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Wir werden langsam „Meister des Verfahrens“! Nachdem wir schon gestern einige Kilometer umsonst gefahren sind, geht es auch heute wieder retour statt vorwärts! Die verwirrenden Beschilderungen soll mal einer verstehen!

Wenn man glaubt, hier auf geraden Straßen direkt zum Ziel zu kommen, hat man die Rechnung ohne die Natur gemacht. Die vielen Inseln und Fjorde zwingen zu enormen Umwegen – aber in wunderschöner Landschaft.

Die geschlossene Wolkendecke, die wir frühmorgens noch gehabt haben, löst sich langsam auf und die Sonne gewinnt Oberhand.

Unser nächstes Ziel auf der Reise ist die Atlantikstraße, die zwischen Molde und Kristiansund liegt. Der Atlanterhavsvei ist eine 8.274 Meter lange Festlandsverbindung durch den offenen Atlantik zwischen den Gemeinden Averøy und Eide in der Landschaft Nordmøre. Bis in das Jahr 1909 gehen die Pläne für eine Verbindung über die Inselkette im Atlantik zwischen Averøy und dem Festland zurück. Damals gingen die Pläne allerdings von einer Eisenbahnverbindung aus. Nachdem das Auto mehr und mehr an Bedeutung gewann, verlor sich das Interesse an der Eisenbahn nach und nach, bis das Projekt 1935 endgültig zu den Akten gelegt wurde. Erst in den 70er Jahren wurde die Idee einer Verbindung wieder aufgegriffen, dieses Mal aber als Strasse. Und am 1. August 1983 begannen die Bauarbeiten. Eröffnung war am 7. Juli 1989.

Die Straße sieht auf Bildern, die aus der Luft aufgenommen sind, spektakulärer aus, als sie dann wirklich ist. Trotzdem finden wir die Fahrt lustig und bei der Rückfahrt legen wir einen kurzen Stop bei einer Raststelle ein, um die Landschaft zu betrachten. Im Meer schwimmen hunderte Fische und zwischen ihnen schweben rosa Quallen. Sie sehen sehr schön und anmutig aus, aber sie sind – wie man uns erzählt – sehr giftig.

Auf dem Weg zurück nach Molde werden wir von der Polizei aufgehalten. Sind wir etwa zu schnell gefahren oder ist es nur eine Kontrolle? Als uns der Polizist dann noch auf norwegisch anspricht, sind wir leicht verunsichert. Wir werden nach unserem Reiseziel gefragt und woher wir kommen. Dann erklärt er uns, dass die Zufahrt nach Molde gesperrt ist. Der Besuch des israelischen Premierministers Ariel Sharon ist angesagt und deshalb ist großes Polizeiaufgebot unterwegs.

An Molde vorbei fahren wir weiter auf der E64, nehmen bei Sølsnes wieder eine Fähre und erreichen am frühen Nachmittag Åndalsnes.

Die Natur zeigt sich wieder von ihrer schönsten Seite. Tiefgrüne Wiesen auf denen große Kuhherden grasen und eine Blütenpracht, farbig wie aus dem Malkasten! Und immer wieder erblicken wir zwischen den Bäumen Sprungschanzen.

Unser nächstes Ziel ist die Trollstigvei (Trollstiege). Elf dramatische Serpentinen schlängeln sich den Berg hinauf. Die Straße ist schmal, aber dennoch parken alle paar Meter Autos am Rand. Nicht nur wir sind von den gewaltigen Bergen mit den Schneefeldern begeistert. Wasserfälle, wohin wir schauen, stürzen mit einer gewaltigen Wucht den Berg hinunter. Ungefähr bei der Hälfte führt ein Fall direkt unter der Straße hindurch und die Gewalt des Wassers peitscht uns die Gischt ins Gesicht.

In meinem Magen macht sich ein mulmiges Gefühl breit, als wir in den Kehren bis an den Abgrund anderen Autos ausweichen müssen. Am oberen Plateau angekommen, bietet sich uns ein Bild wie auf einem 3.000er –eine Aussicht kilometerweit! Wir wandern ein Stück zu einem kleinen Aussichtsplatz, von wo man die Windungen der Straße auf einen Blick sieht. Das ist pure Freiheit und eine Luft gibt es da oben! Wir gönnen uns einen kurzen Aufenthalt in dieser prächtigen Umgebung, bevor wir auf der anderen Seite des Berges wieder hinunterfahren. Türkisgrüne Bergseen mit schwimmenden Eisschollen prägen das Bild. Gruppen von Touristen sitzen an den Ufern, genießen die Landschaft und ihr Picknick.

Mittlerweile reiht sich eine Erdbeerplantage an die andere, die Luft duftet nach den köstlichen Früchten und bei fast jedem Haus steht ein Verkaufsstand.

Auf der sogenannten Adlerstraße sieht man bereits auf den ersten Serpentinen wie aus der Vogelperspektive hinunter auf den Geirangerfjord. Wir checken auf dem Campingplatz direkt in der Ortschaft Geiranger ein und machen uns dann auf die Suche nach einer Bank. Mit unseren letzten 7,- NOK, die wir noch besitzen, kommen wir nicht sehr weit und unsere Mastercard ist leider nicht sehr beliebt hier im Norden (VISA gefällt ihnen schon besser – ham ma aber net!). Nach einem ausgedehnten Spaziergang kehren wir zu unserer „Unterkunft“ zurück und machen uns einen gemütlichen Abend. Es ist 19:00 Uhr und noch sehr heiß. Der Campingplatz ist vom Gebirge umgeben und über den Schatten, den diese spenden, sind wir dankbar, als langsam die Sonne hinter den Bergen versinkt.

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