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…und es hört nicht auf zu regnen!

Kurz vor 10:00 Uhr beginnen wir zu packen. Als es mal kurz nur fein nieselt, bauen wir wie gehetzt das nasse Zelt ab und verstauen es im Auto. Wir wissen zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass es in diesem Urlaub das letzte Mal sein wird.

Es ist wieder sehr kühl, aber vorerst verbringen wir unsere Zeit im Auto auf der Fahrt nach Jondal ins Hardangergebiet. Die Kirche in Jondal wird auch Hardangerkathedrale genannt, denn sie ist die größte in der Region. Wir gehen eigentlich nur in die Kirche, um einem dringenden Bedürfnis nachzukommen. Wie in fast allen Kirchen Skandinaviens gibt es dort nämlich eine Toilette und diese ist hier besonders groß und modern ausgestattet – sogar behindertengerecht!

Im Reiseführer lesen wir, dass es in der Nähe in Herand schöne Felsmalereien aus der Bronzezeit gibt. Um ein wenig auf unserer langen Fahrstrecke zu erleben, wollen wir sie uns auch ansehen. Wir erreichen den Ort Herand schon nach kurzer Zeit und finden auch sehr schnell das Symbol, das auf eine Sehenswürdigkeit hinweist. Da wir vermuten, dass die Malereien in nächster Nähe sein werden, nehmen wir nur den Fotoapparat mit. Nach ungefähr einem Kilometer führt die Straße in den Wald hinein und beginnt langsam anzusteigen. Die Straße wird zu einem Weg, nach einigen Metern verschwindet auch dieser und wir müssen mittlerweile wie die Gämsen über Stock und Stein klettern. Wir sind froh, dass wir die festen Schuhe anhaben, denn der feuchte Boden ist sehr rutschig. Aufgrund der Tatsache, dass es tagelang geregnet hat und heute die Sonne die Oberhand übernimmt, dampft es aus dem moosigen Waldboden. Die Luftfeuchtigkeit lässt unseren Kreislauf verrückt spielen, die T-Shirts sind schweißgetränkt. Deshalb überlegen wir einige Male wieder umzudrehen. Die Neugier auf die Felsmalereien lässt uns aber noch eine zeitlang durchhalten. Als wir nach fast einer Stunde mitten auf einer Schafweide anlangen, weit und breit keine Malereien in Sicht sind und wir vor Durst fast umkommen, entschließen wir uns, doch umzukehren. Auf dem gesamten Rückweg schimpfen wir abwechselnd auf den Reiseführer wegen ungenauer Angaben und auf die Norweger, die es mit dem Anschreiben nicht so genau nehmen. Aber wir nehmen uns vor, zu Hause im Internet die Felsmalereien zu suchen, damit wir wissen, was wir nicht gefunden haben! Im Hinterkopf macht sich aber das Gefühl breit, dass hier etwas nicht stimmt und wir gar nicht auf dem richtigen Weg sind.

Enttäuscht und gleichzeitig geschafft von der unfreiwilligen Wanderung setzen wir unsere Fahrt fort. Doch nach ein paar Kurven sehen wir wieder eine Tafel UND DA SIND SIE, die Felsmalereien aus der Bronzezeit! Deutlich sieht man primitive Zeichnungen, die Boote, Tiere und Strichmännchen darstellen. Nach der Enttäuschung ist unsere Freude umso größer – ein schöner Anblick die Felsen mit den prächtigen Zeichnungen und gleich daneben die schönen Blüten des violetten Fingerhutes! Diese Stimmung versöhnt uns wieder komplett mit dem Land!

Die Fahrt führt uns weiter auf engen Straßen, vorbei an vielen Obstplantagen (Kirschen und Äpfel) und durch kleine Orte. Am Nachmittag ziehen wieder Wolken auf, und wie soll es auch anders sein, der Regen hat uns wieder eingeholt. Zeitweise schüttet es in Strömen und als es dann auch noch nebelig wird, sinkt unsere Stimmung auf den Nullpunkt. Der einzige kleine Trost zwischendurch sind die gewaltigen Wasserfälle, die fontainenhaft in die Tiefe stürzen und uns immer wieder aufs neue beeindrucken .

In der Nähe von Vågslid befinden wir uns in über 1.200 Meter Höhe und die schneebedeckte, alpine Bergwelt wechselt sich ab mit einer „Mondlandschaft“. Aufgrund des Regens beschließen wir heute eine Hytte zu mieten. Der alte Mann an der Rezeption spricht kein Wort Deutsch oder Englisch, wir kein Norwegisch. Aber mit Händen und Füßen schaffen wir es doch, dass er uns den Schlüssel für unser kleines Häuschen übergibt (NOK 250,-). Obwohl es sehr primitiv eingerichtet ist, stellt es für uns doch den reinsten Luxus dar, denn wir haben einen 2-Platten-Kocher, Tisch, Sesseln und einen Kühlschrank. Das wichtigste aber ist, wir können in einem Bett schlafen (auch wenn es sehr hart ist und bei der geringsten Bewegung kracht)!

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