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Die Fahrt nach Trondheim ist schnell geschafft und eine Parkgarage in der Nähe der Altstadt finden wir auch auf Anhieb. Es hat wohlige 21 Grad und die Sonne zeigt sich auch von ihrer schönsten Seite.

Vor 1.000 Jahren war Trondheim, das damals noch Nidaros hieß, die Hauptstadt Norwegens, gegründet 997. Trotz aller Modernität hat sich die Stadt viel vom Charme der Vergangenheit bewahren können, was besonders in der auf einer Insel zwischen dem Nidelv-Fluß und dem Trondheimfjord gelegenen Altstadt deutlich wird.

Die hübsche rote hölzerne Zugbrücke Gamle Bybru stammt aus dem Jahr 1861 und führt hinüber nach Bakkland, wo im 19. Jhdt. ein Arbeiterviertel mit kleinen bunten Holzhäusern entstand. Gleich daneben am alten Kai im Hafen spiegeln sich die mehrstöckigen hölzernen ehemaligen Kaufmanns- und Lagerhäuser im Wasser.

Wir genießen eine Weile das schöne Bild, bevor wir zur Krönungskirche Norwegens, dem Nirdarosdom spazieren. Die Kathedrale war seit der Beendigung ihres Baus Ende des 14. Jhdts. eine wichtige Pilgerstätte, zu der Gläubige aus ganz Skandinavien strömten. Das Ende dieser Wallfahrten kam mit der Reformation, und nachdem im Jahr 1537 der Erzbischof von Nidaros abgesetzt worden war, wurde die Kirche dem Verfall preisgegeben. Auch das Grab des Heiligen Olav haben übereifrige Reformatoren so gründlich dem Erdboden gleichgemacht, dass man es bis heute nicht wiedergefunden hat. Erst mit dem neuerlichen Erwachen norwegischen Nationalstolzes im 19. Jhdt. begann man mit dem Wiederaufbau des Doms. So fällt es heute nicht leicht zu sagen, was an der wuchtigen Kathedrale noch alt und was im 19. Jhdt. neu hinzugekommen ist. Wir sind aber trotzdem sehr beeindruckt von der Gewaltigkeit. Die Westfassade ist verziert mit 75 Skulpturen und über dem Haupteingang befindet sich eine prächtige farbige Glasrosette.

Bis zur Reformation war der Nidarosdom auch die Krönungskirche für die norwegischen Könige, und nach dem Ende der Union mit Dänemark lebte diese alte Tradition wieder auf. Sogar die schwedischen Könige, die Norwegen von 1814 bis 1905 regierten, kamen nach Trondheim, um sich die norwegische Krone aufs Haupt setzen zu lassen. In jüngerer Zeit allerdings sieht man in Norwegen eine Krönung als nicht mehr zeitgemäß an, sodass der regierende König Harald V. 1991 bei einer feierlichen Zeremonie im Nidarosdom lediglich gesegnet wurde. Seit 1988 kann man hier in einer Seitenkapelle auch die norwegischen Kronjuwelen besichtigen.

Nachdem wir im Inneren von einer deutschen Führung viele Informationen über die Könige und die Geistlichkeit erfahren haben, besichtigen wir noch die verschiedenen Nischen. Danach warten wir noch, um mit einer Aufsichtsperson den Turm besteigen zu können. Fast zweihundert Stufen müssen wir durch sehr engen Raum klettern, aber dafür belohnt eine weite Aussicht auf Trondheim für die Plackerei. Die schönen Zinnen und Wasserspeier –finster blickende Köpfe – sind zum Greifen nahe.

Nach einer Abschlussrunde um den Dom herum, spazieren wir in die Innenstadt. Wieder einmal stehen wir vor einer verschlossenen Tür, als wir die Vår Frue Kirke („Kirche unserer lieben Frau“) besichtigen möchten. So bleibt uns nur die äußere Ansicht der alten Steinkirche aus dem 13. Jhdt.

Wir holen uns von der Touristinformation einige Prospekte und ein großes Eis. Danach geht es weiter mit unserer Besichtigungstour. Stiftsgården, gebaut 1774 – 78, ist das größte Holzpalais Skandinaviens. Cecilie Christine Schöller ließ sich das große Anwesen als Residenz erbauen, in dem sie aber nie wohnte. Die Anlage umfasst ca. 140 Zimmer mit einer Wohnfläche von insgesamt 4.000 m². Stilmäßig kann man das Gebäude im Spätbarocken unterbringen, versetzt mit reichlichen Elementen aus dem Rokoko. Mit einer Führung dürfen wir einige Räume besichtigen und bekommen dabei vom Guide lustige Geschichten und Anekdoten über die Frau Geheimrätin Schöller zu hören. Sie zog 1783 nach Dänemark. Als sie drei Jahre später verstarb, erbte ihr Enkel Stiftsgården, das er 1800 an die Stadt verkaufte. Heute dient es dem König bei seinen Besuchen in Trondheim als standesgemäße Unterkunft.

Auf dem Weg zum Hafen durchqueren wir den kleinen Stadtplatz, der voll ist mit Verkaufsständen, an denen köstlich riechende Jordbæren (Erdbeeren) und Moreller (Kirschen) angeboten werden. Wären sie nicht so teuer, dann würden wir uns auch welche gönnen!

Schon von weitem sieht man die hohe gelbe Turmuhr, die im Hafenbecken steht. Reges Treiben herrscht auf dem Platzerl, das die Uhr umgibt. Die Leute sitzen auf den Stufen, um zu tratschen, sich die Sonne ins Gesicht scheinen zu lassen oder um das Essen zu genießen. Das Gekreische der Möwen komplettiert die Stimmung des Hafens. Auch wir gönnen unseren Beinen ein wenig Pause, bevor wir uns wieder auf die Straße begeben.

Am späten Nachmittag sind wir unterwegs auf der E39 in Richtung Molde. Nachdem wir schon für die Parkgarage in Trondheim ordentlich bezahlt haben, werden wir wieder zur Kasse gebeten, als wir die Brücke nach Molde überqueren – für 1.275 Meter bezahlen wir 85,- NOK!

Die Straße entlang des Fjordes wird immer schmäler und kurviger, sodass das Fahren schon sehr anstrengend ist. Wir suchen eine zeitlang, bis wir in einer Siedlung einen kleinen, primitiven Campingplatz finden, den wir – wie soll es anders sein – wieder teuer bezahlen müssen (100,- NOK). Aber wir lassen uns deswegen nicht die Urlaubsstimmung vermiesen. Nachdem wir unser Zelt aufgebaut haben, wird gekocht. Heute gibt es zwar nur Gulaschsuppe aus dem Packerl und Brot, aber es schmeckt!

Gegen 21:00 Uhr setzt sich dann die Macht der Wolken durch und eine dicke graue Decke verdeckt den Horizont. Mal sehen, wie es morgen wird.

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