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Wir fahren – besser, wir stauen – zurück bis Brixen und nehmen dort die autostrada Richtung Bozen. Mitleid empfinden wir mit den Autofahrern auf der gegenüberliegenden Richtung, denn da staut es sogar fast dreißig Kilometer. Wie lange die Wurscht noch wird, das möchten wir gar nicht wissen! Zum Glück verlassen wir bei Bozen-Süd die Autobahn und Susi leitet uns zum Camping Moosbacher, den wir uns zuvor aus unserem Reiseführer ausgesucht haben. Das Schild „besetzt“ ignorieren wir und fragen trotzdem nach. Für die erste Nacht bekommen wir einen Notstellplatz und morgen ziehen wir dann um. Kein Problem, wir sind ja eh nur zum Schlafen da!

Mühsam, weil das Gas so spärlich aus der Leitung kommt, kochen wir uns Mittagessen und dann fahren wir mit dem Fahrrad Richtung Zentrum, um Bozen ein wenig zu erkunden. Die Stadt hat sehr großzügige und gut beschilderte Radwege, sodass das Radln richtig Spaß macht. Sogar die Fahrtrichtung ist markiert.

Unser erstes Ziel ist der Siegesplatz, weil dort heute Markttag ist. Als wir eintreffen, sind die Händler aber schon mitten im Zusammenpacken und wir haben sogar Probleme weiter durchzukommen. Daher machen wir kehrt und steuern die Dominikanerkirche an. Wir stellen hier die Fahrräder in die Radständer, denn ab jetzt wird gelaufen.

Erst mal statten wir dem Inneren der Kirche einen Besuch ab. Die Dominikaner errichteten um 1300 für ihr gerade gegründetes Kloster eine Kirche, die später zu einer dreischiffigen Kirche umgebaut wurde. Sie ist sehr schlicht gehalten – bis auf den Altarraum, der mit rosa Stuckmarmor und rosa-weißen Deckenfresken ausgekleidet ist. Vom Chor aus betreten wir seitlich die Johanneskapelle, die uns um einiges besser gefällt. Sie ist bis auf einige beschädigte Stellen von oben bis unten mit Malereien versehen, die auf drei zeitlich verschiedene Perioden zurückzuführen sind. Während wir die Kirche und Kapelle bestaunen, bekommen wir Hintergrundmusik von vier Geigern, die sich gerade für eine Hochzeit warm spielen.

Nur ein paar Gassen weiter erreichen wir den Waltherplatz, auf dessen Mitte das Denkmal des größten deutschsprachigen Minnesängers – Walther von der Vogelweide – steht. Seine Füße sind eingebettet in ein Blumenmeer, als wären wir mitten im Frühling. Der Hibiskus blüht in allen Farben und verströmt einen herrlichen Duft.

Direkt daneben befindet sich die Dompfarrkirche mit ihrem 62 m hohen Turm. Dom deswegen, weil seit 1996 Bozen anstelle von Brixen die Rolle als Bischofsstadt übernommen hat. Der Bau des gotischen Bauwerkes wurde im 13. / 14. Jhdt. begonnen und erst 1519 fertig gestellt. Auffallend ist das bunte Schindeldach der Kirche, das in der Sonne glänzt. Und auch der filigrane Glockenturm ist ein Meisterwerk.

Wir schlendern weiter und landen in den „Lauben“. Bozen war schon immer ein Handelsort und die zentrale Einkaufsgasse mit ihren jahrhundertealten Bürgerhäusern legt Zeugnis davon ab. Wir bummeln unter den schattigen Lauben und machen auch mal einen Abstecher in einige Geschäfte (z.B. Südtirols Thalia, nämlich „Athesia“, um Wolfgang´s Lesestoff aufzufüllen). Größere Aufmerksamkeit haben aber die alten Häuser, wovon einige wunderbar verziert, auf anderen noch alte Fresken zu finden sind oder tolle Eingänge besitzen. Die hübschen Erker kennen wir ja schon von der Altstadt aus Brixen. Die ungewohnte Hitze und die vielen Eindrücke werden uns dann aber zu viel und wir spazieren wieder auf den Waltherplatz. Dort machen wir es uns in einem der vielen Cafés bequem – bei einem Wahnsinns-Eiskaffee! Von hier können wir aus der ersten Reihe Bozens Schickimicki beobachten. Bewundernswert, wie die Damen mit ihren High-Heels so flink über das Kopfsteinpflaster stöckeln können. Ein junges Girlie telefoniert wahrscheinlich mit ihrer Freundin, denn wem hätte man sonst so viel zu erzählen? Dabei erledigt sie ihr Workout-Programm, indem sie ständig den Platz auf und ab läuft. Ein junges Liebespärchen interessiert der gute Walther nicht, sie sind damit beschäftigt, sich selbst zu fotografieren. Und den Spatzen gefällt es hier auch, sie sitzen auf den Cafétischen und lauern, ob etwas für sie abfällt. Wir bestellen nach dem Eiskaffee noch etwas zu trinken – ein großes Glas, damit wir noch länger sitzen bleiben dürfen. Es ist hier so bequem!

Langsam machen wir uns aber doch auf den Weg zurück zu unseren Rädern und schließlich wieder zum Campingplatz. Bei einem Glas Vino schmieden wir Pläne für die nächsten Tage – das Wetter soll ja Mitte der Woche leider feucht werden – mal sehen.

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