilderbuchwetter ist nicht mit in den Süden gekommen – hier ist es bewölkt. Aber solange es nicht regnet sind wir zufrieden.

Vom Eingang führt der Weg direkt in den Bereich der Kakteen und Sukkulenten. Opuntien, größer als wir, und Säulenkakteen mit mehr als vier Meter Höhe beeindrucken uns schon sehr. Fächeraloen mit prächtigen Blüten in Ausmaßen, wie wir sie noch nie gesehen haben. Zuhause haben wir auch einige im Topferl, aber die sind im Vergleich wie Ameisen. In einem anderen Teil des Gartens wurden wunderschöne Bilder aus  verschiedenen farbigen Bodendeckern gestaltet. Von dort bietet sich auch ein weiter Ausblick über Funchal.

Heimelig fühlen wir uns im großen Kräutergarten. Gleich daneben wachsen Bananenstauden, Feigenbäume und die Papayas hängen von den Bäumen. Den unteren Teil dominiert ein Papageienpark. Viele Arten von Lorries und Sittichen, so bunt, wie Kinder sie in ihrer Naivität malen. In einem Käfig sitzen zwei Papageien, die die vorbei gehenden Touristen anquatschen. Es ist wirklich lustig, wie sie einzelne Wörter nachreden oder sonst was antworten. Auf jeden Fall machen sie einen Höllenlärm mit ihrem Geplapper und Gekreische

Nicht weit davon entfernt, finden wir das nächste Highlight. Ein Pfau präsentiert sich von seiner schönsten Seite. Mit aufgedrehtem Gefieder stolziert er herum, als wäre er bei Heidi Klum und müsste mit den “Germanys next Topmodels” konkurrieren. Ein paar Schritte weiter macht es ihm ein komplett weißer Pfau nach. Wer ist der schönste hier im Land?

Vom botanischen Garten aus erreichen wir die Seilbahn nach Monte. Etwa eine Viertelstunde schweben die Gondeln über Wälder mit Eukalypten, gelb blühenden Mimosen, riesigen Opuntien und Aloen. Die Wolken hängen mystisch die Berghänge herab.

Dass es etwas kühler geworden ist, merken wir erst, als wir aus der Gondel aussteigen.

Die Wallfahrtskirche ist erreichbar über eine große Freitreppe mit 70 Stufen  (ich habe sie gezählt). Der Eingang der Kirche wird verziert von zwei Kachelbildern mit biblischen Szenen. Das Innere wirkt auf uns sehr einladend. Im Gegensatz zu den anderen Kirchen, die wir bisher gesehen haben, ist sie sehr hell, ja sogar bunt. Der Altarraum ist in hellblau gehalten und die bemalte Holzdecke in Blau- und Rottönen. Unmengen von weißen Lilien schmücken die Kirche und verströmen ihren Duft.

Gedränge herrscht in der Seitenkapelle. Dort befindet sich der Sarg des letzten österreichischen Kaisers. Karl I. wurde 1918 in die Verbannung geschickt, weil er nicht abdanken wollte. Drei Jahre später, am 1. April, verstarb er auf Madeira an den Folgen einer Lungenentzündung. Eine Rückführung nach Österreich verweigert die Bundesregierung bis heute. Zum 50. Todestag ließen die Habsburger in der Kirche von Monte eine Seitenkapelle errichten.

Unterhalb der Wallfahrtskirche startet Madeiras witzigstes Transportmittel, die Korbschlitten. Sie waren früher das einzige Verkehrsmittel von Monte nach Funchal hinunter. Heute werden die 2,5 Kilometer nur noch als Touristenattraktion gefahren – und das für stolze 30 Euro! Vom Preis abgesehen, ich würde da niemals einsteigen, denn mir wird beim Zusehen schon ganz übel. Zwei sogenannte Correios sausen mit dem Schlitten den Berg hinunter und plötzlich kommt ein Auto um die Kurve. Das Auto weicht aus, der Schlitten bremst und von den Insassen des wilden Gefährts kommt ein  Aufschrei. Das wäre mir zu viel Nervenkitzel. Kann man nur hoffen, dass die beiden vor der Fahrt nichts gegessen haben!

Apropos Essen – wir schauen uns kurz die Speisekarte des Restaurants an, das direkt an der Straße liegt. Da die Preise normal sind, beschließen wir, hier zu bleiben im “Restaurante Belomonte”.

