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Leichter Frust macht sich heute in uns breit, denn in der Früh sieht es echt grauslich aus. Dunkle Wolken, Wind und Nieselregen bestimmen das Wetter. In höllischem Tempo bauen wir unser Zelt ab, gehen noch in den Waschraum und machen uns danach auf den Weg in Richtung Osmington. Rosa leuchtende Heide und pittoreske Dörfer wechseln einander auf der Fahrt ab.

In Osmington heißt es die Augen offen zu halten. An der Ausfahrt des Ortes finden wir es dann – das weiße Pferd. Es handelt sich um das stilisierte Bild eines überdimensional großen Pferdes, das in den Boden gekerbt wurde. Dadurch wird die darunter liegende sichtbar. Das Alter des Bildes ist umstritten.

Wir fahren wieder ein Stück ins Landesinnere, denn bei Cerne Abbas gibt es eine weitere Hügelfigur. Kurz bevor wir den Ort erreichen, sehen wir schon von weitem eine weiße Figur. Wir trauen unseren Augen nicht – es ist nicht der Giant, den wir suchen, sondern Homer Simpson!Daher durchqueren wir die Stadt und versuchen es an der anderen Ortseinfahrt noch einmal.

Obwohl wir dann endlich ein Hinweisschild finden, sehen wir erst wieder nur Homer. Beim zweiten Hinsehen entdecken wir dann den Riesen gleich daneben. Homer „füttert den Giant mit einem Riesendonut. Wir haben ihn nicht gleich gesehen, weil seine Linien nicht mehr so strahlend weiß sind, wie die von Homer. Die 55 Meter hohe Darstellung eines Mannes mit Riesenpenis ist die größte Hügelfigur des Landes und gilt als Fruchtbarkeitssymbol. Kinderlose Frauen verbringen angeblich eine Nacht auf dem 6,9 Meter langen Penis … und hoffen. Die Linien entstanden durch Einritzen in das weiße kalkhaltige Gestein und sind etwa 30 cm tief bzw. breit.

Man nimmt an, dass der Giant aus der Römerzeit stammt, während Homer über Nacht entstanden ist. Dieser ist sehr umstritten und seine Gegner hoffen nun, dass die umweltfreundliche Wasserfarbe, die hier verwendet wurde, vom Regen weggewaschen wird. Eine schöne Wanderroute hätte es hier zu den Hügelbildern und durch das schmucke Cerne Abbas gegeben, aber da es in Strömen schüttet, begnügen wir uns nur mit den Fotos und fahren dann weiter.

Unsere Susi dirigiert uns mitten durch die Pampas auf so schmalen Wegen, dass bei Gegenverkehr immer ein Auto zurückschieben muss. Mir bleibt zeitweise das Herz stehen, so knapp ist die Angelegenheit. Ich habe Angst um unser Auto, denn ein Schaden wäre eine sehr teure Angelegenheit.

Als wir am frühen Nachmittag Abbotsbury erreichen, hat es zu regnen aufgehört – stellenweise ist der Himmel bereits blau. Mitten im Zentrum finden wir einen Parkplatz. Von dort spazieren wir an der Kirche vorbei zur Swannery, zur Schwanenzucht.

Dabei handelt es sich um eine Meereslagune mit einer Kolonie von über 800 Schwänen. Mönche züchteten seit 1393 diese Tiere zur Aufbesserung des Speisezettels. Sie galten als besondere Leckerbissen auf der königlichen Tafel. Schwäne zu züchten war ein Privileg, das den Monarchen vorbehalten war. Es wurden eigens Häuser angelegt, wo sie angeregt wurden zu brüten, denn Schwäne sind eigentlich Wandervögel. Nicht nur der Braten, sondern auch die Daunen waren hoch begehrt. Schon beeindruckend was sich hier tut, denn neben den vielen Schwänen sind auch Enten und andere Meeresvögel anzutreffen. Auf kleinen Stegen wird man durch das Areal geleitet und viele Informationstafeln erklären den gesamten Lebenslauf der Tiere.

Wir verspeisen im angrenzenden Tea Room aber keinen Schwan, sondern probieren eine englische Spezialität, nämlich ein Pasty, gefüllt mit Hühnerfleisch (ist ja ein ähnlicher Vogel wie der Schwan). Bis auf die komische braune Tunke schmeckt dieses Ding ganz ausgezeichnet. Dazu gibt es Salat und die berühmten Chips.

