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Ausgeschlafen und voller Tatendrang brechen wir auf und Susi lotst uns auf Anhieb zu einem Parkplatz gleich neben dem berühmten Arc de Triomphe (Stadtgründungsbogen). Das dreibogige römische Monumentaltor, das fälschlich als Triumphbogen tituliert wird, hat eine Länge von 19 Metern, eine Höhe von 18 Meter und eine Breite von 8 Metern. Es ist eines der besterhaltenen und größten Bauwerke seiner Zeit und gehört seit 1981 zum UNESCO-Kulturerbe. Der Bogen repräsentierte die Vorherrschaft Roms über die Völker der Region, die als Geschichte in die Oberfläche dieses symbolträchtigen Monuments eingemeißelt ist. Zwischen ihren vier Halbsäulen sind Gefangene in Ketten und darüber erneut Kriegstrophäen auszumachen. Enttäuschung macht sich aber in uns breit, als wir sehen, dass der Triumphbogen aufgrund von Renovierungsarbeiten ein Kondom übergestülpt hat. Wie kleine Ameisen stehen wir unter dem Monument und staunen trotzdem über die Mächtigkeit des Bauwerkes.

Nach einem kleinen Spaziergang erreichen wir die Altstadt und die im Zentrum liegende Cathédrale Notre-Dame, die in der Zeit von 1083 – 1126 im romanischen Stil erbaut wurde. Während der Religionskriege wurde sie aber stark beschädigt. Orange wurde erst 1107 zum Bistum erhoben. Wir betreten das Innere durch das Südportal und erschrecken ein wenig, weil man von dort direkt bei einem flieder bemalten Seitenaltar landet. Bis auf die Decke ist der gesamte Innen-raum bemalt und wirkt dadurch größer und dreidimensionaler. Schöne, große Fenster in bunten Farben komplettieren das Aussehen. Sie sieht sehr aufgeräumt aus denn man hat sehr wenig Deko verwendet. Dezente Orgelmusik begleitet unseren Rundgang durch die Kathedrale und läßt uns so für eine Zeitlang dem Lärm des regen Treibens auf den Straßen entfliehen.

Eine Straße weiter landen wir beim Hôtel de Ville aus dem Jahr 1671. Ein schöner, vergoldeter Glockenturm, der in der Sonne strahlt, ziert das Rathaus. Der Platz davor ist gefüllt von Tischen und Sesseln der umliegenden Restaurants und Cafés, die zum Verweilen einladen. Markant ist auch die Weihnachtsbeleuchtung, die überall in den Gassen noch hängt und die vielen Sterne ein wenig irritieren.

Wir schlendern aber weiter durch die Gassen bis zum Théâtre Antique aus dem  1. Jhdt. n. Chr. Es zählt heute zu den besterhaltenen Bauwerken der Welt. Es wurde am Hang des stadtzugewandten Hügels errichtet und dazu mussten einige Gänge direkt in den Fels geschlagen werden. Vom 16. bis zum 19. Jhdt. bildeten viele im Areal des einstigen Theaters erbaute Häuser ein reguläres Wohnviertel der Stadt. Teile des Theaters dienten während der Frz. Revolution als Gefängnis, in dem die Feinde unter unwürdigen Bedingungen festgehalten wurden. 1824 wurde mit der Renovierung begonnen und seit 1869 finden wieder regelmäßig Aufführungen und Konzerte statt. Etwa 7.000 Personen bietet es heute Platz,  zu römischen Zeiten wird eine Zahl um die 10.000 angenommen. Je nach Rang und sozialer Stellung fanden die Besucher Einlass, wobei die unteren Schichten auf den oberen Rängen saßen. Noch erhalten geblieben sind die ersten drei ursprünglichen Sitzreihen. Die massive Bühnenwand ist 103 m lang und 36 m hoch und wird geziert von einer Nachbildung der 3,55 m hohen Kaiserstatue des Augustus.

Audioguides führen uns durch das Theater und machen uns die Geschichte lebendig. Auf der Bühne wird eine Schülergruppe in das Leben und Werken von damals instruiert und mit Spaß und Freude bringen sie ihre Darbietungen den Klassenkameraden und den Touristen rundherum. Sitzreihe um Sitzreihe klettern wir hoch und oben angekommen wird uns ganz schön schummrig, denn es geht s-e-h-r weit hinunter!

Unser wohlverdientes Mittagessen nehmen wir im angrenzenden Restaurant zu uns. Die „Grotte d´Auguste“ bietet ein schönes Ambiente, denn sie ist umgeben vom Theater links und auf der rechten Seite vom Augusteum, einem Tempel, der der Verehrung der römischen Kaiser gewidmet wurde.

Bevor wir uns wieder ins Auto setzen und uns auf die Reise zum nächsten Ziel machen, genießen wir noch einen abschließenden Espresso am Place de la République direkt vor dem Rathaus.

Gegen 16:00 Uhr erreichen wir den außerhalb von Vaison-la-Romaine gelegenen Camping-Car-Parkplatz. Wieder schwingen wir uns auf die Fahrräder und los geht´s zu den nächsten Ausgrabungen, denn hier ist die größte französische archäologische Ausgrabungsstätte aus dem 1. und 2. Jhdt. n. Chr. Die Stadt besaß in römischer Zeit ca. 60 bis 70 Hektar Fläche. Reste eines Tempels, große Gärten mit Säulen, verschiedene Thermalbäder, Straßen und Villen können an verschiedenen Orten in der Umgebung besichtigt werden. Forum und Basilika – das Herz der Römerstadt – wird durch die moderne Stadt bedeckt und ist deshalb nicht ausgegraben. Vaison-la-Romaine wird auch das französische Pompeji genannt, denn seit 1907 ist es den Archäologen gelungen, rund ein Fünftel des römischen Vasio freizulegen. Auch hier bieten die Ausführungen eines Audioguides einen ausgezeichneten Einblick in den Aufbau einer römischen Provinzstadt inklusive antikem Theater. Das Amphitheater, das in den Nordhang geschlagen wurde, bot etwa 5.000 bis 6.000 Zuschauern Platz und ist sehr schön renoviert.

Um 18:30 Uhr werden die Pforten geschlossen und daher radeln wir zurück zum Auto. Die Suche nach einem Campingplatz ist erst sehr mühsam, doch auch diese Herausforderung meistern wir mit bravour und dann machen wir es uns noch unter der Markise gemütlich.

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