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Auf direkter Strecke fahren wir heute ins Dartmoor. Buntes Treiben herrscht auf der Straße, denn ständig sind Schafe oder Squirrls auf der Fahrbahn. Unser erstes Ziel, nämlich Buckland Abbey, bleibt uns im wahrsten Sinn des Wortes verschlossen.

Daher besuchen wir das nahe gelegene Garden House. Der Garten ist terrassenförmig angelegt und umschließt einen Turm aus dem 16. Jahrhundert. Durch üppige Bepflanzung mit Blumen und Stauden in allen Farben entsteht ein unvergessliches Panorama. Wo man auch hinschaut, überall Blütenmeere oder Gräser, deren Ähren sich in der leichten Brise wiegen. Bienen fliegen von einer Blüte zur anderen und die Vögel zwitschern. Immer wieder finden wir Nischen mit gemütlichen Bankerl. Wir können gar nicht genug bekommen von diesem Flair, machen Unmengen von Fotos und nehmen mal hier, mal dort ein paar Samenkapseln mit.

Überall wuseln die Gärtner, zupfen Unkraut oder pflanzen neue Blumen und Stauden. An den Ausläufern verschmilzt der Garten mit der umgebenden Landschaft. Ein Katzerl, das uns schon am Eingang begrüßt hat, läuft uns immer wieder über den Weg und schmust mit uns. Wir sind ganz erstaunt, dass sie uns so gut versteht – ist anscheinend mehrsprachig aufgewachsen! In einem Teil des Hauses ist der Tea Room untergebracht. Wir bestellen uns wieder Scones (diesmal aber süße) mit Clotted Cream und Strawberry Jam. Eine bröselige Angelegenheit, aber sooooo lecker. Wir beobachten die Ladies am Nebentisch und sind beruhigt, dass sie genau soviel Mist hinterlassen.

Als wir den Garten verlassen, ist der Himmel noch voll mit Schäfchenwolken, aber das soll sich bald ändern. Bei Yelverton biegen wir ins Dartmoor ab. Das Dartmoor ist seit 1949 ein Nationalpark mit einer Fläche von 954 km². Weite Wiesenlandschaften wechseln sich mit kleinen Mooren und den Tors ab. Tors sind flache Wiesenhügel mit Granitfelsbildungen von bis zu 10 Meter Höhe. Charakteristisch für das Dartmoor sind auch die so genannten “Clapper-Bridges”, aus dünnen erbaute Brücken über Bäche und Flüsse. Berühmt ist das Dartmoor auch für sein Gefängnis in Princetown. So manch entflohener Sträfling hat sich in der Finsternis des Moors verborgen. Sir Arthur Conan Doyles hat sich für seinen Roman „Der Hund von Baskerville Anregungen zu den schaurigen Geschichten aus dem Moor geholt. Das Gefängnis ist schon von weitem sichtbar, aber wir belassen es dabei, nur daran vorbei zu fahren. Je weiter wir ins Moor hineinfahren, umso schöner wird die Landschaft.

Die weite, grüne Fläche ist dicht bewachsen mit Farnen und wird unterbrochen vom pink färbigen Fingerhut und den gelben Ginsterbüschen. An sonnigen Tagen offenbart das Moor die besondere Schönheit dieser Region. Wir sehen auch erste Dartmoor-Ponys auf den flachen Wiesen. Diese zu beobachten haben wir dann genügend Zeit, denn Punkt 13:00 Uhr beginnt es so stark zu schütten, dass wir auf einem Parkplatz stehen bleiben müssen. Lustigerweise bleiben auch die meisten Ponys wie versteinert stehen. Eine geschlagene Stunde prasselt das Wasser vom Himmel und als wäre nichts gewesen, verziehen sich die schwarzen Wolken und die Sonne lacht wieder. Wir fahren weiter und wundern uns, warum so viele Hinweisschilder „Drive more carefully aufgestellt sind. Aber bereits nach der nächsten Kurve wissen wir es, denn die Fahrbahn ist belagert von vielen Ponys.