Es ist sehr urig hier drin und wir bekommen einen Platz fast direkt am Fenster mit Blick auf die Kirche. Beim Durchlesen der Speisekarte zerreißt es mich vor Lachen, denn die Übersetzungen sind echt kabarettreif! Der berühmte Lorbeerspieß mit Rindfleisch wurde zum “FleischamspieB mit LorbeerspieB”. Wem das nicht zusagt, es gibt auch “Beefsteak mit Eis und Pommes Frites” – diese Kombination muss auch sehr interessant schmecken. Da Wolfgang sich schon mit mir schämt, weil mein Lachanfall nicht mehr zu bremsen ist, nimmt er mir die Karte weg. Ich bestelle mir wieder den schwarzen Degenfisch mit der gegrillten Banane. Das Fleisch und der Fisch schmecken ganz gut, aber das Gemüse und die Kartoffeln sind tot gekocht. Na ja, satt geworden sind wir trotzdem.

Auf dem Weg von der Kirche und der Seilbahnstation befinden sich die Monte Palace Tropical Gardens auf 70.000 m2 Fläche. Die zehn Euro Eintritt sind schon etwas happig, aber es ist ja ein riesiges Gelände und es gibt viel zu bestaunen. Gleich nach dem oberen Eingang wächst ein Olivenbaum, der 300 v. Chr. von den Römern gepflanzt wurde. Rundherum blüht und duftet der Lavendel und große Terracottavasen vervollkommnen das Bild. Über Treppen geht es hinunter und im Nu befinden wir uns im Orient. Zwei Gärten wurden mit chinesischen und japanischen Elementen, wie Statuen, Buddhas, Portale, Brückerl,  Wasserfälle und einem Koi-Fischbecken gestaltet.

Eine der bedeutendsten Kachelsammlungen Portugals befindet sich hier inmitten der tropischen Vegetation. Sie stammen aus Palästen, Kirchen und auch aus Privatbesitzen und repräsentieren mehrere Jahrhunderte.

Sie beschreiben Ereignisse aus der Kultur, Gesellschaft und der Religion. Teilweise steht die Gartenarchitektur im Vordergrund, an anderen Stellen die botanischen Gesichtspunkte. Über 100.000 Pflanzen sind seit der Entstehung des Gartens im Jahr 1991 schon gepflanzt worden. Prächtige Königsprotesas, Strelitzien, Callas oder Clivias finden unsere Bewunderung. Auch alter Baumbestand, Farne, Palmen, aber auch Rhododendren haben ihren besonderen Reiz. Mitten im Park thront ein Schlösschen in dessen Innerem diverse Ausstellungen vorhanden sind. Hinter dem Gebäude plätschert ein künstlich angelegter Wasserfall in einen großen Teich. Hier tummeln sich viele Schwäne. Nicht weit entfernt steht die größte Vase der Welt. Sie wurde designet und hergestellt in Südafrika. Mit ihrer Höhe von 5,345 Meter und 555 kg Gewicht kam sie 1992 ins Guinness Buch der Rekorde.

Nach 17:00 Uhr verlassen wir den Garten. Spontan entscheiden wir uns, auf der Rückfahrt Camacha zu besichtigen, das Zentrum der Korbflechterei. Der Ort thront auf einem fast 700 m über dem Meeresniveau gelegenen Bergrücken. In den umliegenden, feuchten Tälern wachsen die kleinen Korbweiden, aus denen die Bewohner Möbel und andere Gegenstände flechten. Von diesem Handwerk lebt ein Drittel der Bevölkerung, meist  ganze Familien. Die Männer schneiden im Frühjahr die Ruten, die dann gekocht oder wochenlang eingeweicht werden. Das Flechten erfolgt dann in Heimarbeit.

Kilometermäßig liegt der kleine Ort nicht weit von Funchal entfernt, aber die Fahrt erscheint unendlich lange aufgrund der kurvigen Strecke. Kurz vor Erreichen unseres Zieles tauchen wir in eine dicke Wolkendecke ein und diese bleibt uns auch eine Zeitlang erhalten.

Hauptanziehungspunkt in Camacha ist das Café Relógio. Es beherbergt eine Korbflechterwerkstatt, Ausstellungs- und Verkaufsräume für Korbarbeiten. Im Untergeschoß kann man werktags den Flechtern beim Arbeiten zusehen. Da es heute aber schon zu spät ist, sind nur noch zwei Arbeiter da. Doch die zeigen auch zu später Stunde ihre Kunst. Wir erstehen einen geflochtenen Mini-Weindekanter als Souvenir und dann machen wir uns auf den Weg ins Hotel.

Die Fahrt durch die bergige Landschaft ist für uns ein abschließendes kleines Highlight des Tages. Die Berghänge leuchten schon von weitem durch den blühenden Ginster in hellem Gelb und am Straßenrand wächst die orange Kapuzinerkresse. Das Fahren ist aber sehr anstrengend, denn dauernd müssen wir parkenden Autos und Lastwagen ausweichen. In den Tunnels vor Santana schleicht dann noch ein LKW mit 20 Km/h vor uns her. Aber irgendwann kommen auch wir ans Ziel.

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