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Kurz nach 08:00 Uhr klettern wir noch unausgeschlafen aus dem Bett. Der Fluglärm hat uns nachts nicht gestört, aber aufgrund der Kartonwände war der Lärm von den Gängen und das Türenschlagen enorm laut. Zudem tropfte der Wasserhahn im Bad. Das Schlimmste aber war das Bett selbst, denn es glich einem Trampolin. Wenn sich der eine bewegt hat, dann machte der andere einen Salto in die Luft. Außerdem haben wir fast die ganze Nacht um die gemeinsame Bettdecke gekämpft. Das waren aber nicht die einzigen Mängel des Zimmers, denn nachdem wir uns geduscht haben, war das Bad überflutet und die Klospülung reichte auch nur für einen kleinen Klogang.

Nichts wie weg heißt da die Devise und so packen wir zusammen und verstauen alles wieder im Auto. Auf der Strecke aus London hinaus halten wir noch bei einem McDonalds um zu frühstücken.

Unsere Susi führt uns schnell und zuverlässig auf den Motor Highway. Schon nach kurzer Zeit lassen wir London hinter uns und befinden uns auf der Strecke Richtung Stonehenge. Wolfgang gewöhnt sich sehr schnell an das Fahren auf der „falschen Straßenseite und wir kommen rasch voran.

Eine Meile vor Stonehenge kommt der Verkehr aber zum Stehen; nur schleppend geht es noch vorwärts. Dafür können wir das Monument aus Stein, das inmitten einer großen grünen Wiese liegt, schon von weitem bewundern. Massen von Menschen stehen oder spazieren um den Steinkreis herum und Massen von Autos und Bussen stehen auch auf dem Parkplatz. Ein Parkwächter weist uns auf den overflow- parking inmitten einer Schafweide ein und nimmt uns dafür drei Pfund ab.

Es ist kurz nach Mittag, als wir an der Kasse anstehen zwei lange Menschenschlangen warten geduldig davor. Wir sind jedoch wider Erwarten schnell an der Kasse angelangt und hier dürfen wir gleich die nächsten 7 Pfund abliefern. Ausgestattet mit einem Audio-Guide (diesen gibts sogar gratis) stürzen auch wir uns ins Gewühl.

Der Himmel ist bedeckt mit schwarzen Wolken und nur an einigen Stellen guckt die Sonne ein wenig hervor. Wir fühlen uns in der Zeit zurückversetzt, denn es macht sich eine mystische Stimmung breit. Aus dem Kopfhörer kommen Informationen, Sagen und Mythen über Stonehenge. Stonehenge ist eine Wall- und Grabenanlage, die von einer Megalithstruktur umgeben wird und aus mehreren Steinkreisen besteht.

Die erstaunlichsten Steinkreise sind zum einen ein äußerer Kreis mit einem Durchmesser von 30 Metern, bestehend aus Pfeilersteinen von Decksteinen überbrückt, zum anderen eine innere hufeisen- förmige Struktur. Die gesamte Anlage ist von einem kreisförmigen Graben mit einem Durchmesser von 104 Metern umgeben. Stonehenge wurde in der Jungsteinzeit begründet und mindestens bis in die Bronzezeit aktiv benutzt. Errichtet wurde die Stätte in mehreren Abschnitten, über einen Zeitraum von etwa 2.000 Jahren hinweg. Um das Monument herum liegen etwa 400 Hügelgräber aus der Zeit zwischen 2.000 und 1.500 vor Christus. Sie enthielten reiche Grabbeigaben und Splitter von Blausteinen, ähnlich denen der konzentrischen Kreise.