Wir bleiben am Straßenrand stehen und dann kommen die süßen Tiere auch schon angestapft. Wahrscheinlich wurden sie von Touristen mal gefüttert, obwohl das verboten ist. Die letzten 35 Ponys, die als Lastenträger eingesetzt waren, wurden einfach laufen gelassen in der freien Natur, als 1930 die letzte Zinnmine geschlossen wurde. Seitdem vermehren sie sich und sind sehr robust und widerstandsfähig. Rund 2.500 Pferde teilen sich das Land heute mit unzähligen Schafen. Wir haben den Eindruck, als würden wir mitten in einer Pferdekoppel stehen, denn rings um uns werden die Ponys immer mehr.

Es führen nur zwei größere Straßen durch das Dartmoor und sie kreuzen sich im Ort Two Bridges. Nach einem kurzen Aufenthalt fahren wir bis Postbridge, um uns eine schön erhaltene Clapper-Bridge anzusehen. Auch wenn der Name klapprig klingt, er kommt vom Sächsischen und bedeutet „Großer Stein. Große Platten überspannen aufgetürmte Steine und bilden so eine Brücke. Und die hier in Postbridge ist sehr schön gelegen und komplett erhalten. Ich lasse es mir nicht nehmen und probiere auch aus, ob sie mein Gewicht trägt. Mulmig ist mir schon, denn sie ist nicht sehr breit und da macht sich meine Höhenangst doch ein wenig bemerkbar.

Die Brücke in Dartmeet ist nicht mehr begehbar, da der mittlere Teil schon weggebrochen ist. Ein absolutes Muss für jeden Dartmoor-Reisenden ist laut Reiseführer das Örtchen Widecombe-in-the-Moor. Der Weg dorthin ist aber sehr mühsam, denn es führen teilweise nur einspurige Wege dorthin. Immer wieder ist die Straße von Autos oder Traktoren versperrt. Stellenweise ist sie von meterhohen Büschen verwachsen und in einem Örtchen davor ist die Straße sogar überflutet. Mitten im Ort gibt es einen großen Parkplatz, der aber von Dartmoor-Ponys schon in Besitz genommen ist. Die “Kathedrale des Dartmoors” aus dem 15. Jahrhundert mit ihrem schlanken Turm zeugt vom einstigen Zinnreichtum des Ortes. Uns gefällt die Kirche nur von außen gut. Das Innere ist ungepflegt und schmuddelig. Im Pfarrhaus daneben findet ein Markt statt mit kitschigen Basteleien von Hausfrauen. Ein Aussteller findet unsere Aufmerksamkeit, denn der hat beeindruckende Fotografien vom Moor. Sie sind uns aber zu teuer, außerdem machen wir selber ja auch tolle Bilder.

Die Rückfahrt ist genauso spektakulär, aber das Verkehrsaufkommen ist aufgrund der Tageszeit etwas weniger geworden. Wir beschließen, dass wir uns heute ein B&B suchen, damit wir nicht jeden Morgen unsere Sachen im nassen Zustand einpacken müssen. Unser Vorhaben erweist sich aber als sehr schwierig, denn wir finden keine freie Unterkunft. Also programmieren wir unsere Susi, damit sie uns einen Campingplatz sucht. Sie dirigiert uns durch ganz Plymouth hindurch, schickt uns in Sackgassen und schließlich zu einem Caravanpark, der keine Urlauber mit Zelt nimmt. Kein Verlass auf unsere Susi, ist wohl ein bisschen verwirrt, die gute Dame! Also versuchen wir es auf die eigene Faust und halten Ausschau nach Hinweisschildern. Dann endlich finden wir mitten in einem Wohngebiet einen, wo eine Menge Feldhasen auf der Wiese herumwuseln. Es ist schon schön in der Natur zu leben!

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