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Wir stehen spät auf und gegen 10:00 brechen wir bei strahlend schönem Wetter auf. Während der Fahrt können wir die wunderschöne Landschaft genießen, die in verschiedenen Grüntönen leuchtet, unterbrochen durch roten Klatschmohn, gelben Ginster und violetten Judasbäumen.

Eine schmale Serpentinenstraße führt in das verträumte Örtchen Gorbio. Bei jeder Felswand, die sich dem Außenspiegel nähert, sprudeln Stoßgebete aus mir heraus – die scheinbar auch erhört werden, da wir ohne Schramme am Parkplatz ankommen. Dieser liegt oberhalb des Ortes und von dort hat man einen schönen Blick auf eine riesengroße Ulme, die 1713 auf dem Dorfplatz gepflanzt wurde. Der Ort zieht uns schnell in seinen Bann, besonders durch seine mittelalterlichen Arkaden. Die Häuser ragen 3-stöckig über uns empor und werfen ihren Schatten in die engen Gassen.  Die kleinen Treppen und Vorplatzerl sind liebevoll mit Blumen und Töpfen dekoriert. Wir fühlen uns ein wenig in die Ritterzeit zurück versetzt.

Zwischen den vielen Steinhäusern finden wir die kleine einfache Dorfkirche, die sehr gut erhalten ist.  Ihr Turm wird geschmückt von bunten Schindeln, die einen schönen Kontrast zum vielen Stein bieten.

Auch die bunten Fahnen, die das Rathaus flankieren, heben sich vom vielen Grau ab. Auf dem kleinen Platzerl davor befindet sich ein schöner Brunnen.

Immer wieder bieten sich auch gute Ausblicke auf die umliegenden Berghänge.

Wir schlendern auf Kieselsteinpflaster durch das Gassenlabyrinth, das von Jasminduft durchzogen wird. Ganz unerwartet erreichen wir einen kleinen Park mit Olivenbäumen, darunter gemütliche grün gestrichene Bänke. Hier verweilen wir ein wenig und lassen uns von dem leichten Lüftchen umwehen. Die Ruhe wird kurz von zwei Jungs gestört, die mit einem giftgrünen Laubfrosch spielen, den sie uns auch prompt verkaufen wollen – schließlich kaufen Touristen ja eh alles.

Weiter geht die Bergfahrt Richtung Roquebrune –  Susi zeigt uns ja bekanntlich immer den schnellsten Weg. Dieser entpuppt sich aber als etwas breiterer Eselspfad, sodass wir nach zirka 3 Kilometern die Hosen voll haben und umkehren. Aber links geht’s den Berg steil runter, rechts geht die Felswand vertikal nach oben – und dazwischen stecken wir mit unserem breiten Campervan. Zu allem Verdruss ist die Straße auch nicht im besten Zustand. Wir manövrieren unser Gefährt im Schritttempo den Weg verkehrt zurück, bis wir zum Glück eine Wendemöglichkeit finden.

Daher fahren wir wieder dieselbe Strecke, die wir morgens gekommen sind, zurück nach Menton und biegen von dort nach La Turbie. Auch hier sind die Parkmöglichkeiten hoffnungslos überfüllt und wir können mit unserem riesigen Gefährt nirgends stehen bleiben. Daher parken wir unser Auto außerhalb bei einer Baustelle, packen die Räder aus und strampeln den Berg zurück hinauf. Die Stadt liegt auf der Via Aurelia, der damaligen Handelsstraße, die nach Westen führte. Sie wurde mit Steinen aufgebaut, die größtenteils vom Tropaeum Alpium, einem römischen Siegesdenkmal, stammen.

Von der Aussichtsplattform unterhalb der berühmten römischen Siegestrophäe haben wir einen wunderbaren Ausblick auf Monaco und Monte Carlo. Der Zugang zum gigantischen Monument (über 35 Meter hoch) ist heute gratis – welch nette Überraschung. Das Denkmal wurde vom römischen Senat um 5 vor Christus erreichtet, um die Unterwerfung aller gallischen und germanischen Völker durch Kaiser Augustus zu preisen. Auf einer großen Tafel zählt die lateinische Inschrift alle Namen der unterjochten Stämme auf.

Nach dem Rundgang um das Monument und einem kurzen Besuch im dazugehörenden Museum mit einer maßstabgetreuen Nachbildung besteigen wir ehrfürchtig (eher nur fürchtig, weils so tief nach unten geht) das obere Plateau. Schwer vorzustellen, dass das Monument zur damaligen Zeit über 50 Meter hoch gewesen ist. Im 20. Jhdt. wurde mit der Rekonstruktion des ursprünglichen Bauwerkes begonnen, das im Laufe der Jahrtausende sehr gelitten hatte und sogar gesprengt werden sollte.

Wir blicken auf das rote Dächermeer der Altstadt hinunter, die unser nächstes Ziel ist. Auch hier breitet sich eine mittelalterliche Stadt mit ihren engen Gassen  und Arkaden vor uns aus, die sehr liebevoll mit vielen Blumen geschmückt ist. Im Gegensatz zu Gorbio wurden hier die Häuser und Wege jedoch bereits restauriert.

Leider ist die Kirche eingerüstet, sodass wir keine Aufnahmen von dem eindrucksvollen Glockenturm machen können. Der Innenraum ist bunt bemalt und mit roten Teppichen ausgelegt.

Am späten Nachmittag starten wir den zweiten Anlauf nach Roquebrune– diesmal jedoch aus der anderen Richtung. Wieder ist der Parkplatz überfüllt – der Ort selbst ist sogar für Wohnmobile gesperrt. Also ist wieder russisches Bergab-Parken in einer Kurve vor der Ortseinfahrt angesagt und ein kleiner Spaziergang den Berg hinauf notwendig.

Am Eingang zur Altstadt orientieren wir uns an einem Ortsplan und stiefeln trotzdem kreuz und quer treppauf, treppab, um eines der alten römischen Steintore zu finden, derer es vier geben soll. Wir entdecken keines, dafür aber beeindruckt uns der tausendjährige Olivenbaum, der angeblich 10 Meter Durchmesser hat.

Vom Place des Deux Frères kämpfen wir uns die verwinkelten Gassen hoch bis zum Eingang der Burg aus dem 10. Jhdt. Sie befindet sich auf dem höchsten Punkt der Gemeinde und der 26 Meter hohe Donjon ist vermutlich der älteste erhaltene in Frankreich. Leider sind die Tore nur noch eine halbe Stunde geöffnet und daher beschließen wir, nicht ins Innere der Burg vorzudringen. Wir setzen uns am Vorhof auf ein schattiges Bankerl und suchen in unseren Reiseführern nach dem nächstgelegenen Stell- oder Campingplatz.

Da es aber in näherer Umgebung keine gibt, beschließen wir, unser Auto einfach in der Kurve stehen zu lassen. Wir futtern die letzten mitgebrachten Essensreste und spülen mit einem köstlichen Freistädter Bier nach. Dann geht’s ab in die Heia, auch wenn wir diesmal etwas bergab liegen. Bonne nuit.

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