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Ein freundlicher Tag begrüßt uns. Good news wir können uns heute wieder mal Kaffee zum Frühstück brühen. Der Campingplatzbetreiber hat uns einen Kocher geliehen. Laut Wetterbericht wird heute der schönste Tag der ganzen Woche. Na darauf freuen wir uns aber!

Unser erstes Ziel ist der nahe gelegene Glendurgan Garden. Wir sind noch vor dem Öffnen der Tore dort. Auf dem Parkplatz lernen wir eine deutsche Mutter kennen. Während ihre beiden Jungs zwei Wochen hier Lernferien verbringen, ist sie allein in Cornwall unterwegs. Wir unterhalten uns nett mit ihr und nach der Kasse trennen sich unsere Wege wieder.

Glendurgan Garden wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts vom Reeder Alfred Fox angelegt. Das Herrenhaus ist nach wie vor im Besitz der Familie. Schon am ersten Eingangstürl begrüßt uns die Familie Fox in Form eines Fuchses aus Stein, der auf einer Mauer sitzt. Nette Idee!

Der Garten selbst ist ein typischer kornischer Schluchtgarten, das heißt, er liegt zwischen steilen Hügeln in einem schmalen Einschnitt. Der wird von einem kleinen Wasserlauf durchflossen, der kurz vor dem Strand einen bildet. Wie in den anderen Gärten dominieren auch hier hohe Rhododendren, Kamelien und auch Farne, Palmen und Bambus. Das Markenzeichen ist aber der historische Irrgarten aus Kirschlorbeer aus dem Jahr 1833. Der Lorbeer reicht den Erwachsenen bis zu den Hüften. Die Kinder sehen nicht darüber und sie haben auch vollen Spaß mit den Irrwegen. Als hätten wir uns verabredet, treffen wir hier auch die deutsche Frau wieder. Nach einem kurzen Plausch setzten wir in entgegen gesetzte Richtungen unseren Marsch fort.

Auch hier gibt es einen hauseigenen Strand mit wunderschönen bunten Steinen. Am liebsten hätte ich mir gleich einen Kübel davon mitgenommen. Aber noch mehr Übergepäck wäre dann vielleicht doch etwas teuer geworden. Auf dem Rückweg treffen wir die Deutsche wieder. Sie ist, wie wir, auch von den schönen, hohen Hortensienbüschen fasziniert. Wir kommen an einem Teich vorbei, wo es nur so von großen, blau schimmernden Libellen wimmelt. Noch bevor wir Glendurgan Garden verlassen, läuft uns die deutsche Frau ein drittes Mal über den Weg. Ein Magnet könnte nicht zuverlässiger sein!

Gut gelaunt erreichen wir den pittoresken Ort Porthleven. Wir finden einen Parkplatz direkt im Hafen und von dort schlendern wir gemütlich die alten viktorianischen Häuser entlang. Immer wieder bleiben wir stehen um das Treiben zu beobachten. Wir schauen einem Krabbenfischer lange zu, wie er aufwendig die Tiere aussortiert, ihnen die Scheren zubindet und in verschiedene Körbe verteilt. Die kleinen wirft er wieder ins Meer zurück und ihnen folgt auch gleich wieder der Fangkorb.

Der Steg führt weit in das Meer hinein und von dort haben wir gute Sicht auf ein paar Surfer, die die hohen Wellen reiten. Sieht echt gefährlich aus. Vielleicht kreist auch deshalb immer wieder ein Hubschrauber mit Höllenlärm sehr niedrig über die Hafenanlage, um das Geschehen zu beobachten.

In einer Bäckerei kaufen wir uns jeder ein Pasty, eine mit Fleisch gefüllte Blätterteigtasche – eine Spezialität in Cornwall. Wir sind entsetzt, wie groß dieses Ding ist. Eine hätte für uns zwei locker gereicht. Und wenn wir vorher gewusst hätten, wie scheußlich es schmeckt, dann hätten wir überhaupt keine bestellt. Nach einigen Bissen wandern sie in den Litter (Abfallkübel).

Das Bilderbuchwetter entschädigt uns aber und außerdem haben wir ja im Auto noch ein paar Kekse. Da wissen wir wenigstens, was wir essen! Wir lungern lange im Hafen herum und schweren Herzens verlassen wir den schönen Ort.

Cornwall ist eine Halbinsel und an dessen westlichem Ende befindet sich Land´s End. Die 60 m hohe Granitküste ist das bekannteste Wahrzeichen der Region. Land’s End selbst ist heute in Privatbesitz eines Millionärs, der das Gelände verschandelt hat, indem er dort eine Art Disneyland errichtet hat. Auch wenn man den Funpark nicht nutzen, sondern die beeindruckenden Klippen bewundern möchte, werden massive Eintrittspreise verlangt. Gerne wären wir hier ein wenig spazieren gegangen.

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Aber wir drehen wieder um und setzten unsere Reise fort. Die Landschaft hier ist sehr schön, denn die cornische Heide leuchtet schon von weitem in den verschiedensten Rottönen.

Nur ein paar Meilen weiter führt die Straße nach Porthcurno. In der Nähe des Ortes befindet sich das einzigartige Minack Theatre. Ein Freilichttheater mit 750 Sitzplätzen, das in einen Felsenabhang direkt ans Meer gebaut wurde. Das Theater war Idee und Lebenswerk von Rowena Cade, die das Gelände in den 20ern für hundert Pfund gekauft hatte und dort in einem selbst gebauten Haus wohnte.

