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Nach einer wohltuenden Nacht stehen wir um halb acht Uhr morgens auf und eine Stunde später sitzen wir bei einem Frühstücksbuffet wie im Schlaraffenland.

Der Himmel ist bedeckt mit Wolken und es sieht sehr regnerisch aus – mal sehen, was daraus noch wird. Für unsere ersten Ziele brauchen wir noch keinen Sonnenschein, denn wir beschließen, uns einen Teil der längsten Kunstgalerie der Welt anzusehen – nämlich die U-Bahn. Die Hälfte der 99 Stationen sind mit Skulpturen, Mosaiken oder Gemälden versehen. Mehr als 70 Künstler steuerten ganz unterschiedliche Werke bei (Baubeginn waren die späten 40er Jahre). Der Höhepunkt ist die Linie nach Akalla, Station Solna Centrum: an den Wänden hinter den Gleisen erheben sich vor rotem Hintergrund grüne Hügel und Wälder. Man sieht einen Mann mit Akkordeon, eine Tankstelle, einige Elche, ein altes Flugzeug, das eine Rauchfahne hinter sich herzieht, einen Lastwagen, der einen Hügel hochfährt und vieles andere mehr. Das Werk wurde 1975 fertiggestellt. Wir gehen die Gleise auf und ab und schießen ein Foto nach dem anderen. Die wartenden Leute beobachten uns ein wenig verständnislos. Für die Einheimischen ist das nichts besonderes mehr, da finden diese Malereien kaum mehr Beachtung.

Es ist kurz vor Mittag, als wir beim Vasamuseet ankommen. Schon im Kassenraum ist dämmriges Licht aufgedreht und nachdem wir die Drehtür in den Ausstellungsraum durchschritten haben, stehen wir direkt vor der Vasa – einem riesigen Dreimaster: 61 Meter Länge, 12 Meter Breite!

In unseren kühnsten Vorstellungen haben wir nicht so ein gewaltiges Schiff erwartet. Die mystische Beleuchtung erzeugt die richtige Stimmung dazu. Auf mehreren Etagen gehen wir rund um das Schiff. Außerdem werden auf einer großen Fläche Ausstellungen angeboten, um Einblick in das Leben auf einem Schiff des 17. Jhdts. zu bekommen. Ein sehr interessanter Film informiert über die Geschichte, Bergung und Rekonstruktion des Schiffes. Die Vasa wurde um 1625 auf Befehl von König Gustav II Adolf gebaut, der es im Dreißigjährigen Krieg einsetzen wollte und es nach Gustav Vasa, dem Begründer der Dynastie, benannte. Heck und Bug waren mit Blattgold belegt, die Kanonen aus Bronze gefertigt, und etwa 700 Statuen und Holzschnitzereien zierten dieses prächtige Schiff. 1628 standen König, Hofstaat und das Volk für den Stapellauf bereit, und die Geschützklappen wurden für die Salutschüsse zu Ehren des Königs geöffnet. Doch dann wurde das Schiff von einer Bö erfasst. Mit 1.400 Tonnen Gewicht (massive Eiche) war es zu schwer – es neigte sich, durch die Geschützklappen drang Wasser ein und das stolze Schiff sank mit Mann und Maus. Etliche Versuche wurden gestartet, um die Vasa zu heben, doch alle scheiterten und man vermochte nur 54 ihrer Kanonen zu bergen. Vor lauter Resignation geriet sogar die Position des Schiffes in Vergessenheit.

So lag das Schiff auf Grund, bis 1956 der Meeresarchäologe Anders Franzén das Wrack erneut ausfindig machte und über Jahre hinweg einen Plan ausarbeitete, wie das Schiff am besten zu bergen sei. 1961 tauchte es dann tatsächlich wieder aus den Fluten auf. Die langwierigen Restaurationsarbeiten konnten beginnen. Über 24.000 Fundstücke wurden geborgen, darunter Skelette, Segel, Kanonen, Kleidung, Werkzeuge, Münzen, sogar Butter und Rum und des weiteren viele Gebrauchsgegenstände. Darüber hinaus fand Franzén zahlreiche Einzelteile des Schiffes, die nummeriert und registriert wurden, sodass man die Vasa in den nächsten 25 Jahren in mühevoller Kleinarbeit rekonstruieren und in altem Glanz erstrahlen lassen konnte.

Die drei Stunden, die wir im Museum verbringen, vergehen rasend schnell. Bevor wir uns wieder auf den Weg machen, gönnen wir uns noch ein köstliches Sandwich (ca. EUR 4,- pro Stück – deshalb genießen wir jeden Bissen doppelt!)