Stonehenge scheint seine Bedeutung als Stätte für Begräbnisse gegen Ende der Bronzezeit verloren zu haben und könnte dazu benutzt worden sein, die Sommer- und Wintersonnenwende, das Frühlings- und Herbstäquinoktium (Tag- und Nacht-Gleiche) sowie Sonnen- und Mondfinsternis vorauszusagen. Vielleicht hat es auch zur Vorhersage der verschiedenen Stellungen von Sonne und Mond zur Erde und damit zur Vorhersage der Jahreszeiten gedient, war also eine Art Kalender. Stonehenge könnte auch ein Versammlungsort für religiöse Zeremonien gewesen sein, die mit Sonne und Mond zu tun hatten. Die letzten kultischen Nutzungen werden etwa auf das 7. Jahrhundert nach Christus datiert. Fast zwei Stunden schlendern wir rund um den Steinkreis und lassen die Stimmung und die vielen Informationen auf uns wirken. Im Hintergrund meckern die Schafe und die Vögel zwitschern. Hin und wieder setzten wir uns auf eine Bank, lassen die Eindrücke auf uns wirken und beobachten die anderen Leute. Es gibt welche, die wie bei einem Wettbewerb um das Gelände herumsprinten, andere wiederum erledigen dabei über Handy ihre Geschäfte. Na ja, jedem das Seine! Bevor wir uns wieder auf die Reise begeben, picknicken wir noch gemütlich.

Unser nächstes Ziel ist Salisbury und Susi dirigiert uns wieder verlässlich ans Ziel. Ein wenig abseits parken wir das Auto und schlendern gemütlich Richtung Kathedrale. Wir sind schon von der davor liegenden Wohngegend begeistert, denn hier schmückt ein Blumenmeer die kleinen, liebevollen Vorgärten. Stockrosen höher als die Haustüre oder Rosenbüsche, nicht minder prächtig, leuchten uns in allen Farben entgegen.

Nach einem kurzen Spaziergang erreichen wir dann die imposante Kathedrale, die von einem großen, grünen Park umgeben ist. Sie gilt als herausragendes Beispiel für die englische . Die Westfassade der Kirche ist von oben bis unten kunstvoll verziert mit Figuren.

Jesus als Gott oder der Heilige Christophorus mit dem Jesuskind sind zur zwei davon. Staunend stehen wir davor wie kleine Kinder vor dem Weihnachtsbaum und bewundern die Fassade.

Berühmt ist die Kathedrale aber wegen seines 123 Meter hohen Turmes, übrigens der höchste noch stehende Großbritanniens. Der Turm ist trotz nachträglicher Armierungen nicht definitiv gesichert, denn seine Spitze neigt sich um mehr als 70 cm. Im Inneren kann man gut sehen, wie sich die tragenden Säulen und Pfeiler unter dem Gewicht des Turmes biegen. Übrigens wurde die Kathedrale zunächst ohne Turm erbaut, fertig gestellt 1258. Rund 60 Jahre später wurde der Tower hinzugefügt. Das Innere besticht mit seinen hohen, gotischen Bögen aus hellem Kalkstein und schwarzen Marmorsäulen.

Im hinteren Teil der Kathedrale gibt es einen witzigen Brunnen. Je nachdem, von welcher Seite man auf das Wasser schaut, spiegelt sich mal eine bunte Glasfensterscheibe oder das Deckengewölbe darin. Nicht weit davon entfernt steht an der Wand das Uhrwerk der medieval clock.

