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Unsere Susi beschließt ab heute auch Urlaub zu machen und trotz allem guten Zureden, sie rührt sich nicht mehr. Jetzt müssen wir auf die gute alte Straßenkarte zurückgreifen. Wir finden mit Hilfe der Hinweistafeln auf der Straße zu den nahe Mevagissey gelegenen Lost Gardens of Heligan. Kurz nachdem die Eingangspforten geöffnet werden, stehen wir an der Kasse. Wir bekommen zum Geländeplan jeder noch einen Minikompass. Was das wohl zu bedeuten hat? Ist der Garten so verwunschen, dass wir nicht mehr raus finden? Wir sind auf alles vorbereitet!

Im Eingangsbereich leuchten uns schon rote und orange Lilien entgegen. Der Garten war früher in Familienbesitz und man leistete sich im 19. Jahrhundert schon mehr als zwanzig Gärtner. Nach dem Ersten Weltkrieg verwilderte der Garten, bis er verkauft wurde. Vor mehr als fünfzehn Jahren erwachte er dann aus seinem Dornröschenschlaf. Unter dichten Brombeerranken und Efeu schlummerten viele Kostbarkeiten. Da sich lange Zeit niemand um die Gärten gekümmert hatte, blieb viel von seiner Ursprünglichkeit erhalten. In historischen Gewächshäusern kann man heute tropische Nutzpflanzen bewundern. Über dreihundert Obst – und Gemüsesorten, wie Wein oder Orangen, werden nach alten Anbautechniken gezüchtet. In gemauerten Gräben, die mit Pferdemist beheizt werden, züchten sie sogar Ananas. Diese Anlage stammt noch aus georgianischer Zeit und ist noch gut erhalten. Der nahe gelegene Golfstrom begünstigt das subtropische Klima, sodass Palmen, Farne und riesenblättrige Gunneras bestens gedeihen. Haushohe Rhododendren sind unter freiem Himmel anzutreffen und wir stellen uns die Blütenpracht vor, die im Frühling hier herrscht.

Jetzt im Sommer leuchten die verschiedenfärbigen Hortensien. Sie gehören heute mit einem Durchmesser von sechzig Metern zu den größten der Welt. Ein italienischer Garten mit vielen gemütlichen Sitzgelegenheiten lädt in der warmen Sonne zum Träumen ein. Jasmin blüht und verströmt seinen betörenden Duft; Ziergräser schaukeln im Wind hin und her. Über zweihundert Jahre alt ist ein von Mauern unterteilter Ziergarten. Wir können die Blütenpracht, die wir hier finden, kaum fassen. Ganze Felder mit Kornblumen, Cosmea, Rittersporn, Zierwicken oder Löwenmäulchen erfreuen sich unserer Aufmerksamkeit. Wir spazieren weiter und kommen an einem Gehege vorbei, wo Hühner und Gänse untergebracht sind.

Der Garten gliedert sich in mehrere Teile. Neben den bereits erwähnten Bereichen gibt es hier auch einen Dschungel. Vier Teiche wurden im dreihundert Meter langen Tal angelegt. Sie sind heute zum Teil mit schönen Seerosen bewachsen. An den Hängen wachsen unter anderem auch Bambus, Agaven, Hanfpflanzen, Bananenstauden und Farne und das in Dimensionen, wie wir sie zuletzt in Australien gesehen haben. Auch ein Sequoia und ein Giant Redwood haben hier ihren Platz gefunden.

An den Dschungel schließt sich das “verlorene Tal” an. Es bietet den Eindruck der ursprünglichen Landschaft Cornwalls mit den Alleen aus Eichen und Buchen. Alte Holzkohlenmeiler werden heute wieder betrieben.

Nach einem Gewaltmarsch durch das Gelände sitzen wir zu Mittag im Tearoom und genießen die uns liebgewonnen Scones mit Clotted Cream und Jam.

Ausgerastet und gestärkt nehmen wir den letzten Teil in Angriff. Mitten im Wald treffen wir die friedlich schlummernde Schönheit “Mudmaid”. Ihr mit Efeu bewachsener Körper ist halb versunken in der Erde. Auf dem Kopf wachsen Lilien als Haare. Ein Stückchen weiter funkeln uns zwei blaue Augen an. Der Kopf eines Giganten scheint aus dem Boden zu brechen. Das Gesicht ist bemoost und wieder bilden Lilien die Haare. Diese Figuren wurden 1998 von den cornischen Künstlern Susan und Pete Hill geschaffen und verzaubern jeden Besucher.

Am Ausgang können wir noch in greifbarer Nähe Vögel und einem Eichkatzerl beim Fressen beobachten. Tief beeindruckt verlassen wir nach mehr als drei Stunden die einst verlorenen, aber nun wieder gefundenen Gärten.