Shakespeares „Der Sturm” wurde hier 1932 aufgeführt und war ein voller Erfolg. Alle zehn Jahre gibt es eine Jubiläumsaufführung dieses Stückes. Rowena Cade arbeitete ihr ganzes Leben am Ausbau des Theaters, bis sie am 26. März 1983 im Alter von 89 Jahren starb. Zwischen Juni und September werden jährlich bis zu 16 Stücke aufgeführt. Der Titel jedes gespielten Stücks wird mit der zugehörigen Jahreszahl in eine der steinernen Rückenlehnen graviert. Heute ist kaum noch ein unbeschrifteter Platz zu finden.

Die Sonne scheint und Schäfchenwolken grasen am blauen Himmel. Uns bleibt fast der Atem weg von dieser Schönheit, die wir hier finden. Die äußeren Hänge werden seit 1998 durch Anpflanzungen in farbenfrohe Gärten verwandelt. Die Symbiose zwischen den bunten Blüten und den Steinen ist einmalig. Der Ausblick auf das türkis färbige Meer und die Steilküste ist nicht minder beeindruckend. Zu Füssen des Theaters liegt geschützt ein schöner Sandstrand. Eine Weile sehen wir zwei Klippenspringern zu und nicht weit daneben sitzen Fischer gemütlich auf den Steinen. Wir setzen uns auf die Tribüne und stellen uns vor, dass auf der Bühne ein Stück aufgeführt wird. Auf einmal wird uns klar, dass gerade eben eine Aufführung stattfindet, denn die Touristen arrangieren immer wieder Szenen für ihre Fotos.

Links neben der Bühne ist in die Wand ein kleiner Balkon eingelassen und von dort oben fühle ich mich wie Statler oder Waldorf, die beiden Opas aus der Muppet Show. Egal, wo wir uns auch hinsetzen, der Blick zur Bühne ist überall toll. Im Grunde würde man kein Bühnenbild brauchen, denn die Kulisse, die das Meer darstellt, ist Highlight genug. Ein abschließender Besuch im Tea Room ist für uns ein weiteres Erlebnis, denn der Raum wirkt, als würde er über dem Theater schweben. Im Souvenirladen können wir allen Angeboten widerstehen, wir sparen uns das Geld für die nächsten Eintritte.

Wir fahren die Scenic Route entlang der Küste und da, wo die Hecke nicht so hoch ist, sehen wir sogar bis zum Meer. Das Land ist leicht hügelig und in den Talsenken liegen kleine, malerische Orte. Dazwischen breiten sich die Felder der Farmen aus. Viele schwarz gefleckte Kühe weiden auf den Wiesen. Unterteilt sind die Flächen mit Steinmauern oder Ginsterwällen. Fuchsien und Lilien bringen Farbtupfer in das satte Grün. Dann kommen wieder Abschnitte, wo der Boden dicht mit niedrigen Farnen und Heidekraut bewachsen ist. Einfach wunderschön!

Wir sind während der Fahrt so beeindruckt von der Landschaft und den Orten, dass wir im Nu in St. Ives landen. Der Ort liegt im äußersten Westen Cornwalls direkt am Atlantik und ist bekannt aus Rosamunde Pilchers Verfilmung „Die Muschelsucher”. In diesem Film geht es um ein besonderes Bild und St. Ives besitzt seit 1993 eine Außenstelle der Londoner Tate Gallery. In den vielen, engen, verwinkelten Gassen besitzt der Ort auch zahlreiche Galerien und Kunstgewerbeläden. Auf der Suche nach einem Parkplatz drehen wir eine Runde im schönen Ortskern. Dann führt uns ein Hinweisschild auf einen großen Parkplatz außerhalb der Altstadt.

Wir müssen zwar von dort ein schönes Stück gehen, aber schon nach den ersten Metern verlieben wir uns in diesen pittoresken Ort. Die schmalen mit Kopfstein gepflasterten Gassen mit ihren kleinen Läden und Pubs laden wirklich zum Bummeln ein. Viele Menschen sind unterwegs und belagern die Take-Away-Geschäfte. Uns fällt auf, dass die vielen Leute aussehen wie frisch gekochte Lobster. Da bekommen wir beim Hinsehen schon Schmerzen. Dann erreichen wir den Hafen mit seinem goldenen Sandstrand und jetzt wissen wir auch, woher die Lobster kommen. Denn da lümmeln im Sand noch weitere herum. Sie sind echt wahnsinnig, die Engländer.

Da gibt es einmal in der Woche einen schönen Sommertag und sie schmeißen sich in die Sonne von früh morgens bis zum Sonnenuntergang, um sich braten zu lassen.

Der Strand reicht bis weit ins Meer hinein, denn es herrscht gerade Ebbe. Sieht echt lustig aus, denn die Boote liegen mitten auf dem Strand vor Anker. Wir schlendern ein Stück am Hafen entlang und entdecken ein Pub, das mir sehr vertraut vorkommt. Menschenmassen stehen hier – Bier trinkend und sich gemütlich unterhaltend. Wir beschließen, uns ihnen anzuschließen. Wir holen zwei Guinness an der Bar und machen es uns dann im Gastgarten gemütlich. Der reinste Pilcher Film! Und wir wandeln wirklich auf den Spuren der Rosamunde Pilcher, denn das Pub war bereits Schauplatz in einem ihrer Filme.

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