Seit über 500 Jahren tickt die Uhr im Kirchturm ununterbrochen und ist somit die älteste noch funktionierende Kirchturmuhr in Großbritannien. Um mehr Informationen über die Kirche zu bekommen, machen wir eine Führung mit (ist kostenlos – oder besser wurde im Eintrittspreis schon eingerechnet). Ein altes Mutterl (sicher schon an die 70 Jahre) erzählt uns mit einer Begeisterung Fakten und Gschichterl über das Bauwerk. Man merkt, dass es ihr Freude macht, wenn sie ein paar Touristen beglücken kann. Plötzlich ertönt aus einem Lautsprecher die Mitteilung „bleiben Sie, wo sie gerade sind und verharren Sie in Ruhe…. Da steht der Herr Pfarrer auf der Kanzel und spricht das Vater unser und die Menschen sollen mit ihm mitbeten. Das Mutterl erzählt uns danach, dass zu jeder vollen Stunde gebetet wird. Da wir aber schon ausgebetet haben, verlassen wir die Kathedrale, genießen einen letzten Blick und schlendern Richtung Altstadt weiter. Wir haben den Park noch nicht verlassen, da befinden wir uns plötzlich mitten in einer Hochzeitsgesellschaft. Eine aufgetakelte Braut mit einem Spitzenkleid, wie aus Großmutters Zeiten, steigt in eine cremefärbige Limousine. Das Haupt des Bräutigams wird geschmückt von einem hohen Zylinder und auch die Hochzeitsgesellschaft sieht aus, als kämen sie von einem Kostümfest. Sie haben schon komische Sitten, die Engländer! Sektschlürfend lässt sich das Brautpaar in die Altstadt fahren und ein Stück begleiten wir sie dabei.

Durch das Cathedral Close North Gate gelangt man in die Gassen der Altstadt mit ihren schönen, schwarz-weißen Tudorfachwerkhäusern. Es herrscht reges Treiben hier und bald wären wir am historischen Market Cross aus dem Spätmittelalter vorbeigelaufen. Vergeblich versuchen wir in den kleinen, Geschäften Lebensmittel für die nächsten Tage zu finden. Überall gibt es nur „preisgünstige Spezialitäten und keine Dosen und Packerl, wie wir sie zum Campen brauchen. Wir flanieren eine zeitlang in den verschiedenen Gassen herum und geben schließlich auf. Als wir wieder beim Auto ankommen, brennen uns die Füße ordentlich.

Auf unserem Tagesprogramm steht aber noch das drei Kilometer entfernte Old Sarum, das einstige Salisbury. Römer und Sachsen siedelten hier, bevor die Normannen es zu einem Bischofssitz machten. Eine Kathedrale und ein Castle entstanden. Um 1220 beschloss man umzuziehen, da nicht mehr genügend Raum und Trinkwasser für die Bewohner vorhanden war. Man begann die Steine der alten Kirche für den Bau einer Stadtmauer um die neue Kathedrale zu verwenden.

Heute fristet Old Sarum ein Ruinendasein und außer ein paar Steinwällen ist nicht mehr viel zu sehen. Von hier oben haben wir aber einen weiten Ausblick auf Salisbury und die Kathedrale, die stolz heraus ragt. Auch den Campingplatz erspähen wir und deshalb machen wir uns gleich auf den Weg dorthin. Ein wenig geschockt sind wir schon, als uns die gute Frau über zwanzig Pfund für eine Nacht abnimmt. Das sind über dreißig Euro und wenn das jeder Campingplatz kostet, dann sind wir nach den zwei Wochen arme Kirchenmäuse! Dafür dürfen wir unser Zelt inmitten einer sattgrünen Wiese aufstellen, mindestens sechs Meter entfernt vom Nachbarn, sagt die Campingplatzbetreiberin. Bevor wir aber unseren Feierabend genießen können, fahren wir noch einmal in die Stadt um Vorräte einzukaufen. Als Belohnung sitzen wir nach dem Abendessen gemütlich in unseren Minisesseln und schlürfen Rotwein aus Email- Bechern. Eingemummt in den Windjacken sitzen wir noch bis zum Sonnenuntergang und machen Pläne für morgen. Der Himmel färbt sich im Minutentakt von rosa in alle Rotschattierungen und dazu passend gibt es irgendwo in der Umgebung ein Feuerwerk. Wir haben uns schon in die Schlafsäcke zurückgezogen, als es kurz vor 22:00 Uhr zu regnen beginnt. Mal schauen, wie es morgen wird. Gute Nacht!

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