Ein nicht allzu langer Spaziergang führt uns nach Skansen, das erste Freilichtmuseum der Welt. Der 300.000 m2 große Park wurde 1891 von Arthur Hazelins gegründet. Über 150 charakteristische Gehöfte, Häuser und Werkstätten aus ganz Schweden wurden zusammengetragen, um die Lebensweise von damals zu dokumentieren. Historisch kostümierte Darsteller „bewohnen“ die Dörfer und führen altes Handwerk vor. Da gibt es einen Münzpräger, in einem anderen Haus sehen wir einem Glasbläser bei seiner Arbeit zu. Vor der Bäckerei können auch wir dem herrlichen Duft nicht widerstehen und erstehen süßes Gebäck. Sehr schnell hat sich unter den Raben herumgesprochen, dass es bei uns ein paar Brösel zu holen gibt, denn sie zeigen keinerlei Scheu und setzen sich neben uns auf den Zaun auf Beobachtungsposten. In der Seglora Kyrka von 1730 aus Västergötland werden aufgrund ihres pittoresken Inneren heute noch Hochzeiten und Taufen abgehalten.

Am nördlichen Ende des Parks befindet sich ein Zoo mit skandinavischer Tierwelt (Rentiere, Elche) und ein Streichelzoo für die Kinder. In einem Gehege streiten sich die „Miniziegen“ und springen auf ihren Hinterfüßen stehend, aufeinander zu – zur großen Freude der kleinen Besucher.

Auf einer Bank verweilen wir dann fast eine Stunde, da uns die Füße wieder ordentlich brennen und sich auch schon Rückenschmerzen bemerkbar machen (ja, wir sind doch nicht mehr die jüngsten…). Die großartige Aussicht auf einen Teil der Stadt entschädigt uns für die Unannehmlichkeiten. Die Sonne ist im Laufe des Tages schön warm geworden und kitzelt uns im Gesicht –was will man mehr.

Bevor wir Skansen verlassen, genießen wir noch eine süße Waffel mit Vanilleeis als Belohnung für das brave Marschieren!

Gleich neben dem Ausgang des Parks befindet sich das Biologiska Museet, ein Holzgebäude von 1897. Es ist im altnordischen Stil erbaut; eine kleine Schindel reiht sich an die andere. Ein wunderschönes geschnitztes Portal ziert den Eingangsbereich des Museums.

Wir müssen nicht lange auf den Bus warten, mit dem wir diesmal in den modernen Teil Stockholms fahren, vorbei am mächtigen Kungliga Teatern (Königliches Dramatisches Theater), das eine schöne Fassade aufweist. Das Theater wurde 1773 gegründet.

Mitten in das Zentrum der modernen City, im südlichen Norralm, hat man den Sergels Torg gebaut – ein großer runder Springbrunnen, aus dem sich ein Glasobelisk erhebt. Er ist benannt nach dem bedeutenden Bildhauer Tobias Sergel (1740 – 1840).

Eine Bank lädt uns zum Verweilen ein und wir genießen ein wenig die Abendsonne.

Danach spazieren wir ein Stück die Drottningsgåtan, eine Shoppingmeile, entlang. Die Geschäfte haben mittlerweile schon geschlossen, sodass sich die Menschenmassen ein wenig gelichtet haben.

Mit bleiernen Füßen schlendern wir noch die Hamngåtan entlang und am Ende eines Parks finden wir die „ewige Baustelle“ von K. Bejemark. Da guckt ein metallener Arbeiter aus einem Kanalschacht. Gesichert ist der Kerl mit einer Absperrung, so lebensecht, als wäre es eben eine wirkliche Baustelle. Echt lustig anzusehen!

Mit Bus und U-Bahn fahren wir gegen 20:00 Uhr zum Hotel zurück. Zur Belohnung für diesen anstrengenden Tag möchten wir noch in die hoteleigene Eisbar gehen – ein Raum, ausgestattet mit Bar, Tische und Hocker aus Eis, nachgeahmt dem berühmten Eishotel im Norden Schwedens. Da muss man sich warme Schuhe, Mantel und Handschuhe anziehen und die Drinks gibt es in Bechern auch aus Eis. Wäre witzig gewesen, doch als wir den Eintrittspreis lesen, vergeht uns das Lachen: SEK 125,- (ca. EUR 12,-) pro Person – die Drinks sind da noch nicht eingerechnet! Wir belassen es beim Zusehen, wie sich einige „geldige“ Touristen dem eiskalten Spaß hingeben.

Nach einer kurzen Pause und dem täglichen Kneippbad für die Füße heißt es Taschen packen, denn morgen Nachmittag fliegen wir in den Norden Schwedens. Dann geht unsere Rundreise erst richtig los.

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