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Es beginnt wieder ein traumhafter Tag – makellos blauer Himmel, einzig der Mond und die Kondensstreifen der Flugzeuge sind am Himmel sichtbar.

Etwas früher als sonst brechen wir auf und halten einen halben Kilometer vor der Altstadt von Bruneck auf einem gebührenpflichtigen Parkplatz. Von dort erreichen wir zu Fuß sehr schnell das Ursulinentor mit der gleichnamigen Kirche direkt daneben. Das Ursulinentor ist Teil der Stadtmauer und öffnet den Zugang zur Stadtgasse. Sehr eindrucksvoll sind hier auf beiden Seiten die alten Bürgerhäuser, die Großteils falsche Treppengiebel besitzen. Zusätzlich prägen kleine Erker, alte Aushängeschilder, zahlreiche Bemalungen und alte Fresken das Bild. Einfach traumhaft schön anzusehen – als befänden wir uns um Jahrhunderte zurück versetzt.

Viele Lieferanten und Menschen huschen auf dem roten Kopfsteinpflaster durch die Gasse. Schnell noch ein Fenster geputzt oder eine Straße gekehrt, dann kann der Alltag so richtig losgehen. Die unterschiedlichsten Düfte strömen aus den Geschäften und Cafés. Wir durchqueren das prachtvoll mit Fresken geschmückte Ragentor, lassen uns auf dem Platz Oberragen in einem Restaurant nieder und genießen erst mal unseren Frühstückskaffee (den es heute Morgen aufgrund fehlenden Stroms nicht gegeben hat). Von dort sind der Ansitz Sternbach, ein wuchtiges Stadthaus von 1664 und eine barocke Marienstatue inmitten des Platzes gut sichtbar. Daneben plätschert das Wasser eines schmucken Brunnens ins Steinbecken und lässt eine gemütliche Atmosphäre entstehen. Während uns die warme Sonne ins Gesicht scheint, können wir gleichzeitig den Blick auf die Burg Bruneck genießen. Sie wurde 1250 gegründet und aufwendig renoviert.

Wir schlendern weiter zur leuchtend gelben Pfarrkirche „Zu unserer lieben Frau“, die eine der ersten Kirchenbauten im neuromanischen Stil ist. Sie ist seit 1610 Pfarrkirche, wirkt im Inneren aufgrund des pastellfarbigen Stuckmarmors und dem vielen Gold sehr hell.

Den Berg hoch und wir gelangen zur Burg, die uns aber leider aufgrund einer Renovierung verschlossen bleibt. Reinhold Messner lässt hier das fünfte MMM – Messner Mountain Monument entstehen. Dafür haben wir von hier oben eine tolle Aussicht auf die Stadt und die umliegenden, verschneiten Berge.

Also spazieren wir auf der anderen Seite des Hügels wieder Richtung Altstadt hinunter und gelangen zuvor zur Rainkirche, die der hl. Katharina geweiht ist. Ihr auffallender doppelstöckiger barocker Zwiebelturm zieht uns vollends in den Bann.

Mittlerweile hat sich das Treiben auf der Stadtgasse vermehrt und es sind Mengen von Radfahrern unterwegs, als wären wir in Holland.

Eines von vier Stadttoren, nämlich das Florianitor, durchqueren wir noch, bevor wir Mittagsrast halten. Das Essen (Polenta bzw. Zwiebelrostbraten) lassen wir uns in der Klosterstube schmecken und können dabei die Touristen und geschäftigen Leute beobachten, die wie auf dem Laufsteg an uns vorbei flanieren.

Am Nachmittag fahren wir weiter Richtung Innichen. Die schmale Straße windet sich wieder hoch und wir sind mittlerweile auf über 1.000 m. Kleine Dörfer mit ihren schlanken Kirchtürmen thronen auf den Abhängen und auf den schrägen Almen sind die Bauern mit dem Mähen beschäftigt.

Wir erreichen das Pragsertal und machen einen Abstecher zum Pragser Wildsee. Vorbei an der malerischen Kirche St. Veit geht es auf über 1.500 m hoch zum See. Nachdem wir unseren Obolus für das Parken bezahlt haben, packen wir unser Rucksackerl und los geht’s auf den 4 km langen Rundweg.

Der 36 m tiefe Pragser Wildsee ist im wahrsten Sinn der Worte ein Juwel der Dolomiten. Auf dem smaragdgrün leuchtenden Wasser sind Ruderboote unterwegs und in Ufernähe tummeln sich hunderte von Fischbabies. Anfangs ist der Weg leicht und flach und führt an der Ostseite auf einem, an allen heiklen Stellen, gesicherten Steig entlang der senkrecht ins Wasser stürzenden Wände. Der See ist umgeben von Nadelwald, wo Heidelbeer- und Preiselbeerstauden wachsen. Hin und wieder leuchtet silbern eine Distel in der Sonne. An einer Lichtung fließt, zur Freude vieler Kinder, ein kleines Rinnsal den Abhang herunter – zuvor aber gibt es eine Gratisdusche von oben.

Einige hundert Meter weiter nähern wir uns einer Kuhherde und beim Durchqueren ihres Reviers zerrt die eine oder andere Kuh an den Rucksäcken der Touristen. Vielleicht haben die Menschen doch ein paar Leckereien eingepackt?

Wieder zurück am Ausgangspunkt gönnen wir uns noch unseren täglichen Nachmittags-Cappuccino auf der Restaurant-Terrasse mit Blick auf den See. Die Wärme ist so angenehm, dass wir sie am liebsten noch viel länger genossen hätten.

Doch jetzt heißt es den Campingplatz in Toblach anzusteuern, damit wir unserem morgigen Ziel näher sind.

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