Auf engen, unübersichtlichen Straßen fahren wir weiter bis zu unserem nächsten Ziel, dem Trewithen Garden. Der eigentliche Eingang ist gesperrt, daher müssen wir einen kleinen Umweg fahren. Am Gatter sitzt gemütlich eine Dame auf einem Hocker und sammelt das Eintrittsgeld ein. Sie erzählt uns, dass heute eine Veranstaltung stattfindet und auch Gärtner für Fragen anwesend sind. Ein paar Schritte weiter werden wir mit Blasmusik begrüßt. Eine andere Dame drückt uns einen Plan in die Hand und dann starten wir auch schon los. Bis vor neunzig Jahren gab es in Trewithen keinen richtigen Garten, nur einen locker bepflanzten Park. Es dauerte ein halbes Jahrhundert bis aus dem Park ein schöner Frühlingsgarten wurde. Man beschreitet den Garten zunächst über einen großzügig angelegten Rasen, der sich über 200 Meter lang vor der Südfront des Hauses erstreckt.

Er ist gesäumt mit vielen haushohen Rhododendren, die aufgrund der Jahreszeit nicht mehr blühen. Auf unserem Rundgang finden wir aber einen im Schatten, der noch einzelne wunderschöne rote Blütestände hat. Hortensien in weiß und blau bestimmen das Bild. Hin und wieder entdecken wir noch einen Schmetterlingsflieder. Der Garten ist im Frühling sicher sehr schön, aber jetzt blüht fast gar nichts mehr. Selbst Sommerblumen sind hier nicht sehr viele zu sehen. Der Garten ist einfach nur grün. Wir sind von anderen Gärten schon so verwöhnt, dass wir beschließen, nach nicht mal einer halben Stunde wieder zu fahren.

Einen Garten haben wir ja heute noch auf dem Programm, den Trelissick Garden. Das Ehepaar Copeland bepflanzte den ursprünglichen Landschaftspark mit wertvollen asiatischen Rhododendren, Kamelien und Magnolien.

Wir werden nicht enttäuscht, denn hier begrüßt uns gleich ein Blütenmeer. Leuchtend rote Lilien konkurrieren mit vielen anderen prächtigen Blumen. Ein weitläufiger, sauber abgegrenzter und sehr gepflegter Rasen lädt zum Faulenzen ein. Inmitten dieses großen Parks steht eine immens große chinesische Zeder, auf dem Kinder wie die Äffchen herum klettern. Die Eltern sitzen im Schatten darunter und genießen ihr mitgebrachtes Picknick.

Mr. Copeland war Direktor der familieneigenen Porzellanfabrik, die für ihr exquisites, mit Blumen bemaltes Porzellan berühmt war. Viele der Blumen, die Teller und Teetassen zierten, wuchsen in Trelissick. 1955 schenkte die Familie den 150 Hektar großen Park dem National Trust.

Um die Blütezeit zu verlängern, wurden zu den vorhandenen früh blühenden Sorten spät blühende Rhododendren und zahlreiche sommerblühende Hortensien gepflanzt. Der Garten besteht aus zwei Teilen, die durch eine kleine Holzbrücke verbunden sind. Geht man darüber, gelangt man in den neueren Teil des Gartens. Dort wurden mehr als hundert Hortensiensorten gepflanzt. Der Jahreszeit entsprechend stehen sie momentan in voller Blüte und schon von weitem leuchten ihre satten Farben entgegen. Wir können uns gar nicht satt sehen. Gemütlich spazieren wir entlang der Blütenpracht und versuchen die Eindrücke in uns aufzusaugen.

Doch dann heißt es plötzlich zurück an den Start die Speicherkarte des Fotoapparates ist leider voll. Rasch holen wir Nachschub und beginnen mit unserem Rundgang von der anderen Seite. In einer tiefen, schattigen Schlucht ragen mehr als hundert Jahre alte nordamerikanische Zypressen hoch in den Himmel hinauf.

Ein wenig abgelegen finden wir ein nettes Holzhäuschen mit Aussicht auf einen Teil des Gartens. Die Füße brennen uns schon gewaltig – so machen wir es uns auf dem Bankerl bequem und genießen die Ruhe und das Flair des Gartens. Wir beobachten die vielen Schmetterlinge, die sich am Nektar der vielen Blüten erfreuen. Als „Neo-Engländer” nehmen wir im Tearoom abschließend noch unseren 5 o´clock tea ein und verlassen gegen sechs Uhr abends den Garten.

Wir müssen eine zeitlang suchen, bis wir überhaupt einen Campingplatz finden. Aber die Suche lohnt sich, denn wir bekommen einen schönen Platz inmitten einer Farm. Leider müssen wir uns bald ins Zelt zurück ziehen, weil es zu regnen beginnt.

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2 Kommentare zu „22.07.07 – Lost Gardens of Haligan, Trewithen Garden, Trellisik Garden

  • 18. Juni 2010 um 19:10
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    Liebe Agnes – Na dann viel Spass in England. Hoffentlich habt ihr mehr Glück mit dem Wetter!

  • 17. Juni 2010 um 17:49
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    Danke für diesen informativen, interessant gestalteten Reisebericht. Wir fliegen heuer für 2 Wochen an die Südküste Englands und ich konnte schon einige Anregungen finden!

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