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Wie aus vollen Fässern hat es die ganze Nacht geschüttet. Das fängt ja gut an! Das Prasseln der Regentropfen auf dem Autodach hat uns erstens nicht sonderlich gut schlafen lassen und zweitens die Blase animiert, sich nachts mehrmals zu entleeren. Dementsprechend müde und unmotiviert sind wir frühmorgens und der noch anhaltende Regen tut das seinige dazu. Also überlegen wir kurz und befragen dann das Internet über Thermen in der Umgebung. Da bietet sich das Erlebnisbad Acquarena in Brixen an. Schnell sind die nötigen Dinge dazu gepackt, das Frühstück verdrückt und alles wieder in den Kästen verstaut.

Als wir uns auf den Weg Richtung Brixen machen, reißt die Wolkendecke auf, blauer Himmel und Sonne kommen zum Vorschein. Nach einem kurzen Halt bei der Tourist Info und gutem Zureden der netten Dame, schmeißen wir unseren Plan wieder über den Haufen und packen das alte Programm aus – wir fahren zur Burg Reifenstein, die ganz in der Nähe liegt.

Bei der Führung um 10:30 Uhr sind wir mit einem deutschen Pärchen + Kinder die einzig Deutsch-Sprechenden, daher bekommen wir eine Solo-Vorstellung. Die Mauern des Innenhofes sind mit wildem Wein bewachsen und umranden einen kleinen Bauerngarten, wo gerade der gelbe Sonnenhut und lila Phlox blühen. Um den alten Torbogen sind noch Teile eines alten Freskos zu sehen aus der Zeit des Deutschen Ordens, der 1470 die eindrucksvolle Burg übernahm. Reifensteins Bergfried aber stammt noch aus romanischer Zeit. Heute ist sie in Besitz der Tiroler Grafen Thurn und Taxis, die hier seit 1813 aus und eingehen (ihr Wappentier ist der Dachs). Beachtenswert dabei ist, dass fast alles an der Burg noch aus dem Spätmittelalter stammt und nur geringe Erweiterungen gemacht wurden.

Wir schreiten weiter in den Innenhof, der mit schönem Blumenschmuck versehen ist. Die Besichtigung zeigt neben der rußgeschwärzten Rauchkuchl, dem kleinen Wohnraum des Pfaffen, dem Schlafraum der Diener und Landsknechte, dem Kerker bis hin zu den eleganten Räumen der Adeligen. Besonders hervorzuheben ist dabei der grüne Saal, der mit prächtigen Bemalungen an Wänden und der Holzdecke versehen ist.

Nach mehr als eineinhalb Stunden sind wir wieder am Eingang angelangt und wir sind sehr begeistert von den genauen Ausführungen und den lebendigen Geschichten der Führerin. War wirklich sehr anschaulich und hoch interessant – diese Führung können wir wirklich wärmstens empfehlen.

Es ist kurz nach Mittag und von Regen keine Spur mehr – strahlend blauer Himmel mit Schäfchenwolken wie gestern. Der einzige Unterschied ist, dass es heute etwas windiger ist, aber das macht nichts!

Bevor wir die geplante Wanderung in die Gilfenklamm in Ratschings machen, stärken wir uns noch mit einer Pizza.

Der Parkplatz ist schnell erreicht, ab in die Wanderschuhe, noch eine Windjacke angezogen, denn es geht ja in den Wald und los geht’s. Kurz nach dem Hütterl, wo ein Obolus zu leisten ist, wird der Weg schmaler und holpriger. Aber das stört alles nicht, denn die Aufmerksamkeit wird auf die Umgebung gelenkt. Moos, Farne und Sauerklee in sattem Grün vermischen sich mit rosa Storchenschnabel und lila Glockenblumen. Die Regentropfen auf den Blumen und Blättern glitzern im Schein der Sonne und durch das Blätterdach der Bäume hat man Sicht auf den blauen Himmel. Es hat schon was verwunschenes, dieser Wald. Begleitet wird unsere Wanderung vom Plätschern des Wassers, das stellenweise so laut tost, dass man sein eigenes Wort nicht versteht. Die Schlucht wird enger und an steilen Felshängen klammern sich Gebüsch und Bäume fest. In Serpentinen erklimmen wir über Stege, Brücken und in den Stein eingehauene Treppen die Anhöhe. Und unsere Pumpen laufen auf Hochtouren! Einige Abschnitte sind sehr dunkel, wo sich die eisenharten Marmorfelsen fast zusammenschließen. Der Höhepunkt ist ein 15 m herabstürzender Wasserfall, der in die wenige Meter breite, von überhängenden Felsen bedrohlich wirkende Schlucht sprüht und donnert. Es herrscht hier besonderes Heilklima, dank der hohen Konzentration an aktiven Sauerstoff-Ionen. Diese stimulieren das Immunsystem, reinigen die Atemwege und wirken allgemein vitalisierend. Wozu brauchen wir da eine Therme?!

Wir verweilen eine Zeit lang, genießen das Schauspiel und atmen viele Ionen ein. Dann wird der Rückweg in Angriff genommen – wir sind ja jetzt wieder frisch und munter.

Es ist mittlerweile kurz vor 16:30 Uhr, als wir den Parkplatz erreichen. Die Wanderutensilien werden wieder verstaut und dann führt unsere Reise weiter bis zum Örtchen Vahrn, das mit Brixen fast verwachsen ist. Hier stellen wir unseren Camper ab, erledigen noch die Einkäufe und machen es uns für den Rest des Tages gemütlich.

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