Nicht weit von der Swannery entfernt, führt der Wanderweg einen Hügel hinauf zur St. Catherines Chapel, ein architektonisches Kleinod mit steinernem Tonnengewölbe, das den Seeleuten seit Jahrhunderten die Orientierung erleichtert. Mittlerweile hat sich die Sonne wieder ein wenig durchgesetzt und die Ähren leuchten golden in ihrem Schein. Große, lila Distelblüten ragen aufrecht und stolz von oben herab. Der Aufstieg ist sehr atemraubend, aber die wunderschöne Aussicht belohnt uns für alle Mühen. Man sieht auf der einen Seite fast bis zum Meer und auf der anderen Seite das pittoreske Abbotsbury. Dazwischen liegen Wiesen und Felder, unterteilt mit Steinmauern. Auf einer Wiesefläche grasen mindestens hundert Schafe und wir beobachten, wie drei Hirtenhunde in nicht mal fünf Minuten die Herde zusammentreibt. Die Schafe haben mächtigen Respekt vor den Hunden, denn keines zeigt Widerstand, alle folgen brav. Die Kapelle selbst ist zwar außen sehr gut erhalten, aber im Innenraum ist fast nichts mehr zu sehen. In einer Nische haben Touristen eine Art Altar eingerichtet. Da liegen viele Teelichter und Zettel mit Wünschen und Bitten. Kann man nur hoffen, dass es was hilft und sie in Erfüllung gehen.

Der Weg zurück in das Örtchen ist nicht so beschwerlich, obwohl wir sehr starken Gegenwind haben. Abbotsbury ist geprägt von steilen Straßen und alten, steinernen Häusern, die alle noch nach traditioneller Art mit Stroh gedeckt sind. Geschafft, aber voller schöner Eindrücke erreichen wir wieder unser Auto.

Nur ein paar Meilen entfernt liegt unser nächster Abstecher, die Sub-Tropical Gardens. Der Earl of Ilchester, der einen Hang zur Botanik hatte, sammelte auf seinen Reisen durch Asien und Amerika subtropische Pflanzen und Samen. Er legte sich einen Garten an und aufgrund der windgeschützten Talsenke und dem milden Klima entwickelte dieser sich prächtigst. Riesige Bäume sind Schutz für Lilien, Funkien, und Hortensien in allen Farben. Wir fühlen uns wie im Paradies, denn außer dem Vogelgezwitscher ist kein Laut zu hören und der Himmel ist blau, als wäre es nicht mehr derselbe Tag. Der Garten ist schwerpunktmäßig in verschiedene Bereiche unterteilt. Im Teil mit zentralasiatischer Vegetation begegnen wir einem wunderschönen, bunten Fasan. Im Himalayateil sitzen wir auf einem netten Ruhebankerl, wo uns ein „Fenster im Blätterdach einen beeindruckenden Ausblick auf die St. Catherines Chapel bietet. Farne und Bambus in Dimensionen, als hätten sie ihr Leben lang nur Blaukorn bekommen, dominieren im australischen Part.

Außerdem gibt es ein großes Gehege, in dem Kokaburra auf Ästen sitzen. Wir beobachten sie eine zeitlang und versuchen mit ihnen zu lachen, denn Kokaburra heißt ja übersetzt „lachender Hans. Wir kommen bei unserem Rundgang auch an einer Skulpturen- Ausstellung vorbei. Kinder und Liebespaare werden in verschiedenen Stellungen dargestellt und es sind einige dabei, die uns sehr gut gefallen.

Auf einer einsamen Bank mitten in einer Wiese machen wir dann ein gemütliches Nachmittagsschläfchen . Gut erholt geht es dann Richtung Ausgang. Davor gibt es aber noch ein großes mit Seerosen bewachsenes Becken mit Ummengen von Kois drin, die uns nach schwimmen, wohin wir auch gehen. Uns tun sie schon richtig leid, denn wir haben leider kein Brot, mit dem wir sie hätten füttern können. Bevor wir dann endgültig wieder zum Auto gehen, schlendern wir noch durch den Souvenir-Shop, der bei jedem Garten angehängt ist. Am Parkplatz werden wir dann „verjagt, denn wir sind schon die letzten und der gute Mann möchte zusperren.

Unsere Reise führt uns weiter entlang der Küste. Wir fahren durch schöne Dörfer und lange Strecken führen uns nur an Wiesen und Feldern vorbei, voll mit Pferden, Kühen oder Schafen. Wolfgang findet endlich heraus, warum es hier in England nur gesalzene Butter gibt. Die Kühe stehen so nahe am Meer, atmen die salzige Luft und fressen das Gras, das vom salzigen Regen wächst. Ist doch ganz logisch oder nicht? Das Wetter, das gerade herrscht, entschädigt uns für den Regen am Vormittag, denn die Schäfchenwolken am blauen Himmel stimmen uns wieder positiv.

Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen ist, dass wir heute im schönsten Campingplatz von England einchecken. Der Leacroft Touringclub liegt abseits der Straße idyllisch mitten im Grünen und ist wunderbar ruhig. Er ist modern und sauber ausgestattet und die Betreiber sind so freundlich und zuvorkommend. Schade, dass wir morgen wieder weiter müssen.

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